Deutsch

Rastatt stärkt Krisenvorsorge: Stadt, Einsatzkräfte und Bürger entwickeln gemeinsam Maßnahmen

Wie können Stadt und Bevölkerung gemeinsam besser auf Krisen vorbereitet sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich Rastatt in der zweiten Phase des Projekts „Stark vor Ort – gut vorbereitet für den Ernstfall!“. Bei einem Pressegespräch am Mittwoch, 28. Oktober, im Historischen Rathaus stellten Oberbürgermeisterin Monika Müller, Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung, und Anni Schlumberger, Geschäftsführerin der Allianz für Beteiligung, die nächsten Schritte vor.

Im Rahmen des Termins wurde die Teilnahme an der Pilotphase am Projektstandort Rastatt offiziell unterzeichnet, die durch die Baden-Württemberg Stiftung finanziell gefördert wird.

Erkenntnisse aus vergangenen Krisen nutzen

Rastatt war bereits an der ersten Projektphase beteiligt. Im Frühjahr tauschten sich Bürgerinnen und Bürger, die unmittelbar vom Bombenfund und der Evakuierung im Oktober 2025 betroffen waren, mit Vertretern der Blaulichtorganisationen und des städtischen Krisenstabs über ihre Erfahrungen aus.

Die erste Auswertung zeigte mehrere Ansatzpunkte für eine bessere Krisenvorsorge: Gewünscht werden eine klare und niedrigschwellige Kommunikation über verschiedene Kanäle, eine stärkere Sensibilisierung und Vorbereitung der Bevölkerung – beispielsweise durch Informationsveranstaltungen – sowie feste Strukturen und eindeutige Zuständigkeiten. So soll für die Bürgerinnen und Bürger klar sein, an wen sie sich im Krisenfall wenden können.

Rastatt bewirbt sich erfolgreich für zweite Projektrunde

Als eine von acht Kommunen in Baden-Württemberg wurde Rastatt nun aus insgesamt 45 Bewerbungen für die zweite Projektphase ausgewählt. Die Stadt möchte damit an die bisherigen Erkenntnisse anknüpfen und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Einsatzkräften und Zivilgesellschaft weiterentwickeln.

„Unser Ziel ist eine krisenfeste Bevölkerung, die weiß, wie sie mit Situationen wie einem Bombenfund, Hochwasser oder Stromausfall bestmöglich umgehen kann“, betonte Oberbürgermeisterin Monika Müller. „Wir möchten aus bisherigen Erfahrungen lernen und uns gemeinsam weiterentwickeln.“

Gemeinsam handlungsfähig im Krisenfall

Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung, erklärte: „Es geht darum, die Resilienz und Handlungsfähigkeit von Menschen und Kommunen zu stärken. Der direkte Dialog zwischen Verwaltung, Einsatzkräften und Bevölkerung schafft gegenseitiges Verständnis und hilft, klare Zuständigkeiten für den Krisenfall zu entwickeln.“ Neben der Stadtverwaltung und den Blaulichtorganisationen sollen künftig auch Vereine, Initiativen und weitere ehrenamtlich Engagierte stärker eingebunden werden. „Wir wollen ein Beteiligungsformat entwickeln, das Kommunen unterschiedlicher Größe nutzen können. Dabei geht es nicht nur um die persönliche Krisenvorsorge, sondern auch um die Frage, welchen Beitrag jede und jeder für die Gemeinschaft leisten kann“, sagte Anni Schlumberger, Geschäftsführerin der Allianz für Beteiligung.

Workshops und Austausch geplant

In Rastatt ist noch in diesem Jahr ein erster Workshop mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Blaulichtorganisationen und weiteren Verantwortlichen geplant. Dabei sollen die thematischen Schwerpunkte für den weiteren Prozess festgelegt und weitere wichtige Akteure identifiziert werden.

Im kommenden Jahr sollen gemeinsam mit Vereinen, Initiativen und Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerschaft konkrete Ideen und Maßnahmen für eine bessere Zusammenarbeit im Krisenfall entwickelt werden. Eine öffentliche Abschlussveranstaltung soll die Ergebnisse vorstellen, die Bevölkerung für das Thema Krisenvorsorge sensibilisieren und weitere Möglichkeiten zur Mitwirkung aufzeigen.

Diese Pilotphase des Projekts der Baden-Württemberg Stiftung, der Allianz für Beteiligung und des Staatsministeriums Baden-Württemberg soll im Juli 2027 abgeschlossen sein. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit von Kommunen und Bevölkerung im Umgang mit Krisen zu stärken. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Entwicklung eines praxistauglichen Beteiligungsformats ein, das auch anderen Kommunen helfen soll, ihre Krisenvorsorge zu stärken. In einer Skalierungsphase ab Herbst 2027 haben dann 20 weitere Kommunen aus Baden-Württemberg die Gelegenheit, das Beteiligungsformat vor Ort selbst durchzuführen. Das Gesamtprojekt „Stark vor Ort – gut vorbereitet für den Ernstfall!“ läuft bis zum 30. April 2029.

Von links: Projektleiter Hannes Schuster von der Allianz für Beteiligung, Theresia Bauer, Geschäftsführerin der Baden-Württemberg Stiftung, Oberbürgermeisterin Monika Müller, Anni Schlumberger, Geschäftsführerin der Allianz für Beteiligung, und Heike Mast, Koordinatorin für Bürgerbeteiligung bei der Stadt Rastatt, bei der Unterzeichnung der zweiten Projektphase von „Stark vor Ort – gut vorbereitet für den Ernstfall“.
(Erstellt am 30. Oktober 2026)

Zugeordnete Tags