Rastatter Koordinierungsstelle Ukrainehilfe setzt neue Schwerpunkte/ Keine Sprechzeiten mehr im Rossi-Haus

(6. Juli 2022) Als nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine immer mehr Menschen auch in Rastatt Zuflucht suchten, richtete die Stadtverwaltung im März kurzerhand im Rossi-Haus eine Koordinierungsstelle für Geflüchtete ein. Die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Marcel Blessing-Shumilin von der Eberhard-Schöck-Stiftung waren für viele Flüchtlinge aus der Ukraine die erste Anlaufstelle in Rastatt. Hier bekamen sie wichtige Informationen, etwa wo sie sich anmelden müssen, finanzielle Unterstützung beantragen, medizinische Versorgung erhalten oder Sprachkurse absolvieren können. Nachdem sich in Rastatt die Organisationsstrukturen im Umgang mit ukrainischen Geflüchteten stabilisiert haben, verlagert die Koordinierungsstelle Ukrainehilfe ihren Aufgabenschwerpunkt und stellt die offene Sprechstunde im Rossi-Haus ein. Die Integration von Flüchtlingen aus allen Ländern läuft indes uneingeschränkt fort. 

Wichtige Fragen und Antworten zur Ukrainehilfe der Stadt Rastatt:

Warum gibt es die Koordinierungsstelle im Rossi-Haus nicht mehr?
Die Stadt Rastatt hatte es sich zu Beginn des Flüchtlingszustroms zum Ziel gesetzt, den Ankommenden, die zunächst überwiegend privat untergekommen waren, möglichst schnell und unbürokratisch zu helfen und ihnen im Rossi-Haus eine erste Anlaufstelle zu bieten. Die Koordinierungsstelle füllte dabei eine vorübergehende Versorgungslücke und übernahm eine Art Lotsenfunktion. Inzwischen gibt es in den Gemeinschaftsunterkünften Sozialberatung für die Bewohnerinnen und Bewohner. Für Personen, die privat untergebracht sind, ist das Integrationsmanagement im Landratsamt zuständig „Zudem“, sagt Marcel Blessing-Shumilin, „sind die Anfragen zunehmend komplexer geworden.“ Es gehe häufig nicht mehr um Koordinierung, sondern eher ganz spezifische Einzelfallberatungen, ergänzt Susanne Detscher, Integrationsbeauftragte der Stadt Rastatt. Eine Aufgabe, wofür es in Rastatt verschiedene Fachberatungsstellen gibt. 

Die Koordinierungsstelle war nicht nur Anlaufstelle für Geflüchtete, sondern auch für Menschen aus Rastatt, die Hilfe anbieten wollten. Was wurde aus den Angeboten?
Nachdem Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch die Rastatter Bürgerschaft Anfang März zur Unterstützung aufgerufen hatte, sei die Hilfsbereitschaft enorm groß gewesen, berichtet Blessing-Shumilin, der selbst fließend russisch spricht und im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung der Stadt Rastatt noch bis August zur Seite steht. „Viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher hatten sich gemeldet sowie Bürgerinnen und Bürger, die generell ihre Hilfe anbieten wollten“, erzählt Kerstin Klimek, die gemeinsam mit Yvonne Vögele bei der Stadt für das Thema Integration zuständig ist. Realisiert werden konnte dadurch zum Beispiel eine Kinderbetreuung in den beiden Spielzimmern im Martha-Jäger-Haus, die mit den Sachspenden von Schülerinnen und Schülern des Tulla-Gymnasiums eingerichtet werden konnten. Die Stadt organisierte zudem gemeinsam mit Ehrenamtlichen eine Kinderbetreuung im Gemeindehaus St. Alexander, um es den Müttern in dieser Zeit zu ermöglichen, einen Deutschkurs der Volkshochschule zu besuchen. „Wir waren ständig in Bewegung und haben geschaut, was akut gebraucht wird“, so Klimek. 

Viele Geflüchtete benötigen Wohnraum. Konnte die Koordinierungsstelle Angebote vermitteln?
Ja, das Team konnte an 40 Personen private Wohnungen vermitteln. Doch die Koordinierungsstelle hat nicht alle rund 80 Wohnungen, die ihr angeboten wurde, auch weitervermittelt. Eine Voraussetzung war etwa, dass die Wohnungen den Ukrainern mindestens für ein Jahr zur Verfügung stehen. Auch wenn weiterhin Angebote bei der Stadt eingehen, „die Nachfrage übersteigt bei Weitem das Angebot“, sagt Blessing-Shumilin, der hofft, dass noch weitere Rastatter Bürgerinnen und Bürger angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen. 

Gibt es eine besondere Erfolgsgeschichte?
Ein schönes Beispiel: Nataliia Voronova, die gleich zu Beginn des Krieges aus ihrer Heimatstadt Kiew floh und in Rastatt die Koordinierungsstelle aufsuchte, macht inzwischen einen Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Rastatt. Voronova war vor rund zehn Jahren schon einmal in der Region, als sie als Au-pair bei einer Familie in Bietigheim arbeitete. Bei ihrer Gastfamilie fand sie nun erneut Unterschlupf. Die Ukrainerin spricht fließend Deutsch und kann so problemlos zwischen den beiden Sprachen jonglieren. Mitgewirkt hat die 33-Jährige bereits bei der Kinderbetreuung im Gemeindehaus St. Alexander. Nun liegt ihr Fokus auf den älteren Kindern und Jugendlichen, die im Martha-Jäger-Haus wohnen. Voronova will als Lotse dienen und die Brücke zu den städtischen Kinder- und Jugendangebote schlagen. 

Wird die Ukrainehilfe nun ganz eingestellt?
Nein, ganz im Gegenteil. Nun gilt es, die ganzen Angebote der Rastatter Bürgerschaft an die Flüchtlinge weiterzugeben und ein Netzwerk zu schaffen. „Wir wollen Begegnungen ermöglichen“, betont Detscher, „mit Vereinen, Kirchen, Organisationen und Ehrenamtlichen“. Letztlich gehe es um Integration und ein gutes Zusammenleben in Rastatt aller.

Gibt es bereits konkrete Pläne, wie es nun weitergehen soll?
Der Kundenbereich Integration und Gemeinwesenarbeit plant Ende Juli eine Börse, zu der Vereine, Kirchen, Organisationen und Ehrenamtlichen sowie alle in Rastatt lebenden Flüchtlinge eingeladen werden sollen, um einander kennenzulernen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Zusätzlich hat das Café International im Rossi-Haus seit vergangener Woche wieder jeden zweiten Mittwoch von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Bei Kaffee und Kuchen können sich Flüchtlinge und Einheimische austauschen.  

Wohin können sich Bürgerinnen und Bürger wenden, wenn sie sich in der Ukrainehilfe engagieren wollen?
Das Ukrainehilfe-Telefon 07222 972-9260 ist weiterhin jeden Dienstag und Donnerstag von 10 bis 13 Uhr besetzt. Ansonsten können sich Geflüchtete sowie Bürgerinnen und Bürger an die E-Mail-Adresse ukraine@rastatt.de wenden.

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