„Landpartien Nordschwarzwald“: Stadtmuseum zeigt Reise von Rastatt ins romantische Murgtal

Stadtmuseumsleiterin Iris Baumgärtner und Museumsmacher Michael Welsch weisen auf die Reiserouten im Nordschwarzwald hin. Foto: Stadt Rastatt

(31. Mai 2019) Die Reise durch den Nordschwarzwald beginnt Ende des 15. Jahrhunderts in Rastatt. Vornehme Gäste, die mit ihren Kutschen auf dem Weg nach Straßburg oder Mailand waren, machten Halt in der Barockstadt, die zu jener Zeit eine der wenigen Poststationen besaß. Sie wechselten ihre Pferde, gaben Briefe ab und tranken aus dem Rastatter Schoppen, der 2,3 Liter Wein fasste und als eines der größten Weinmaße Deutschlands galt.

Gezeigt wird das Rastatter Maß neben zahlreichen anderen Exponaten derzeit im Stadtmuseum bei der Sonderausstellung "Landpartien Nordschwarzwald: Von Rastatt ins romantische Murgtal“. Die Ausstellung, die die Entwicklung des Tourismus in der Region bis in die 1960er Jahre veranschaulicht, entstand in Kooperation mit den Stadtmuseen Baden-Baden, Ettlingen und Karlsruhe-Durlach.

Zahlreiche Berühmtheiten reisten nach Rastatt

Auf zwei Etagen nimmt das Rastatter Stadtmuseum die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die geschichtsträchtige Barockstadt und das wildromantische Murgtal. Schon kurz nach der Fertigstellung lockte die Residenz des Markgrafen von Baden Touristen in die Stadt, die sich ein Bild von der besonderen Architektur des Schlosses machen wollten, erzählt Museumsleiterin Iris Baumgärtner. Unter ihnen waren auch zahlreiche Berühmtheiten, wie die Schriftstellerin Sophie von La Roche oder der Naturforscher Alexander von Humboldt. Was sie über Rastatt sagten, können die Besucher in der Ausstellung nachlesen. 

Erinnerungen an das frühere Reisen mit der Bahn werden bei dem roten Vierersitz wachgerufen. Foto: Stadt Rastatt

Als Sehnsuchtsort vieler Touristen gilt seit jeher das Schloss Favorite. Kurgäste aus Baden-Baden reisten an, um im Schlosspark zu picknicken und Musik zu machen. Einer von ihnen war Großherzog von Sachsen-Weimar, der 1835 von dem Offizier und Kunstdilettanten Bernhard von Answald begleitet wurde. Während seines Besuchs hielt Answald die Schönheit des Schlosses in seinen Zeichnungen fest. Das Stadtmuseum zeigt das Reiseskizzenbuch, das eines der ersten Innenansichten des Lustschlosses beinhaltet. 

Als Verkehrsknotenpunkt wurde Rastatt spätestens mit dem Bau der Eisenbahn zum Ausgangspunkt für das Murgtal. Die Reisenden sehnten sich nach Natur, suchten Erholung und Genesung und fanden dies im Elisabethenbad in Rotenfels und im Kiefernnadelbad in Gernsbach. Aus dieser Zeit stammt auch die historische Badewanne, die im Stadtmuseum vor einem zimmerhohen vergoldeten Spiegel zu bewundern ist.

Ruhe und Erholung fanden Touristen im Elisabethenbad Rotenfels und im Kiefernadelbad Gernsbach. Foto: Stadt Rastatt

Murgtal lockt Romantiker an

Im 19 Jahrhundert wurde das Murgtal besonders von Romantikern entdeckt. Es war der Kontrast zwischen der schroffen Landschaft und den gepflegten Städtchen, der Touristen ins Murgtal lockte. Der Schriftsteller Aloys Schreiber beschrieb es etwa mit den Worten „eines der reizendsten Thäler Teutschlands“.

In die jüngere Vergangenheit reisen Besucher des Stadtmuseums, wenn sie das Untergeschoss betreten. Erinnerungen an frühere Bahnfahrten werden bei einem ausgestellten roten Vierersitz wachgerufen. „Viele Ältere werden sicher noch das Gefühl kennen, wenn sie im Sommer mit kurzen Hosen auf den Sitzen kleben blieben“, berichtet Iris Baumgärtner. Ein Gefühl, das beim Probesitzen auf den Bänken vielleicht wieder auftauchen wird. 

Neben Ausstellungsstücken, Bildern sowie historischen Postkarten und Schriften zeigt das Stadtmuseum auch filmische Originalaufnahmen. Aus dem Archiv des Südwestrundfunks stammt etwa ein Film aus dem Jahr 1965, bei dem Zuschauer auf einen Spaziergang durch Rastatt mitgenommen und in vielen Szenen in die Gegenwart geführt werden. 

Besucher-Info: Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Februar 2020 im Stadtmuseum Rastatt zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Samstag von 12 bis 17 Uhr sowie Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Erwachsene zahlen drei Euro Eintritt, ermäßigt einen Euro. 

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