Mitten drin im Wald: Neuer Erlebnispfad im Stadtwald führt Spaziergänger abseits der Wege

(3. Juli 2020) Es knackt und knistert unter den Füßen. Der Boden ist weich und federt leicht bei jedem Schritt. Nur wenige Meter entfernt vom befestigten Weg, der beim Berliner Ring in den Ötigheimer Wald hineinführt, stoßen Spaziergänger auf den neuen Erlebnispfad „Abseits der Wege“. Mit Holzpfählen und -Schildern gekennzeichnet lockt der Pfad Waldbesucher weg von den Hauptwegen und führt sie mitten in den Wald. Geplant und umgesetzt hat das Projekt der städtische Forstwirt Steffen Jung im Rahmen seiner Fortbildung zum Forstwirtschaftsmeister, das er nun offiziell vorstellte. 

Eigentlich besagt der Waldknigge, dass man in Naturschutzgebieten feste Wege nicht verlassen darf. Auch im Rastatter Stadtwald, der seit 2016 zertifizierter Erholungswald ist, gilt diese Regel. Doch das Stückchen Wald, das an die B36 angrenzt, zählt nicht dazu. Und so konnte Jung den praktischen Teil seiner Meisterprüfung an dieser Stelle verwirklichen. 

Der Kontrast könnte nicht größer sein: Auf der einen Seite die vielbefahrene Bundesstraße und die „massive Zivilisation“, wie der städtische Revierleiterleiter Martin Koch feststellt. Auf der anderen Seite die intensiv erlebbare Natur, die über Jahrzehnte hinweg zu einer dichten grünen Lunge herangewachsen ist. „Wir nehmen den Wald ganz anders wahr, wenn wir uns mitten drin befinden“, erklärt Koch. Lediglich Brombeersträucher und Seegras hat Jung gemeinsam mit drei Azubis entfernt und so den Weg für den Erlebnispfad geebnet. Ansonsten blieb der Boden unbehandelt. Für die Sicherheit entlang des 300 Meter langen Weges haben zudem drei Baumkletterer gesorgt, die nach morschen Kronen und Ästen Ausschau gehalten haben.  

Zehn Stationen gibt es insgesamt auf dem „Abseits der Wege“-Pfad zu entdecken. Gleich zu Beginn des Weges durchschreiten die Spaziergänger einen in zwei Teilen durchtrennten Baumstamm. Grau-blaue Verfärbungen haben sich tief in das Holz gefressen. Verantwortlich dafür sind Eisensplitter aus Granaten, erklärt Koch: „Der Wald mit seinen 160 Jahren hat beide Weltkriege miterlebt.“ Wenige Meter weiter stoßen die Waldbesucher auf eine Lichtung samt Insektenhotel und eigens angefertigter Sitzgelegenheit aus einer alten Stieleiche. „Wer hier Platz nimmt und sich kurz ausruht, kann Schmetterlinge beobachten“, verrät Projektleiter Jung. Und auch sonst tummeln sich an dieser Stelle rund 300 Lebewesen. Das Totholz einer morschen Stieleiche hat das Forstteam bewusst an seinem Platz gelassen, sodass es Insekten und Pilzen noch als Lebensraum dient. An einer weiteren Station werfen die Spaziergänger einen Blick in die Geschichte des Waldes und der Stadt Rastatt. Veranschaulicht anhand des Querschnitts einer 209 Jahre alten Stieleiche erfährt man, welche Ereignisse jeweils in Rastatt stattfanden. So kann der Waldbesucher nachlesen, dass im ersten Jahrring 1890 die Rastatter Festung abgebaut wurde. 

Innerhalb von nur vier Tagen hat das junge Forstteam um Steffen Jung den „Abseits der Wege“-Pfad angelegt. Und auch in Zukunft soll sich der Pflegeaufwand in Grenzen halten und es ein Azubiprojekt bleiben. Für Jung endet in wenigen Wochen die Ausbildung zum Forstwirtschaftsmeister. Wie die Prüfer den Rastatter Erlebnispfad bewerten, ist noch offen. Für eine Spaziergängerin samt Hund, die den Pfad während der offiziellen Vorstellung das erste Mal entlang ging, steht das Ergebnis allerdings schon jetzt fest: „Ist voll cool gemacht“, lautete ihr Fazit. 

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