40 Jahre Selbstlosigkeit: Heidrun Schmidt-Schmiedebach mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

(2. August 2019) „Das ist mir eine Nummer zu groß“, hatte Heidrun Schmidt-Schmiedebach noch am Morgen der Preisverleihung gedacht. Ein paar Stunden später, nachdem ihr die Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia Felder in der BadnerHalle das Bundesverdienstkreuz überreicht hatte, wechselte sich die Gefühlslage. „Ich bin sehr gerührt, glücklich und ich fühle mich wohl“, fasste die frisch Geehrte zusammen. Seit 40 Jahren setzt sich Schmidt-Schmiedebach unermüdlich für an Diabetes erkrankte Menschen in Deutschland und weltweit ein. Am Donnerstagabend, 1. August, wurde sie dafür mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt, wie die Auszeichnung vollständig heißt. Im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird das Verdienstkreuz an besonders engagierte Bürger verliehen.

Zahlreiche Weggefährten waren an diesem Abend in den Staffelschnatzer-Saal gekommen, um „Heidi“ – wie sie von Freunden liebevoll genannt wird – zu ehren. 26 Synonyme gibt es laut Duden für das Wort ehren, stellte Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch bei der Begrüßung fest. Darunter belobigen, hoch achten, preisen oder wertschätzen. „Alle Begriffe drücken aus, warum wir heute Abend hier sind und was wir sagen wollen: Danke!“ Schmidt-Schmiedebach sei ein Vorbild für den persönlichen Einsatz und habe sich das Helfen und Retten insulinpflichtiger Menschen zur Lebensaufgabe gemacht, würdigte der OB die Preisträgerin. 

Den persönlichen Lebensweg der Geehrten zeichnete Regierungspräsidentin Sylvia Felder nach. Wie so oft, habe auch Heidrun Schmidt-Schmiedebachs eigene Lebensgeschichte sie ins Ehrenamt geführt. 1979 erkrankte die Rastatterin während ihrer ersten Schwangerschaft an Diabetes mellitus Typ-1. Von Anfang an war sie auf Insulin angewiesen. Dem Schicksal hatte sie sich aber nicht ergeben wollen. Stattdessen setzte sie sich intensiv mit ihrer Erkrankung auseinander und lernte erfolgreich mit ihr umzugehen. Ihr Wissen wollte Schmidt-Schmiedebach an andere weitergeben und gründete 1989 im Café Pagodenburg die Selbsthilfegruppe "Diabetiker-Treff Rastatt", die sie bis heute leitet. Sie organisierte Diabetikertage, Blutzuckermessaktionen auf dem Rastatter Wochenmarkt und war Mitglied im Sprecherrat des Selbsthilfe-Netzwerks im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden.

Ihr Engagement kennt dabei keine Ländergrenzen. Seit 19 Jahren ist die zweifache Mutter Leiterin des Hilfsprojekts „Insulin zum Leben“, bei dem nicht mehr benötigtes Insulin aus Deutschland in Rastatt eingesammelt und an Erkrankte in Entwicklungsländer geschickt wird. Mit den Medikamentenspenden können rund 600 Menschen ein Jahr lang versorgt werden. Rastatt sei die Drehscheibe und Schmidt-Schmiedebach der Motor, stellte Felder fest. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen Heidi ihr Leben verdanken. Aber jedes einzelne ist es wert, dafür heute Danke zu sagen. Danke für 40 Jahre Selbstlosigkeit", betonte die Regierungspräsidentin.

Auch Elke Brückel, stellvertretende Vorsitzende des Diabetiker-Landesverbands Baden-Württemberg e.V. des Deutschen Diabetiker Bundes, dankte der Geehrten in einem bewegenden Grußwort. Mit viel Herz und Verstand setze sie sich für andere ein. „Erst durch Dich und Dein aufopferungsvolles Engagement wurde „Insulin zum Leben“ zu dem, was es heute ist“, betonte Brückel. Der Landesverband sei sehr stolz und glücklich, Schmidt-Schmiedebach in seiner Mitte zu haben.

Ergreifende Worte fand auch Crispin Gishoma, langjähriger Projektpartner Schmidt-Schmiedebachs aus Ruanda. Rund 2000 Menschen in seinem Heimatland hätten durch das Insulin gerettet werden können. Er bewundere sie dafür, dass sie ihre Komfortzone verlassen habe, um anderen zu helfen. Seine Rede beendete Gishoma unter lautem Beifall mit einem deutschen Wort, dass Heidrun Schmidt-Schmiedebach ihm beigebracht habe: „Heidi, du bist der Hammer!“ Udo Heidt von der Rastatter Selbsthilfegruppe ergriff spontan das Wort, dankte der Geehrten ebenfalls und scherzte: „Wenn wir Dich sehen, senkt sich unser Glukosespiegel im Blut direkt von 300 auf 120 Milligramm pro Deziliter.“

Heidrun Schmidt-Schmiedebach selbst zeigte sich in ihrer Dankesrede sehr gerührt und betonte zugleich, dass sie ohne die Unterstützung vieler Wegbegleiter und zahlreicher Spenden nicht so weit gekommen wäre. Sie versprach: „So lange ich denken kann, werde ich weitermachen.“

Musikalisch begleitet wurde der Festakt von Musikschullehrer Sven Aberle an der Klarinette und dem Bühler Konzertpianisten Roman Kühn. Die beiden Musiker spielten ein Adagio aus dem Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart, das Hasso Schmidt-Schmiedebach in jungen Jahren häufig für seine Ehefrau gespielt hatte, wie die frisch Geehrte am Ende verriet. 

Impressionen von der Feierstunde. Fotos: Stadt Rastatt.

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