23. März – 21. Juli 2019

SYNTHESE – Ralf Cohen
Fotoarbeiten 1972 – 2019

Anlässlich seines diesjährigen 70. Geburtstages zeigt die Städtische Galerie Fruchthalle eine große Werkübersicht des in Solingen geborenen und in Karlsruhe lebenden Fotokünstlers Ralf Cohen, der ausschließlich analog arbeitet, in der Behandlung des Materials und der Technik die Fotografie zunehmend transformiert hat und bisweilen der ikonischen Präsenz seiner Bilder etwas Fiktives verleiht, das so gut wie keine Hinweise mehr auf das Bildmotiv in seiner faktischen Gegebenheit enthält.

Blick ins Erdgeschoss der Ausstellung mit der jüngsten Arbeit „Synthese“ von 2019 im Hintergrund, Foto: Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt

In der Ausstellung sind Serien und Zyklen des Künstlers aus über 40 Jahren Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie zu sehen – von den anfänglichen Porträtaufnahmen namhafter Persönlichkeiten, wie Walter Scheel, bis hin zu Cohens fiktiven Bildern imaginärer Inseln oder der „Neuland“-Serie, in der großformatige Abzüge nochmals einer starken Bearbeitung und der Einflussnahme der Natur ausgesetzt werden. Dabei wird deutlich, wie vielseitig Ralf Cohen die fotografischen Möglichkeiten in der analogen Aufnahme- und Abzugstechnik auszuschöpfen versteht. Über unterschiedliche Belichtungsmodalitäten und durch experimentelle Modifizierungen bei der Bildentwicklung in der Dunkelkammer kommt er in seiner Bildfindung zu überraschenden Ergebnissen. 

Blick ins Erdgeschoss der Ausstellung mit den Spiegeln auf den Pfeilern im Vordergrund und der 12-teiligen Arbeit “Schneewasser” (2015) dem “Schwarzen Pazifik” (2008) im Hintergrund, Foto: Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt

Hier sind besonders seine subtile und fein abgestufte Nutzung des Solarisationseffekts zu nennen, aber auch der gezielte Einsatz von Negativabzügen, die er zudem noch durch entsprechende Farbfilter chromatisch auflädt und durch Umkehrungen 

Blick ins Obergeschoss der Ausstellung mit der Serie „Neuland“ (2016/2017) auf der langen Wand im Hintergrund, Foto: Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt

in imaginäre Universen mit Astralcharakter überführt. Dadurch präsentiert Ralf Cohen in Ikonographie und Komposition nicht nur eigenartig verfremdete Lichtblicke auf die Welt. Sie eröffnen dem Betrachter auch einen kritischen Blick auf die eigene Wahrnehmung und die eigenen Sehgewohnheiten. Darüber hinaus geben seine Bilder Einblick in naturgesetzliche Gegebenheiten, in denen elementare Muster auftauchen, die strukturelle Verhältnisse hinter den abgelichteten Oberflächen des Dargestellten offenlegen. 

Blick ins Obergeschoss der Ausstellung mit der vier-teiligen Arbeit „Alpensinfonie“ (2015) links im Vordergrund, Foto: Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt

Neben der Präsentation neuerer Arbeiten liegt ein Schwerpunkt der Ausstellung auch auf älteren Werken, die bis in die Studienzeit Ralf Cohens zurückreichen, als er noch überwiegend dokumentarische Portraits schuf. In der Rückschau lassen sich dabei aus der Zusammenstellung der Exponate, die im hinteren Bereich des Obergeschosses der Ausstellung gezeigt werden, sowohl die Bildgenese als auch die Entwicklung der Fotokunst Ralf Cohens insgesamt ablesen, bei der es in der Abfolge um drei Grundelemente geht.  Ist es zunächst das Licht in seiner atmosphärischen und immateriellen Erscheinung, spielt der Faktor Zeit nach und nach eine immer wichtigere Rolle, worin der Augenblickscharakter, der der Fotografie von Haus aus anhaftet, fast schon zeitlose Dimension annimmt oder zumindest in einen Wahrnehmungsprozess aufgefächert wird, so etwa im „Schwarzen Pazifik“ oder in „16 Stunden im Steinbruch“. Schließlich wird das Material in seiner Veränderlichkeit, ob als Gelatine im Abzug oder als defekter Fotoapparat, selbst zum Träger von Bildinhalten, was zu erstaunlichen Bildergebnissen führt, in denen nicht allein der Zufall vorherrscht, sondern das Material selbst zur Wirkung kommt. Hierfür stehen die „Neuland“-Serie und die jüngste Arbeit „SYNTHESE“, die der gesamten Ausstellung den Titel gab. 

Blick in den hinteren Bereich des Obergeschosses der Ausstellung mit dem Diptychon „GLOBAL“ (2008/13) rechts im Hintergrund. Foto: Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt

Um die Ausstellungsräume zusätzlich mit einem inszenatorischen Element zu versehen, wurden an einigen Stellen Spiegelflächen angebracht, die den Besucher in eine Selbstreflexion bringt und merkwürdige Überschneidungen beim Blick auf die Exponate führt. Damit die Präsentation der Bilder nicht durch Bildbeschriftungen in ihrer Eigenwirkung gestört werden, sind die Exponate links unten beziffert. In den ausliegenden Raumfoldern können die Ziffern den entsprechenden Bildangaben zugeordnet werden. Zur Ausstellung liegt ein umfangreicher Katalog vor, der im Verlag Edition Cantz Esslingen erschienen ist.

Jeden 1. und 3. Freitag im Monat (außer an Feiertagen) jeweils um 15.30 Uhr finden öffentliche Führungen durch die Ausstellung statt. Sonderführungen können unter 07222 972-8410  nachgefragt werden. Ebenso das spezielle Kunstvermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche. Jeden Donnerstag von 12.30 bis 12.45 Uhr wird den Besuchern in der „Kunstpause“ ein Exponat der Ausstellung besonders vorgestellt. 

Begleitprogramm:

Sonntag, 19. Mai 2019, 13:30 Uhr
Künstlergespräch zwischen Ralf Cohen und Peter Hank

Sonntag, 21. Juli 2019, 15 Uhr 
Lesung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Mondlandung

Blick ins Kabinett Westermann im Obergeschoss der Galerie, wo Exponate zur „Revolution in der Box“ aus der Sammlung Westermann gezeigt werden, Foto: Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt

Im „Kabinett Westermann“ im Obergeschoss der Galerie ist bis auf weiteres eine ausgesuchte Auswahl mit Exponaten zur „Revolution in der Box“ zu sehen, in der die Revolution von 1848/49 im deutschen Südwesten und ihr Ende in der damaligen Bundesfestung Rastatt thematisiert werden. Namhafte Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum zeichnen darin in höchst anschaulicher Weise ein Bild der dramatischen Ereignisse, die sich 2019 zum 170. Mal jähren. 

Im Anselm-Kiefer-Kabinett im Erdgeschoss der Galerie findet jeden 4. Freitag im Monat (außer an Feiertagen) eine öffentliche Führung statt. 

Kontakt

Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
Kaiserstraße 48
76437 Rastatt

Galerieleitung
Peter Hank, M.A.

Tel. 07222 972-8410
Fax 07222 972-7009
Mobil: 0177 1891886
E-Mail: peter.hank@rastatt.de

Infothek
, Tel. 07222 972-8411

Öffnungszeiten

Donnerstag bis Samstag
12-17 Uhr
Sonntag und an Feiertagen
11-17 Uhr

Gruppenführungen nach Vereinbarung

Kunstdidaktisches Programm auf Anfrage

Terminvereinbarung unter
07222 972-8410
(Mi - Fr 10-17 Uhr)