Einmal über den Atlantik und den Ärmelkanal: Virtuelle Städtereise in Rastatts Partnerstädte

(1. Dezember 2021) Nachdem bereits im Frühjahr die Rastatter Partnerstädte Fano in Italien, Orange in Frankreich und Ostrov in Tschechien virtuell bereist wurden, hat die Stadtverwaltung in diesem Herbst ihre Reihe fortgesetzt. Auf der Reiseroute standen dieses Mal Rastatts Patenstadt Entre Rios in Brasilien sowie die britische Partnerstadt Woking. 

Die Partnerschaftsbeauftragte Evelyne Kientz nahm am 3. November mehr als 20 Teilnehmer/innen mit auf eine virtuelle Reise weit über den Atlantik nach Brasilien in die Patenstadt Entre Rios. 1951, vor genau 70 Jahren, siedelten sich dort knapp 2500 Donauschwaben an und erschufen eine landwirtschaftliche Genossenschaft, die Agraria. Bis heute pflegen die dort lebenden Donauschwaben ihre Traditionen. Am 17. Juni 1988, so erklärte Kientz, wurde die Patenschaft von Rastatt mit Entre Rios besiegelt, um die bestehende Verbindung der Rastatter Landsmannschaft der Donauschwaben zu Entre Rios zu stärken. Ein Ziel, das offenbar erreicht wurde. Denn unter den Teilnehmenden der virtuellen Reise befanden sich auch zahlreiche Rastatter Donauschwaben.

Mit Traktorparade Guinness-Weltrekord brechen
Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Entre Rios stellt bis heute die Genossenschaft Agraria dar. Dessen Präsident Jorge Karl sowie seine Mitarbeiterin, die Kulturbeauftragte Viviane Schüssler, waren persönlich aus Entre Rios zur virtuellen Sitzung zugeschaltet. Die Teilnehmer/innen erfuhren, dass die Agraria nicht nur der größten Malzexporteur Südamerikas ist, sondern auch Träger des Krankenhauses, der privaten bilingualen Leopoldina-Schule, wo neben der Landessprache Portugiesisch auch in Deutsch unterrichtet wird, sowie des Kulturzentrums in Entre Rios. Kommenden Januar veranstaltet die Genossenschaft die bereits um einen Jahr verschobene Jubiläumsfeier anlässlich der Gründung der Siedlung Entre Rios vor 70 Jahren. Einer der Programmpunkte werde eine Traktorparade sein, berichtete Karl. Dabei sollen sich rund 1.500 Traktoren entlang einer 25 Kilometer langen Straße aufstellen zwischen den fünf Dörfern, aus denen die Siedlung Entre Rios besteht. Das ehrgeizige Ziel: Den Guinness-Weltrekord zu brechen. 

Auch über die Entwicklung der Corona-Situation berichtete Karl: „Die Situation in Entre Rios ist nicht so schlimm, wie die Situation in Brasilien bei Ihnen in Europa über die Medien ankommt.“ So sei Entre Rios bisher zwar auch von der Pandemie betroffen, von den schlimmen Zuständen aus dem Norden Brasiliens aber weitestgehend verschont geblieben. Die Impfquote liegt im Bezirk bei knapp 70 Prozent, der Schulunterricht konnte im Homeschooling stattfinden, im Gegensatz zu den meisten anderen Schulen im Lande. 

Von Brasilien geht es nach England
Am 17. November hieß es dann „Teatime“: Auf traditionell britische Art entführte die Partnerschaftsbeauftragte Evelyne Kientz 13 Rastatter Teilnehmer/innen zu einer weiteren virtuellen Reise. Dieses Mal ging es über den Ärmelkanal in die englische Partnerstadt Woking. Zugeschaltet aus Woking waren Mitglieder des dortigen Städtepartnerschaftsvereins WTTA, Marlie Roes, Chris Samson und die ehemalige Bürgermeisterin Anne Roberts. Zur Einstimmung konnten die Rastatter Teilnehmer/innen vor der Sitzung im Rathaus ein Tee-Set erwerben, bestehend aus einem frischgebackenen Scone, dem typisch englischen Teegebäck, einem Glas original englischen „Clotted Cream“ (Streichrahm) und zwei Schwarzteebeutel.

Die Teilnehmenden erfuhren, dass die Städtepartnerschaft aufgrund der Verbindung zwischen dem Rastatter Mercedes-Werk und dem McLaren-Werk in Woking entstand, das damals noch zur Mercedes-Gruppe gehörte. Es sollte eine Partnerschaft auf politischer und bürgerlicher Ebene sein, die schließlich am 11. Mai 2001, also vor 20 Jahren, besiegelt wurde. Bei einer Tasse Tee zeigte Kientz virtuell auf, wie kontrastreich Woking ist: Eine Stadt mit vielen Hightech-Betrieben, die sowohl modernen Wohnraum als auch typisch britische Häuser in grüner Umgebung bietet und über eine optimale Verkehrsverbindung nach London verfügt. Alle zwölf Minuten geht es in 24 Minuten per Bahn von Woking in Englands Hauptstadt. Zudem befindet sich in Woking der englische Sitz der Umweltorganisation WWF. Hier zog Kientz den Bogen zu Rastatt. Denn von 1985 bis 2004 hatte WWF im Haus des aktuellen KIT-Aueninstituts ebenfalls einen Sitz. Die Teilnehmenden erfuhren, dass zur Einweihung 1985 sogar Prinz Philipp nach Rastatt gereist war und eine Kanutour in den Rheinauen gemacht hatte. 

Wunsch nach Wiederholung der virtuellen Teestunde
Die gelebte Städtepartnerschaft wurde an Beispielen wie der Bürgerreise nach Woking im Jahr 2019 gezeigt, die eine Formation der Stadtkapelle Rastatt zum Anlass nahm, eine erste Begegnung mit einer Musikkapelle aus Woking einzugehen, oder aber auch anhand des Schüleraustauschs zwischen Schüler/innen der Hoe-Valley-School und des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums. Ein anschließender reger Austausch folgte zwischen den Teilnehmern, zu denen auch die Rastatter Lehrerinnen Sandra Merz und Christiane Weigel (LWG) gehörten, die den Schüleraustausch 2019 begleitet hatten. Dabei wurde auch über die Corona-Lage in Woking gesprochen, und Marlie Roes berichtete über sinkende Infektionszahlen und laute Impfgegner. 

Am Ende der virtuellen Reise stand für alle Teilnehmenden fest: Solange aufgrund der Pandemie persönliche Begegnungen gar nicht oder nur eingeschränkt möglich sind, bietet das Format eine wunderbare Möglichkeit, sich auszutauschen. Der Wunsch bei den Teilnehmenden war groß, sich wiederholt zu einer gemeinsamen Teestunde mit der jeweiligen Partnerstadt zu treffen.

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