Bewegende Besuche und eine andere Sicht auf das Leben: Bundesfreiwilligendienst bei der Seniorenarbeit der Stadt Rastatt


Sich sozial engagieren und der Gesellschaft etwas zurückgeben: Lukas Tasch absolviert derzeit seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Rastatt. Foto: Stadt Rastatt.

(24.06.2019) Als Lukas Tasch 2018 kurz vor dem Abitur am Tulla-Gymnasium in Rastatt stand, wurde eine Frage immer drängender: Wie soll es danach weitergehen? Irgendetwas mit Computern sollte es sein. Ein Informatik-Studium vielleicht oder doch lieber eine Ausbildung? „Ein ganzes Jahr lang Däumchen zu drehen war für mich keine Option, da war guter Rat teuer“, gesteht der mittlerweile 19-Jährige. So wie ihm geht es vielen jungen Menschen, die gerade mit der Schule fertig sind. Aber er hatte Glück: „Ein Bekannter schwärmte mir vor, dass er nach seinem Abi einen sogenannten Bundesfreiwilligendienst absolviert hatte. Dies sei eine sehr schöne Erfahrung gewesen. „Daraufhin habe ich angefangen zu recherchieren und wurde nach kurzer Zeit fündig: Eine Bundesfreiwilligendienst-Stelle bei der Stadt Rastatt im Bereich Seniorenarbeit ist mir gleich ins Auge gesprungen“, berichtet Lukas Tasch, der als Kind viel Zeit mit seinen Großeltern verbracht hatte. „Warum also der Gesellschaft nicht etwas zurückgeben und sich sozial engagieren?“ fragte er sich und kontaktierte kurzentschlossen den zuständigen Mitarbeiter bei der Stadtverwaltung per E-Mail. Bereits nach kurzer Zeit wurde er zu einem ersten Gespräch eingeladen. Das Treffen verlief positiv, die Aufgaben klangen spannend und im September 2018 trat Lukas Tasch seinen Freiwilligendienst bei der Stadt Rastatt an. 

Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Rastatt

Der Bundesfreiwilligendienst wurde 2011 als Ersatz nach der Aussetzung des Wehrdienstes bzw. des Zivildienstes geschaffen. Er ist eine Möglichkeit für Frauen und Männer, die die Schulpflicht erfüllt haben, sich für das Allgemeinwohl zu engagieren – eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Die Einsatzbereiche sind vielfältig. Die Stadt Rastatt bietet gleich zwei Plätze an: eine Stelle bei der Jugendförderung der Stadt Rastatt, bei der die Freiwilligen bei den zahlreichen Angeboten für Jugendliche in Rastatt mitarbeiten können, sowie eine Stelle bei der Seniorenarbeit im Bürgerforum Rossi-Haus in der Herrenstraße 13. Hier unterstützen die Freiwilligen – auch Bufdis genannt – die in der Seniorenarbeit tätigen Mitarbeiter und Engagierten und fungieren als Ansprechpartner für Besucher. In der Regel dauert der Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Rastatt zwölf Monate. Er beginnt jährlich am 1. September und endet am 31. August des Folgejahres.  

Abwechslungsreicher Alltag als Freiwilliger 

„Meine Arbeit im Rossi-Haus ist abwechlungsreich, die verschiedenen Tätigkeiten und Aufgaben in der Seniorenarbeit sind sehr häufig unterstützender Natur“, berichtet Lukas Tasch. Sei es, dass die älteren Besucher des Seniorenbüros Hilfe benötigen oder die Kollegen. Am meisten habe er von den vielen interessanten Unterhaltungen mit den Älteren profitiert. „Die Sicht der Senioren auf die Dinge ist oft überraschend und spannend“, so Lukas Tasch. Als Freiwilliger hilft er auch bei den vielen Aktionen des Seniorenbüros mit sowie bei der Organisation und Gestaltung von Seniorenveranstaltungen, zu denen die Stadt Rastatt ältere Menschen regelmäßig einlädt, wie der Weihnachts- und Faschingsfeier für Senioren oder dem Seniorennachmittag, 

Weihnachtsgeschenke und Besuche in Pflegeheimen

Eines der schönsten und zugleich prägendsten Ereignisse sei das Verteilen von kleinen Geschenken an Rastatter Senioren in den umliegenden Pflegeheimen gewesen, das die Rastatter Seniorenhilfe jedes Jahr zu Weihnachten organisiert, berichtet Lukas Tasch. „Zu sehen, welche Freude wir den Bewohnern machen konnten, indem wir sie lediglich besuchten und ein kleines Präsent für sie dabei hatten, hat mich wirklich berührt“, gesteht er. Bewegend waren auch die regelmäßigen Besuche im Pflege- und Betreuungszentrum Ottersweier-Hub. „Einmal im Monat bin ich zusammen mit drei anderen ehrenamtlich tätigen Senioren aus Rastatt in die Einrichtung gefahren, um die dort lebenden Rastatter zu besuchen und mit ihnen bei Kaffee und Kuchen den Nachmittag zu verbringen.“ Die anfänglichen Berührungsängste seien von Mal zu Mal verflogen. „Die Senioren freuen sich unheimlich, wenn sie Besuch aus ihrer Heimatstadt bekommen und Neuigkeiten erfahren. Wir verbringen gemeinsam Zeit, lesen Gedichte oder singen alte Lieder. Das sind einfach besondere Augenblicke, die man nicht vergisst.“

Eine andere Sicht auf das Leben

Bei der Seniorenarbeit werden manchmal die Unterschiede zwischen den Generationen deutlich. Für Lukas Tasch kein Problem. „Die älteren Menschen ticken sicherlich anders als Leute in meinem Alter.“ Aber das sei ja gerade das Schöne. Dass man sich gegenseitig zuhöre, beide Seiten die Sichtweise des jeweils anderen kennenlernten und man voneinander profitiere. „Ich habe jetzt eine völlig andere Sicht auf das Leben.“ Viel gebracht habe ihm auch die Teilnahme an den fünf einwöchigen Seminaren, die zum Freiwilligendienst dazugehören. „In meiner Seminargruppe in Karlsruhe haben wir verschiedene Themen fachlich aufgearbeitet, das hat mir sehr geholfen.“ Interessant und aufschlussreich sei auch immer der Austausch mit den anderen, meist gleichaltrigen Freiwilligen gewesen. „Das war einfach eine schöne Abwechslung zum noch ungewohnten Arbeitsalltag“, so Lukas Tasch.

Wichtige Zeit, um sich neu zu orientieren

Ende August 2019 endet die Dienstzeit von Lukas Tasch. Seine Zwischenbilanz: „Ich kann jedem, der mit der Schule fertig ist und noch nicht weiß, wie es weitergehen soll, einen Freiwilligendienst nur empfehlen.“ Es sei eine wichtige Zeit, man mache neue Erfahrungen, ordne seine Gedanken und orientiere sich neu. „Ich habe unglaublich viel dazugelernt, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich, und möchte diese Erfahrungen für meine Zukunft nicht missen.“ Wie es weitergehen soll, weiß Lukas Tasch nun auch. „Ich hatte in diesem Jahr viel Zeit, darüber nachzudenken. Ab September geht´s für mich nach Karlsruhe an die Uni. Ich will Wirtschaftsinformatik studieren.“

Bewerbungsmöglichkeiten

Wer Interesse an einem Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Rastatt hat, kann sich jedes Jahr von Januar bis April bei der Stadt Rastatt bewerben. Ansprechpartner: Kundenbereich Kommunale Sozialarbeit, Miguel Rodriguez, Kaiserstr. 48, 76437 Rastatt, Tel. 07222 972-9100, E-Mail: miguel.rodriguez@rastatt.de. Mehr Infos gibt es auch im Internet unter www.rastatt.de / Bundesfreiwilligendienst.

Kontakt

Kundenbereich 9.10 Kommunale Sozialarbeit
Miguel Rodriguez
Kaiserstraße 48 (Fruchthalle)
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Tel. 07222 972-9001
Fax 07222 972-9099
E-Mail: miguel.rodriguez@rastatt.de