Vogelretter Pierre Fingermann mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

(20. September 2019) Es gibt wohl kaum jemanden rund um Rastatt, der noch nie etwas von Pierre Fingermann gehört oder gelesen hat oder gar selbst mit ihm in Kontakt getreten ist. Fingermann ist die erste Adresse, wenn es um verletzte Vögel geht. Er rettet sie aus Notlagen, päppelt sie auf oder bietet ihn so lange ein Zuhause, bis sie fliegen können. Für sein unermüdliches ehrenamtliches Engagement, das Pierre Fingermann seit über 25 Jahren nahezu täglich zeigt, wurde er am Mittwochabend, 18. September, in der Rastatter Reithalle mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

Die Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder, die im Name des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier die Laudatio hielt, sprach von einem besonderen Ordensträger. Es sei eine wahre Größe, sich hinzuknien vor den Kleinsten der Schöpfung und sie aufzuheben. „Ich weiß nicht, ob und wie Tiere Dankbarkeit Ausdruck verleihen können – wir Menschen können es. Dieser Orden ist die Stimme der Bundesrepublik Deutschland, und damit von uns allen, die Danke sagt!“, fand Felder treffende Worte. 

Als die staatliche Vogelschutzwarte in Karlsruhe-Rappenwört 1993 geschlossen wurde, machten Pierre Fingermann und seine Frau Verena kurzerhand eine eigene Auffang- und Pflegestation für in Not geratene Vögel bei sich im Garten in Rastatt auf. Mehr als 9.000 Vögel haben die beiden seitdem betreut. Fingermann ist dabei nicht nur erste Anlaufstelle für Finder verletzter Vögel, er ist auch Ansprechpartner für Naturschutzbehörden, Feuerwehr oder Polizei. In den letzten Jahren hat der gebürtige Elsässer 30 Feuerwehreinsätze begleitet, und über hundertmal bat die Polizei ihn um Hilfe. Trotz der vielen Einsätze habe sich Fingermann eins bewahrt: Achtsamkeit. Er gehe nicht an einem verletzten Tier vorbei, sondern bleibe stehen und handle, fasst es Felder zusammen. „Die Übersetzung der Erkenntnis ins Handeln, und zwar das eigene Handeln“, das sei in diesen Tagen die richtige Botschaft. 

Es ist bereits das vierte Bundesverdienstkreuz, das in diesem Jahr an einen Rastatter Bürger vergeben wurde. Eine Tatsache, die Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch mit Stolz erfüllt. Denn es zeige zum einen, wie vielfältig das Ehrenamt ist und zum anderen wie groß das bürgerliche Engagement in der Barockstadt ist. „Dankenswerterweise gibt es viele Menschen wie Pierre Fingermann, die Spaß und Freude daran haben, anderen zu helfen“, sagte Pütsch.

Fingermanns Hilfsbereitschaft würdigte auch Martin Klatt vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg. Als 2006 die sogenannte Vogelgrippe für Aufregung sorgte und eine große landesweite Untersuchung anstand, bei der die Rastplätze von Wasservögeln am Rhein kontrolliert werden sollten, habe Fingermann sofort seine Bereitschaft erklärt, zu helfen. „Hilfsbereitschaft mit absoluter Verlässlichkeit zeichnet ihn aus“, betont Klatt, der seit vielen Jahren Weggefährte von Pierre Fingermann ist. 

Fingermann zeigte sich in seiner Dankesrede bescheiden und freudig zugleich. Die Auszeichnung tue seinem Herzen gut, sagte der Vogelexperte, der vor kurzem seinen 74. Geburtstag feierte. Über all die Jahre habe er trotz der vielen Arbeit nie den Spaß an seiner Tätigkeit verloren, dafür sorgten letztlich auch seine Schützlinge selbst, die manchmal offenbar absichtlich seine Nähe suchten. So sei ein Greifvogel in Durmersheim schon mehrmals gegen eine Scheibe geflogen, mit nachfolgendem Besuch in der Pflegestation von Fingermanns. Langsam frage sich der Vogelexperte deshalb: „Braucht er eine Brille oder einen Helm?“ Auch einen Trick, um entkräftete Tiere wieder aufzupäppeln, verriet Fingermann an diesem Abend. Erst kürzlich wurde er nach Baden-Baden-Lichtental gerufen, da ein geschwächter Uhu auf einer Wiese gefunden wurde. Nachdem er ihm Traubenzuckerwasser und Rinderhackfleisch gegeben habe, habe er sich sehr schnell erholt. „Würde ich den Vögeln Namen geben, hätte ich den Uhu Porsche genannt“, erklärt Fingermann, der versprach, so lange weiterzumachen, wie es seine Gesundheit zulasse. Fingermann nutze zugleich die Gelegenheit, sich bei seinen vielen Unterstützern zu bedanken, insbesondere bei seiner Frau Verena. 

Lebhaft begleitet wurde die Feierstunde musikalisch von der Herrenkapelle, die sich zusammensetzt aus Uli Kofler und Rainer Möhringer von der Städtischen Musikschule. Ein Musikstück durfte an diesem Abend natürlich nicht fehlen: Das Lied „Alle Vögel sind schon da“, das die beiden Vollblutmusiker humorvoll in fünf Variationen darboten. 

Frischgebackener Träger des Bundesverdienstkreuzes: Pierre Fingermann (Dritter von links) gemeinsam mit seiner Frau Verena, Enkelsohn Kevin, Martin Klatt vom Landesnaturschutzverband, Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch. Foto: Stadt Rastatt
Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder und Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch würdigen die Jahrzehnte lange ehrenamtliche Leistung des neuen Bundesverdienstkreuz-Trägers Pierre Fingermann. Foto: Stadt Rastatt
Seine Dankesworte richtet Pierre Fingermann insbesondere auch an seine vielen Unterstützer. Fotos: Stadt Rastatt

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