Mittwoch, 16.09.2026 , 18:00 Uhr - 19:00 Uhr
Riesensalamander oder „Beingerüst des sündigen Menschenkinds“ – Alles eine Frage der Ordnung?
Kurzbeschreibung
Die naturwissenschaftliche Systematik und Ordnung entstand aus dem menschlichen Bedürfnis, die Vielfalt der Natur zu überschauen, zu benennen und zu verstehen. Die heutigen Klassifikationssysteme in der Biologie, Chemie und Physik haben eine lange Entwicklung von philosophischen Alltagsbeobachtungen hin zu datenbasierten, Evolution und Struktur widerspiegelnden Systemen durchlaufen.
Beschreibung
Vor der modernen Wissenschaft basierten Ordnungen meist auf Nützlichkeit, äußeren Merkmalen oder philosophischen Konzepten: So wurden Pflanzen beispielsweise nach ihrer Wuchsform oder rein nach ihrem medizinischen Nutzen geordnet. Mit der Zunahme der Entdeckungsreisen wuchs jedoch die Menge der bekannten Arten rasch an. Die alten Systeme kamen ans Ende ihrer Leistungsfähigkeit, und der Ruf nach einer universellen Ordnung wurde laut. So revolutionierte der schwedische Naturforscher Carl von Linné mit seinem Werk ‚Systema naturae‘ (1735) die Biologie durch die Einführung der binären Nomenklatur und die Ordnung der Pflanzen nach deren Fortpflanzungsorganen. Im 19. Jahrhundert wandelten sich die Ordnungen dann zu Systemen, die echte Verwandtschaften und Naturgesetze widerspiegelten: Mit der Publikation der Evolutionstheorie von Charles Darwin 1859 veränderte sich seither der Blick auf die biologische Ordnung radikal. Arten wurden nicht mehr als unveränderliche Schöpfung gesehen, sondern als Glieder eines gemeinsamen Stammbaums.
In seiner 2. Themenführung nimmt Sie Dr. Uli Steiger mit auf den Weg von der „Un-Ordnung“ zur „Ordnung“, wie sich an verschiedenen Objekten in der Ausstellung ablesen lässt. Er zeigt auch, wie sehr man sich doch irren kann, wenn allein die biblische Schöpfungsgeschichte die naturwissenschaftliche Systematik und Ordnung bestimmt. Denn nur so konnte es zu einem der berühmtesten und kuriosesten Irrtümer der Wissenschaftsgeschichte kommen: Als überzeugte Anhänger der sogenannten Sintfluttheorie deutete der Schweizer Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer 1725/26 ein versteinertes Skelett als „Beingerüst eines sündigen Menschkinds“, das in der Sintflut ertrunken war. Erst 1811 konnte der Beweis erbracht werden, dass es sich bei dem Fossil um einen ausgestorbenen Riesensalamander handelte, der dann aber zu Ehren von Scheuchzer den lateinischen Namen Andrias scheuchzeri erhielt.
Die Themenführung mit einleitendem Vortrag am 16. September 2026 beginnt um 18:00 Uhr im Bibliothekssaal der Historischen Bibliothek im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium und dauert ca. 1 Stunde. Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist nicht nötig.
Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie Tel. 07222 / 972 8420 (Mo bis Mi) oder auf unserer Homepage hier.


