AKTUELLE AUSSTELLUNG

13. Oktober 2018 - 10. März 2019

VISIT - Eva Rosenstiel

Die in Hüfingen im Schwarzwald geborene und in Freiburg lebende Künstlerin studierte zunächst Textildesign an der Fachhochschule Reutlingen und Kunstgeschichte an der Universität Freiburg, wechselte dann aber an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo sie von 1975 bis 1980 die Malklasse von Prof. Peter Dreher besuchte, der die Außenstelle der Akademie in Freiburg leitete. 

Blick ins Obergeschoss der Ausstellung mit unterschiedlichen Formaten von Fotoübermalungen, Zeichnungen und Malerei aus einer Serie, die auf den Pariser Jardin des Plantes Bezug nimmt. Foto: Stadt Rastatt.

Dass Eva Rosenstiel aus der Schule Peter Drehers kommt, zeigt besonders die Ölmalerei aus der Serie “Marché”, die auf der Rampenkehre der Galerie gezeigt wird. Die Stofflichkeit des Malmittels korrespondiert hierbei auf plastische Weise mit den Stoffen der Kleiderhaufen, die die Künstlerin auf einem Pariser Markt entdeckt und zunächst fotografiert und dann malerisch umgesetzt hat, zum Teil vor fotografischen Hintergründen, die den Marktort selbst und seine sich täglich veränderten Aufbauten zeigen. Dabei erfährt die Malerei einen geradezu magischen Realismus, der den textilen Stoff gleichsam aus der Fläche herausquillen lässt. Weit entfernt, einen Fotorealismus zu pflegen, zeigt sich die Künstlerin hierin als Malerin, der es um das auratische Präsenzvermögen von Malerei als solcher geht.

Auf der Rampenkehre der Galerie Bilder aus der Serie “Marché”. Foto: Stadt Rastatt.

Zum bildnerischen Konzept von Eva Rosenstiel gehört wesentlich die intermediale Verknüpfung von Fotografie, Zeichnung, Druckgraphik und Malerei, wobei ihr bevorzugtes Malmittel die Ölfarbe ist. Fotos und druckgraphische Vorlagen werden teilweise übermalt, in einen seriellen Zusammenhang gebracht und als Bestandteile von Installationen verwendet. Inhaltliches Merkmal und Motiv ihrer Arbeit sind die Topographien vornehmlich unbekannter Orte, die sie „besucht“ – daher der Ausstellungstitel „Visit“ – und deren Besonderheiten sie subjektiv flanierend recherchiert, um sie dann in eine ortsspezifische Bildsprache zu übersetzen. Aber auch Metropolen wie New York, Boston, Paris und Berlin erkundet sie und vervielfacht dabei in ihren Übermalungen örtliche Einzelelemente in ein ornamentales Muster, das den Bildcharakter des Fotos teils ironisch, teils poetisch verfremdet. In sogenannten „Paradiesformaten“ (10 x 15 cm) entwickelt sie auf diese Weise Serienporträts des „global village“, die eine Verwandtschaft zeigen zum Atlas-Projekt von Gerhard Richter oder an die „mind maps“ von Franz Ackermann erinnern. In der Ausstellung wird im Erdgeschoss ein 40-teiliger Block dieser Paradiesformate gezeigt, während im Obergeschoss eine Karteikasten-Installation die topographische, kleinformatige Vermusterung der verschiedenen Orte in einen Sammlungshort verdichtet.

Blick ins Erdgeschoss der Ausstellung mit dem 40-teiligen „Paradiesformat“-Block auf der Stirnwand. Foto: Stadt Rastatt.

Auch bei ihrem „Besuch“ Rastatts, der auf einen Arbeitsaufenthalt 2011 zurückgeht, als die Künstlerin den Kunstpreis des Kunstvereins Rastatt erhielt, gestaltete sie zunächst eine Serie von Paradiesformaten, die in einem Zwölfer-Block in der Ausstellung zu sehen ist. Eine mit Kokarden gefüllte Schale in der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der Deutschen Geschichte im Rastatter Schloss erregte schon damals ihre Aufmerksamkeit, weshalb sie ihn intuitiv als Ortsspezifikum für eine Übermalung verwendete. Eigens für die aktuelle Ausstellung greift sie nun das Kokardenmotiv nochmals auf, um damit Schwarz-weiß-Fotografien des Rastatter Schlosses malerisch so zu besetzen, dass sie wie Blüten auf dem Teich des Schlossgartens schweben, der sich zudem in einer gleichfalls mit Kokarden übermalten Spiegel-Installation zusätzlich bricht, wobei Spiegelungen von Spiegelungen entstehen. Auf diese Weise bringt Eva Rosenstiel die beiden historischen 

Kokarden-Installation mit Rastatter Schloss im Erdgeschoss der Ausstellung. Foto: Stadt Rastatt.

Grunddaten Rastatts, den barocken Architekturcharakter der Kernstadt und die Revolutionsereignisse von 1849, ikonographisch zusammen und erzeugt damit eine eigenartige Reflexion über die Brechungen und Umkehrungen in der Geschichte des Ortes. Als weiteren Ortsbezug zu Rastatt dient Eva Rosenstiel die familiäre Verwandtschaft zu dem aus Hüfingen stammenden Lucian Reich, der im 19. Jahrhundert als Zeichenlehrer am Lyzeum in Rastatt (heutiges Ludwig-Wilhelm-Gymnasium) tätig war. Darauf nehmen teilweise die Baumbilder aus der Serie „Cloud“ Bezug, die in unterschiedlichen Formaten in der Ausstellung gezeigt werden. 

Baumbilder aus der Serie „Cloud“ im Erdgeschoss der Galerie. Foto: Stadt Rastatt.

In Umkehrung des bekannten Sprichworts, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, führt die Künstlerin vor, wie vor lauter Wald die Bäume nicht gesehen werden, weshalb sie einzelne Baum-Individualitäten in singuläre Position bringt und sie in Ölfarbe auf fotografierte Himmel setzt. In der hintergründigen Himmelsmetaphorik verwandeln sich die stammlosen Baumkronen in grüne Wolken und erfahren in der intermedialen Alleinstellung eine Aufladung als eigengeschöpfliche Wesenheiten voller Geheimnis. Zeitgleich zur Rastatter Präsentation zeigt das Stadtmuseum Hüfingen vom 19. Oktober 2018 bis  6. Januar 2019 die Ausstellung „Vis-à-vis – Eva Rosenstiel / Johann Nepomuk Heinemann. Nährere Informationen hierzu unter www.stadtmuseumhuefingen.de.

Die im Rahmen der vergangenen Jubiläumsausstellung „25 Jahre Kunst in der Fruchthalle“ präsentierte Sonderschau „Welt der Träume“ aus dem Sammelprojekt „Phantastik in der Box“.des Sammlers Günter Westermann, die 120 Arbeiten von 100 Künstlerinnen und Künstlern zum Phantastischen Realismus, zum Surrealismus und zur imaginären Kunst zeigt, wird der großen Resonanz wegen bis 20. Januar 2019 verlängert. 

Blick auf den Zentralbereich der Sonderschau „Welt der Träume“ der Sammlung Westermann im hinteren Obergeschoss der Galerie. Foto: Stadt Rastatt.

Jeden 1. und 3. Freitag im Monat (außer an Feiertagen) jeweils um 15.30 Uhr finden öffentliche Führungen durch die Ausstellung „Visit – Eva Rosenstiel“ statt. Sonderführungen können unter 07222 972-8410  nachgefragt werden. Ebenso das spezielle Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche. Jeden Donnerstag von 12.30 bis 12.45 Uhr wird den Besuchern in der „Kunstpause“ ein Exponat der Ausstellung besonders vorgestellt. 

Begleitprogramm:

Sonntag, 9.Dezember 2018, 15 Uhr
Visite – Eva Rosenstiel im Gespräch mit Peter Hank

Sonntag, 10. Februar 2019, 11 Uhr
Matineevortrag von Peter Hank
Standortfrage!? – Raum als Ortsbezug im Werk von Eva Rosenstiel

Kontakt

Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
Kaiserstraße 48
76437 Rastatt

Galerieleitung
Peter Hank, M.A.

Tel. 07222 972-8410
Fax 07222 972-7009
Mobil: 0177 1891886
E-Mail: peter.hank@rastatt.de

Infothek
, Tel. 07222 972-8411

Öffnungszeiten

Donnerstag bis Samstag
12-17 Uhr
Sonntag und an Feiertagen
11-17 Uhr

Gruppenführungen nach Vereinbarung

Kunstdidaktisches Programm auf Anfrage

Terminvereinbarung unter
07222 972-8410
(Mi - Fr 10-17 Uhr)