„Völkerverständigung weiter stärken“: Festakt im Rossi-Haus zum Jubiläum der Patenschaft mit Schlackenwerth

(23. Juli 2019) Das vergangene Wochenende stand in Rastatt ganz im Zeichen des Stadtfestes, aber auch der Städtepartnerschaften. Gäste aus Fano (Italien), New Britain (USA), Woking (England), Ostrov (Tschechien) und Mitglieder des Heimatverbandes Schlackenwerth e.V. waren in die Barockstadt gereist, um gemeinsam mit den Rastatter Bürgerinnen und Bürgern zu feiern. Am Sonntag, 21. Juli, wurde als besonderes Highlight im Programm für die Partnerstädte die seit 50 Jahren bestehende Patenschaft der Stadt Rastatt mit dem Heimatverband Schlackenwerth e.V. gewürdigt. Als „Geschenk“ präsentierte Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch den neu geschaffenen Schlackenwerth-Raum im Rossi-Haus. In ihm wird die Geschichte und Kultur der nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen deutschen Bevölkerung aus Schlackenwerth (heute Ostrov) lebendig. In seiner Ansprache betonte der OB die besondere Verbindung zwischen der Stadt Rastatt und dem damaligen böhmischen Schlackenwerth, die weit länger zurückreicht als das Jubiläum, das in diesem Jahr gefeiert wird. Für beste Unterhaltung beim Festakt sorgten musikalisch die Rastatter Stadtkapelle und die Fahnenschwinger aus Rastatt. 

1690 heiratete Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden die damaligen Prinzessin Franziska Sibylla Augusta, die in Schlackenwerth aufwuchs. Sibylla Augusta, die viel für Baden leistete, sei zu einer „Symbolfigur“ für viele vertriebene Schlackenwerther geworden, erklärte OB Pütsch. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs suchten sie eine kulturelle und geistige Heimat und fanden sie aufgrund der gemeinsamen Historie in Rastatt. Vor 50 Jahren, am 7. Juni 1969, wurde die Patenschaft zwischen der Stadt Rastatt und dem Heimatverband Schlackenwerth e.V. offiziell beschlossen. „Wir wollen das Schicksal der Vertriebenen auch künftig nicht vergessen und die Erinnerung als Mahnung betrachten. Gerade in der heutigen Zeit, in der übertriebener Nationalismus und vor allem Populismus wahrzunehmen sind, müssen wir die Völkerverständigung weiter stärken“, betonte der Oberbürgermeister. Ihm sei es deshalb eine besondere Freude, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Schlackenwerther Heimatverbands, Horst Hippmann, seiner Frau Elfriede und vielen Mitgliedern die Erinnerung aufrechtzuerhalten und das Jubiläum der Patenschaft zu feiern. 

Auch Ostrovs Bürgermeister a.D., Josef Železný, der den amtierenden Bürgermeister Jan Bureš vertrat, griff in seiner Rede den Wunsch nach einem geeinten Europa auf. Der Schlackenwerther-Raum leiste einen wichtigen Beitrag, Geschichte lebendig zu halten. Die Geschichte Ostrov-Schlackenwerth sei die Geschichte einer kleinen Stadt, aber gleichzeitig Teil der großen Geschichte Europas. 

Diese besondere Geschichte der Vertriebenen erlebbar zu machen und gleichzeitig auf Verbindungen bis hin zur Gegenwart einzugehen, ist dem Architekten des Schlackenwerth-Raums, Michael Welsch, gelungen, so das einhellige Credo der Gäste. Der Raum zeigt historische Bücher, Trachten und Medaillen sowie filmisch aufbereitete Erinnerungen von einst Geflüchteten. Ein Multitouch-Tisch, der mittig im Raum positioniert ist, soll die Geschichte insbesondere für junge Menschen greifbar machen. Im Raum zu finden ist zudem eine Majolika-Figur der Markgräfin Franziska Sibylla Augusta, die eigens von der Stadt Rastatt für die Erinnerungsstätte im Rossi-Haus in Auftrag gegeben und feierlich von OB Pütsch an Horst Hippmann übergeben wurde. 

Das Internationale Stadtfest habe einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine länderübergreifende Verständigung ist, betonte OB Pütsch bei einem anschließenden gemeinsamen Essen der Partnerstädte und des Heimatverbands Schlackenwerth e.V. in der Pagodenburg. Die Gäste blickten zurück auf ereignisreiche Tage, an denen sie das vielseitige Angebot des Stadtfestes genießen konnten. Eine besondere Rolle nahm dabei Fanos jüngst wiedergewählter Bürgermeister Massimo Seri ein, der mit Massimiliano Barbardoro, Vorsitzender des Vereins „Amici senza Frontiere“ (Freunde ohne Grenzen), angereist war. Gemeinsam mit OB Pütsch eröffnete Seri am Freitagabend mit dem traditionellen Fassanstich die Festtage. Anschließend unterzeichneten die Fahnenschwinger aus Rastatt mit ihren Faneser Kollegen der „gruppo storico la Pandolfaccia“ eine Freundschaftsurkunde. Auch Marlie Roes und Ian Eastwood, Mitglieder des Partnerschaftskomitees aus Woking, sowie Alison Keeley von Linkable, dem englischen Pendant der deutschen Lebenshilfe, und Lehrer Matt Brundle von der Hoe Valley School in Woking waren mit von der Partie. Das amüsante Schauspiel auf dem Marktplatz ließen sich auch Peter Kilduff mit seiner Ehefrau Judy aus New Britain und die weiteren Gäste aus Ostrov – darunter Walburga Mikešova, Mitglied des Vereines der Freunde der Stadt Ostrov, sowie Pfarrer Marek Bonaventura Hric und die ehemalige Stadträtin Ilona Leupold – nicht entgehen. Der Samstag führte die Gäste zunächst in die Ausstellung im Rastatter Stadtmuseum „Landpartien Nordschwarzwald. Von Rastatt ins romantische Murgtal“ und danach nach Gernsbach, wo sie einen Blick ins schöne Murgtal werfen konnten. Begeistert zeigten sich alle am Samstagabend vom bunten Schlossfeuerwerk.  

Bei einem Ausflug nach Gernsbach werfen die Gäste der Partnerstädte und des Heimatverbands Schlackenwerth einen Blick ins schöne Murgtal. Foto: Stadt Rastatt
Ein Zeichen der Verbundenheit: Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch hält gemeinsam mit Elfriede und Horst Hippmann vom Schlackenwerther Heimatverband e.V. die unterzeichnete Jubiläumsurkunde in der Hand. Foto: Stadt Rastatt
Im Schlackenwerth-Raum im Rossi-Haus wird die Geschichte und Kultur der Schlackenwerther in lebendiger Form gezeigt. Foto: Stadt Rastatt
 

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