ENTSCHWERT – Andreas Durrer und Armin Göhringer

Vom 3. August 2019 bis 26. Januar 2020

Malerei und Skulptur, Fläche und Raum, Farbe und Struktur, Linie und Form sind die Themen der Zusammenschau mit zum Teil großformatigen Werken des Basler Malers Andreas Durrer und des Nordracher Bildhauers Armin Göhringer. Dabei spielen die Linie in ihrer ebenso abstrakten wie konkreten Bewegtheit und die Materialität der Farbräume und Holzblöcke eine gewichtige Rolle, gleichwohl die lyrischen Abstraktionen Durrers und die über filigrane Stege gehaltenen Quadermassen Göhringers eine fast schwerelose Leichtigkeit entfalten, die die Bilder luftig und die Skulpturen getragen erscheinen lässt. Die 32 Acrylbilder und die 27 Holzskulpturen, die in der Ausstellung zu sehen sind, pflegen darüber hinaus tatsächlich einen handfesten Umgang mit Gewichten im buchstäblichen wie im übertragenen Sinne.

Indem Andreas Durrer die weiße Leinwand, gleichsam der Urzustand eines unberührten Gleichgewichts, mit bewegten Linien und geschichteten Farbfeldern bemalt und damit die Leinwand visuell in Schwingung und  ins Schwanken bringt, sucht er die dabei im Malprozess entstehenden Ungleichgewichte in den Farbschichten und Lineaturen beständig auszugleichen, um in der Bildbearbeitung die autonome Einheit des Bildes zu wahren.

Dies geschieht entweder mit fortgesetzten Linien und Farbaufträgen oder mit gezielten Durchstreichungen und mit Übermalungen, die teilweise transparent sind und die ursprünglichen Farbgewichte lediglich abschwächen. Die Kompositionen, die auf diese Weise entstehen, leiten sich folglich aus dem Malvorgang selbst her, der mit den Farb- und Liniengewichten spielt, um eine stimmige Gewichtung in dem, was auf der Leinwand am Ende erscheint, hervorzubringen. 

Armin Göhringer befreit die Schwere und Masse des Holzes dadurch von seinem angestammten Gewicht, dass er zwischen der Basis und der Kopfpartie so viel abträgt und heraussägt, wie es das Gleichgewicht zwischen den übrig bleibenden Blöcken möglich macht, die am Ende nicht nur durch die schmalen Stege getragen, sondern auch durch das Gewicht ihrer gegenseitigen Stützkraft gehalten werden. 

Beide Künstler verschaffen der Stofflichkeit von Fläche und Raum insofern ein Eigengewicht, als sie sie leicht machen und freisetzen, ent-schweren, was den Titel der Ausstellung ENTSCHWERT erklärt. In dieser „Entschwerung“ gelingen Durrer abstrakte Farbräume, die an weitläufige Gestade und landschaftliche Freiräume erinnern, und Göhringer kommt zu skulpturalen Zeichnungen und Zeichensetzungen, die sich in ihrer dunklen Einfärbung vom Raum deutlich absetzen und dabei dem Licht öffnen. 

Es ist längst eine gewisse Tradition der Städtischen Galerie Fruchthalle, das Zusammenspiel von Skulptur und Malerei in gemeinsamen Ausstellungen mit Bildhauern und Malern darzustellen. Es sei in dieser Hinsicht an die Zusammenschau des Bildhauers Charlie Loth mit dem Maler Wolfram Scheffel 2005 oder der Bildhauerin Ulrike Israel und des Malers und Zeichners Hans Lopatta 2006 erinnert. In dieser Tradition der beispielhaften Gegenüberstellung und gezielten Zueinandersetzung von Skulptur und Malerei steht auch die aktuelle Präsentation der Werke von Andreas Durrer und Armin Göhringer.

Jeden 1. und 3. Freitag im Monat (außer an Feiertagen und nicht im August) jeweils um 15.30 Uhr finden öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt. Sonderführungen können unter 07222 972-8410  nachgefragt werden. Ebenso das spezielle Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche. Jeden Donnerstag von 12.30 bis 12.45 Uhr (außer an Feiertagen und nicht im August) wird den Besuchern in der „Kunstpause“ ein Exponat der Ausstellung besonders vorgestellt.  

Im Kabinett Westermann im Obergeschoss der Galerie Fruchthalle ist bis Ende 2019 eine ausgesuchte Auswahl mit Exponaten zur „Revolution in der Box“ zu sehen, in der die Revolution von 1848/49 im deutschen Südwesten und ihr Ende in der damaligen Bundesfestung Rastatt thematisiert werden. Namhafte Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum zeichnen darin in höchst anschaulicher Weise ein Bild der dramatischen Ereignisse, die sich 2019 zum 170. Mal jähren. 

Im Anselm-Kiefer-Kabinett im Erdgeschoss der Galerie findet jeden 4. Freitag im Monat (außer an Feiertagen und nicht im August) um 15:30 Uhr eine öffentliche Führung statt.  

 

Begleitprogramm: 

Sonntag, 6. Oktober, 14.30 Uhr: Lesung neuer Gedichte von und mit Peter Hank 

Sonntag, 10. November, 15 Uhr: Künstlergespräch mit Andreas Durrer und Armin Göhringer

Kontakt:

Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
Kaiserstraße 48
76437 Rastatt

Galerieleitung
Peter Hank, M.A.

Tel. 07222 972-8410
Fax 07222 972-7009
Mobil: 0157 3346 8317
E-Mail: peter.hank@rastatt.de 

Infothek, Tel. 07222 972-8411