Trockenheit und Hitze sorgen für großen Stress bei Bäumen im Stadtwald: Knapp 250 Bäume mussten bereits gefällt werden

(29. Juli 2022) Ein kurzer Schauer und das war es. Die seit Wochen anhaltende Trockenheit setzt die Bäume im Stadtwald zunehmend unter Stress. Die Folgen: Die Bäume werden anfälliger für Schädlinge, einige Bäume sterben komplett ab, und durch die ausgetrockneten Böden, Hölzer und Blätter steigt auch die Gefahr von Waldbränden. Wie dramatisch die Situation ist, zeigt sich an der Anzahl der abgestorbenen Bäume. Waren es in den Jahren 2018 bis 2020 zwischen 30 und 50 Bäume, die aus Sicherheitsgründen im Stadtwald gefällt werden mussten, so liegt die Zahl bereits jetzt für dieses Jahr bei 247. Die Gesamtzahl der bereits abgestorbenen Bäume liegt nach Einschätzung der städtischen Förster sogar um das Zehnfache höher. Martin Koch, städtischer Förster, macht deutlich: „Erst jetzt zeigt sich in aller Deutlichkeit, wie sehr der Wald unter den trockenen Sommermonaten der vergangenen Jahre gelitten hat.“ 

Nach den Trockenjahren 2018 bis 2020 sei dieser Sommer für den Wald eine einzige Katastrophe, bringt es Koch auf den Punkt. Kaum positive Auswirkungen auf die Vitalität der Bäume hatte der recht feuchte Sommer im vergangenen Jahr. Die Bäume und Pflanzen seien in diesem Jahr einem enormen Trockenstress ausgesetzt, sodass einige Baumarten bereits jetzt schon ihre Blätter abwerfen und die Blätter herbstliche Verfärbungen aufzeigen, verdeutlicht Koch die Situation. 

Herbststimmung im Wald: Bäume werfen Blätter ab
Durch die derzeitige anhaltende Hitzeperiode und den Wassermangel welken einige Bäume verfrüht. Vor allem jüngere Bäume sind gefährdet, weil sie mit ihren noch nicht voll ausgebildeten Wurzeln das geringe Bodenwasser nicht mehr erreichten. Der Abwurf von Blättern ist einer der Schutzmechanismen, die Bäume gegen das Austrocknen aktivieren. Zum einen wird so die Verdunstungsoberfläche geringer. Zum anderen kann der Baum seine Wasserreserven für den Stamm nutzen. 

Große Gefahr für Jungpflanzen
Betroffen seien vor allem die Wälder auf kiesig-sandigen Standorten. „Diese machen uns derzeit große Sorgen“, berichtet der Förster. Ob es hier zu einem größeren Absterben der Bäume komme, ließe sich allerdings erst im kommenden Frühjahr feststellen. In einem bis zwei Jahren würden aber auch vermehrt Dürreschäden an den Bäumen auf lehmigen Standorten sichtbar werden, ist Koch überzeugt. „Für uns Förster ist dieser erneute Dürresommer ganz bitter. Wir sehen die große Gefahr, dass vor allem die Jungpflanzungen der letzten Jahre in Teilen absterben werden, sollte nicht ganz rasch ein Wetterumschwung eintreten“, so Koch. 

Bäume müssen gefällt werden
Nur wenige Maßnahmen können die Förster selbst ergreifen, um das Leiden der Bäume zu beenden. Schließlich können sie nicht mit der Gießkanne durch den Wald ziehen. In den vergangenen Tagen mussten die städtischen Mitarbeiter viel mehr Bäume an Straßen und Waldwegen vorsorglich fällen, damit sie nicht spontan brechen und zur Gefahr für Fußgänger/innen und den Straßenverkehr werden. 

Gefahr durch Astbruch
Doch die städtischen Mitarbeiter/innen vom Forst und Grünflächen können nicht an jedem Ort gleichzeitig sein. Bedingt durch die fortschreitenden Trockenschäden müssen Park- und Waldbesucher/innen jederzeit damit rechnen, dass auch spontan Kronenteile oder Äste abbrechen. Daher ist sowohl im Wald als auch in Parks und Alleen erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht geboten.

Landratsamt verbietet Entnahme von Wasser aus öffentlichen Gewässern
Die anhaltende Trockenheit ist jedoch nicht nur am Waldboden erkennbar, sondern auch am Wasserstand. Aufgrund der aktuellen Wetter- und Niedrigwasserlage hat das Landratsamt Rastatt deshalb zuletzt bis vorläufig 31. August per Allgemeinverfügung ein Verbot der Wasserentnahme aus allen oberirdischen Gewässern im Landkreis Rastatt ausgesprochen. Ausgenommen sind davon der Rhein und die Baggerseen. 

Abnehmende Grundwasserbestände 
Doch nicht nur das oberirdische Wasser wird knapper. Die in den letzten Jahren abnehmenden Grundwasserstände und häufiger auftretenden und länger andauernden Extremwetterereignisse tragen auch zu einer massiven Verschlechterung der Gesamtsituation in den Wäldern bei. Die Grundwasserstände können sich in nassen Jahren zwar wieder erholen. „Da aber die Trockenperioden deutlich länger und Nassperioden deutlich kürzer werden, verschärft sich die Situation zunehmend“, ergänzt Jonas Mozer von der städtischen Wasserwirtschaft. Laut den aktuellsten Daten der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt bewegten sich die Grundwasserstände statistisch über 20 Jahre betrachtet überwiegend an der unteren Grenze des für einen Juni üblichen Niveaus, vereinzelt auch darunter. Auch habe es keine nennenswerte Neubildung des Grundwassers gegeben. Mozer geht davon aus, dass auch in Zukunft voraussichtlich immer häufiger auftretende Extremereignisse wie Niedrigwasser und Hochwasser zu beobachten sein werden, die sich auch auf die Vegetation im Stadtwald auswirken werden. 

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