Einigkeit macht stark: Feierliche Matinee zum Tag der Deutschen Einheit

(4. Oktober 2021) Wiedersehensfreude auf allen Seiten: Nach einem Jahr coronabedingter Unterbrechung konnte Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch „endlich wieder“, wie er selbst sagte, zur feierlichen Matinee anlässlich des Tags der Deutschen Einheit in die BadnerHalle einladen. Rund 300 Gäste aus Politik und Gesellschaft waren der Einladung gefolgt und kamen nicht nur in den Genuss einer besonderen musikalischen Darbietung, denn erstmals konzertierte bei einer Matinee das Vocalensemble Rastatt unter Leitung von Prof. Holger Speck gemeinsam mit Rastatts Musikbotschafter Frank Dupree. Sondern sie konnten gemeinsam mit dem Festredner und renommierten Journalisten Dr. Christoph von Marschall nachspüren, dass sich die Welt im Wandel befindet und Deutschland durch die Transformation eine neue Rolle in Europa und der Welt einnehmen muss.

In seiner Eröffnungsrede blickte OB Pütsch auf 31 Jahre Wiedervereinigung zurück. Diese sei nicht automatisch ein Garant für ewigen Frieden. „Es ist unsere Pflicht, das Geschehene in Erinnerung zu behalten und uns immer wieder aufs Neue darum zu bemühen, den Zusammenhalt zu wahren und für Frieden, Freiheit und Demokratie einzustehen“, verdeutlichte Pütsch. Den Bürgerinnen und Bürgern in der DDR sei der Wandel gelungen, weil sie sich solidarisch gezeigt hätten und gemeinsam auf die Straßen gegangen seien. Pütsch betonte in diesem Zusammenhang: „Unsere Zukunft können wir nur gestalten, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen. In Deutschland, in der Welt und in Europa.“

Transformationen leistet keine Gesellschaft alleine. Sie gelängen nur durch die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten. Darauf machte auch von Marschall aufmerksam. Demnach sei auch die Wiedervereinigung keine reine deutsche Freiheitsbewegung gewesen, sondern eine europäische. Seit 1989 stehe Deutschland immer wieder vor Transformationen und Herausforderungen: die Globalisierung, den Klimawandel, die Digitalisierung und die Migrationsbewegungen, und zuletzt auch Corona. „Anderthalb Jahre Pandemie haben uns zu enormen Transformationen gezwungen“, führte der Diplomatische Korrespondent der Chefredaktion des Berliner “Tagesspiegel” aus. Auch Rastatt selbst habe Erfahrungen mit Transformationen – in der freiwilligen wie in der aufgezwungenen Variante, erinnerte der promovierte Historiker an die Freiheitsbewegung in Rastatt. Mit den Veränderungen in der Automobilindustrie hinzu zur E-Mobilität stehe auch Rastatt mit Daimler als größtem Arbeitgeber vor Transformationen. Globale Herausforderungen und Transformationen seien also auch vor Ort spürbar.

Um Deutschlands Rolle in Europa und der Welt zu verorten, blickte von Marschall unter anderem auf die ökonomische Bedeutung. Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands basiere seiner Überzeugung nach zum einen auf der Exportstärke des Landes, zum anderen auf einer liberalen, regelbasierten Weltordnung zu der die Vereinten Nationen zählten, ein Welthandelssystem sowie der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Deutschland profitiere von dieser Weltordnung, sei aber nicht in der Lage, sie aus eigenen Kräften aufrechtzuerhalten. Wir seien also auf die Partner angewiesen. 

Gleiches sieht er in der Rolle der Mitgliedsländer der EU. Die EU als Gesamtes hat etwa die gleiche Wirtschaftskraft wie die USA oder China. Deutschland ist dabei das Land mit der größten Bevölkerung und der stärksten Wirtschaft. „Es liegt in unserem Interesse und in unserer Verantwortung, dass die EU nicht auseinanderfliegt. Sondern dass sie handlungsfähiger wird“, so Marschall. Deutschland müsse mehr auf seine EU-Nachbarn eingehen und keine Alleingänge starten. „Führen kann man nur, wenn man Wege einschlägt, die auch andere für richtig halten“, so der gebürtige Freiburger. Europa solle sich dabei nicht als eine Gegenmacht zu den USA verstehen, wenngleich die EU eigenständiger werden und sich emanzipieren sollte. „Aber unsere Stärke liegt im Bündnis aller Demokratien, im Bündnis mit den Demokratien in Nordamerika und den Demokratien in Asien“, betonte Marschall. Am Tag der Deutschen Einheit zog der Redner deshalb auch das Fazit: „Bei allen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sollten wir uns immer wieder erinnern: Einigkeit macht stark.“ 

Im Anschluss an den Festakt trug sich der Referent in das Gästebuch der Stadt ein und signierte Interessierten sein neustes Buch „Wir verstehen die Welt nicht mehr. Deutschlands Entfremdung von seinen Freunden“, das man im Foyer erwerben konnte. 

Impressionen zur Matinee sowie die Reden von OB Pütsch und von Marschall finden Sie hier: In den kommenden Tagen wird dort zudem ein Audio-Mitschnitt zum Anhören abrufbar sein.

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