Neujahrsempfang der Stadt Rastatt: Verantwortung, Stabilität und 70 Jahre Große Kreisstadt
2026 werde ein Jahr, in dem Zusammenhalt, Verantwortung und realistische Prioritäten entscheidend sein werden, damit Rastatt handlungsfähig bleibe. Mit diesen Worten eröffnete Oberbürgermeisterin Monika Müller den Neujahrsempfang der Stadt Rastatt am Freitag, 9. Januar, in der BadnerHalle. Der Empfang stand zugleich im Zeichen eines Jubiläums: Seit bald 70 Jahren trägt Rastatt den Titel „Große Kreisstadt“. Dieser sei mehr als eine formale Bezeichnung. „Er ist Ausdruck von Selbstständigkeit, Gestaltungskraft und Verantwortung“, betonte die Oberbürgermeisterin. Rastatt profitiere durch bürgernahe Entscheidungen, mehr Handlungsspielraum in der Verwaltung und eine starke Stimme in der Region zwischen Karlsruhe und Baden-Baden.
Herausforderungen als Chance für die Stadtgesellschaft
In ihrer Neujahrsrede machte die Oberbürgermeisterin deutlich, dass das Jahr 2026 kein einfaches werde – aber gerade darin auch eine Chance liege. „Ja, es stehen 2026 Herausforderungen an. Und das ist gut so. Denn nur an Herausforderungen wachsen wir und entwickeln uns weiter“, sagte Müller. Entscheidend sei, diese Aufgaben gemeinsam anzugehen.
Klare Prioritäten setzen in schwieriger Finanzlage
Zugleich sprach Müller offen über die finanziellen Rahmenbedingungen. Ein Totalausfall der Gewerbesteuer zwinge die Stadt zu klaren Prioritäten. „Wir können nicht jedes Projekt verwirklichen. Wir müssen Rastatt handlungsfähig halten. Diese Ehrlichkeit schulden wir uns selbst“, so die Oberbürgermeisterin. Stillstand bedeute dies jedoch nicht. Sicherheit, Zusammenhalt und Lebensqualität blieben zentrale Leitlinien kommunalen Handelns. So kündigte Müller unter anderem die Fortführung der Sicherheitsbegehungen, den Aufbau eines Innenstadtbeirats sowie Investitionen in Kinder- und Familienangebote an. Die Eröffnung zusätzlicher Kita-Plätze, die Neugestaltung von Spielplätzen und der barrierefreie Ausbau der Infrastruktur seien Ausdruck dieser Verantwortung. „Gerade unsere Verantwortung gegenüber Kindern und Familien endet auch im mageren Jahr 2026 nicht an der Haushaltsgrenze“, stellte sie klar.
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede lag auf langfristigen Zukunftsprojekten. Das neue Kombibad „NatuRa“ sei „weit mehr als ein Bauprojekt“, sondern eine Investition in Sicherheit, Gesundheit und Teilhabe. Auch das geplante Zentralklinikum am Münchfeldsee bezeichnete Müller als Projekt mit Strahlkraft für die gesamte Region. „Damit entsteht ein Zukunftsraum, der Rastatt und Mittelbaden nachhaltig prägen wird.
Rückblick: Der Weg zur Großen Kreisstadt
Im Anschluss an die Rede folgte eine Gesprächsrunde, moderiert von Oberbürgermeisterin Müller gemeinsam mit ihre Bürgermeister-Kollegen Raphael Knoth und Lutz Kirchner. Stadtarchivar Oliver Fieg und Kreisarchivar Martin Walter beleuchteten dabei die Entstehungsgeschichte der Großen Kreisstadt und die Entwicklung Rastatts seit den 1950er Jahren. Sie zeichneten ein Bild einer Stadt im rasanten Wandel – geprägt von Wiederaufbau, starkem Bevölkerungswachstum, Wohnungsnot und Industrialisierung.
Stadtarchivar Fieg erläuterte, dass die Erhebung zur Großen Kreisstadt mit dem Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 einen Wendepunkt markierte. Rastatt erhielt einen direkt gewählten Oberbürgermeister, hauptamtliche Beigeordnete und neue Zuständigkeiten etwa im Ordnungs- und Bauwesen. „1956 markiert das Ende der Nachkriegszeit in Rastatt – und den Beginn einer neuen Epoche“, so Fieg.
Wirtschaftlicher Aufschwung und starkes Bevölkerungswachstum
Kreisarchivar Walter zeichnete die wirtschaftliche Entwicklung der 1950er-Jahre nach. Industrieansiedlungen, wachsender Handel und über 400 Betriebe sorgten für Aufschwung, aber auch für neue Herausforderungen. Besonders der starke Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlinge und Vertriebene stellte die Stadt vor große Aufgaben. Der Ausbau von Wohnraum, Schulen und Infrastruktur wurde zur zentralen kommunalen Aufgabe.
Infrastruktur und Gesundheitsversorgung als Fundament
Ein weiterer Schwerpunkt der Gesprächsrunde lag auf Infrastruktur und Gesundheitsversorgung. Der Autobahnausbau bis Rastatt, die Entwicklung der Versorgungsbetriebe und die Planung eines neuen Krankenhauses legten wichtige Grundlagen für die weitere Stadtentwicklung – Themen, die mit Blick auf heutige Großprojekte wie das geplante Zentralklinikum erneut aktuell sind.
Auch finanzielle Engpässe prägten bereits in den 1950er-Jahren das kommunale Handeln. Trotz knapper Mittel investierte Rastatt in Wohnungsbau, Infrastruktur und Tourismus und positionierte sich als „Drehscheibe zum Süden“ mit 70.000 Übernachtungen 1956. Diese Erfahrungen zeigten, so die Gesprächsrunde, dass kommunale Verantwortung stets Prioritätensetzung erfordert.
GroKaGe und Jazz-Boys Rastatt begleiten den Abend
Tänzerisch begleitet wurde der Abend von der Junior- und Prinzengarde der Großen Karnevalsgesellschaft Rastatt (GroKaGe) und dem Tanzmariechen Emmi König. Mit ihren abwechslungsreichen Choreografien, den aufwendigen Kostümen und ihrem Können begeisterten sie die Zuschauer. Zum Abschluss schnitten Oberbürgermeisterin Müller, die beiden Bürgermeister sowie die Vertretungen der Fraktionen und Gruppierungen des Gemeinderats die Neujahrsbrezel an, ehe die Jazz Boys Rastatt mit Musik im Stil des New-Orleans-Jazz zum geselligen Teil des Abends überführten.





