Neujahrsempfang 2019 der Stadt Rastatt: „Wir brauchen aufrechte Demokraten“

(14. Januar 2019) Es war ein außergewöhnlicher Neujahrsempfang, den die Stadt Rastatt am 11. Januar in der voll besetzten BadnerHalle feierte. Denn nicht nur die traditionelle Neujahrsrede des Oberbürgermeisters stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Hans Jürgen Pütsch hatte auch die mit eigenen Worten „sehr große Ehre“, den langjährigen Stadtrat, Landtagsabgeordneten und vielfältigst für Rastatt Engagierten Gunter Kaufmann, Prof. i.R., als neuen Ehrenbürger der Stadt Rastatt auszuzeichnen. Die Laudatio für den Geehrten hielt Prof. Dr. Emil Dister.

Feierlich und fröhlich eingestimmt durch die Bläserklassen der August-Renner-Realschule, begann der Festakt mit der Begrüßung der Gäste – darunter viele Ehrengäste, beispielsweise der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup, Landrat Jürgen Bäuerle, Unternehmenschef Horst Ehrmann von Möbel Ehrmann, L’tur-Geschäftsführer Jürgen Kaiser, Mercedes-Benz Werksleiter Thomas Geier, die Rastatter Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker und Gabriele Katzmarek und Landtagsabgeordneter Jonas Weber.

Prächtige Entwicklung Rastatts

Ein filmischer Jahresrückblick ließ anschließend Rastatts „prächtige Entwicklung“ des vergangenen Jahres Revue passieren, bevor OB Pütsch in seiner Neujahrsansprache auf die wichtigsten Projekte und Ereignisse 2018 einging und einen Ausblick aufs neue Jahr gab. Er blicke mit Stolz auf 2018 zurück, bekannte Pütsch, und nannte die zahlreichen Bauprojekte, die Einweihung des Rossi-Hauses, 300 neuen Wohneinheiten, das Jubiläums-tête-à-tête oder das engagierte Wirken der Jugenddelegation als Beispiele für eine mehr als erfreuliche Entwicklung der Stadt. Zwei zentrale Projekte, beide 2018 mit überwältigender Mehrheit vom Gemeinderat beschlossen, hob der Oberbürgermeister besonders hervor: die Machbarkeitsstudie zur Werkserweiterung Mercedes Benz und die Planung des Kombibades. Insbesondere bei der Machbarkeitsstudie habe das Thema Verkehr die Diskussionen beherrscht, so Pütsch. Er versicherte, die Sorgen der Bevölkerung sehr ernst zu nehmen und die betroffenen Bürger an den Planungen der Stadt zu beteiligen. 

Überhaupt werde sich die Verwaltung 2019 intensiv des Themas Verkehr annehmen und ein integriertes Mobilitätskonzept für Rastatt erarbeiten. Im laufenden Jahr stehe überdies die Entwicklung der Ortsteile ganz oben auf der Agenda. Und das Topthema 2018 „Bauen, bauen, bauen“ werde sich auch 2019 fortsetzen. Angesichts der anstehenden Europa- und Kommunalwahlen im Mai mache ihn „das Erstarken der Populisten, der Hetzer, der Fake-Newser in weiten Teilen der Welt, gerade auch hier in Europa“ nachdenklich, bekannte der OB. Er warb dafür, „denen, die Angst schüren und hetzen“ entschieden entgegenzutreten. „Wir brauchen aufrechte Demokraten“, so Pütsch, und er ermunterte: „Schauen Sie auf die Fakten – auf das, was wir mit dem Gemeinderat, mit dem Kreistag für Rastatt als Stadt und Landkreis in den letzten Jahren alles erreicht haben. Was uns ein geeintes Europa an Möglichkeiten gibt, in Frieden und Freiheit mit großer Freizügigkeit zu agieren. Es darf nicht sein, dass sich in unserem liebenswerten Rastatt Verachtung und Missmut breitmachen!“

„Großer Sohn der Stadt“: Gunter Kaufmann als Ehrenbürger ausgezeichnet

Einen Vorzeige-Demokraten zeichnete der Oberbürgermeister dann als Höhepunkt der Veranstaltung mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Rastatt aus: Gunter Kaufmann, Prof. i.R. sei „ein großer Sohn unserer Stadt, der Großartiges für sie geleistet habe“. Er habe 46 Jahre als Stadtrat zum Wohle der Stadt gewirkt, sie mitgestaltet und geprägt. In unzähligen Ehrenämtern habe der Sozialdemokrat darüber hinaus mit beispiellosem Engagement Projekte vorangetrieben. Ein Meisterstück von Kaufmanns kommunalpolitischer Tätigkeit sei der Rastatter Kompromiss zur Ansiedlung es Automobilwerkes Mercedes-Benz vor circa 30 Jahren gewesen. 

Laudatio Dister: „Fast unglaublich, Gunter“

Dieses Meisterstück und besonders Kaufmanns umweltpolitisches Engagement stellte Prof. Dr. Emil Dister in seiner Laudatio heraus. Der bekannte Umweltwissenschaftler und ehemalige Leiter des WWF-Aueninstitutes war lange Jahre Wegbegleiter Kaufmanns. „Gunter Kaufmann hatte damals wie heute nie die ökologische Seite allein, sondern immer auch die soziale und wirtschaftliche Komponente mit im Blick“, betonte Dister. „Damit hat er die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Soziales und Wirtschaft schon sehr früh zu den Maßstäben seines Handelns gemacht.“ Dister erinnerte an die „bahnbrechende Gründung“ der Umweltstiftung Rastatt im Jahr 1999 – in Folge des Rastatter Kompromisses und der Ausgleichsmaßnahmen für die Daimler-Benz-Ansiedlung 1987, für die Kaufmann ein wesentlicher Architekt gewesen sei. „Heute, mehr als 30 Jahr nach der Rastatter Vereinbarung, ist er wieder zu einem unverzichtbaren Gesprächspartner in der aktuellen Diskussion um die Erweiterung des PKW-Werks in Rastatt geworden, und wir beide finden uns 30 Jahre zeitversetzt in einer vergleichbaren Situation wieder. Fast unglaublich, Gunter.“

Das Wirken des neuen Ehrenbürgers war dem Publikum vorab auch in einem Film gezeigt worden. Gunter Kaufmann erhielt eine kalligrafisch gestaltete Urkunde und eine wertvolle Keramik aus der Majolika-Manufaktur in Karlsruhe, die den Türken-Louis zeigt. Zum Gruppenfoto mit dem Ehrenbürger bat Hans Jürgen Pütsch die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates auf die Bühne. Erste „Amtshandlung“ des neuen Ehrenbürgers war es, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister die traditionelle Neujahrsbrezel anzuschneiden. Nach dem gemeinsamen Singen des Badner Liedes konnten dann die Gäste ein Stück der Brezel genießen und mit Häppchen, Getränken und Gesprächen den Neujahrsempfang gesellig ausklingen lassen. 

Impressionen vom Neujahrsempfang 2019 der Stadt Rastatt, Fotos: Gerhard Dinger.