Vorsorge vorm nächsten Starkregen: Das städtische Kanalnetz kann nicht alles auffangen - auch zu Hause muss gesichert werden

(30. Juli 2018) Auch Rastatt ächzt in diesen Tagen unter Sommerhitze und Trockenheit. Aber der nächste (Gewitter-)Regen kommt bestimmt und könnte im Ernstfall wieder für überflutete Straßen und vollgelaufene Keller sorgen. Ein Problem der Kanalisation? Nein, sagen der Kundenbereich Tiefbau und der Eigenbetrieb Stadtentwässerung der Stadt Rastatt. Um die Bevölkerung rechtzeitig vor dem nächsten Fall der Fälle umfassend über die Wirkungsweise des städtischen Kanalnetzes zu informieren, aber auch an die Pflichten der Hauseigentümer zu erinnern, haben beide Facheinheiten die nachfolgenden Informationen zusammengestellt.

Die städtische Kanalisation
Das Kanalnetz in Rastatt entspricht ganz klar den Regeln der Technik. Es ist, wie in Deutschland üblich, grundsätzlich für einen Bemessungsregen ausgelegt, der statistisch alle drei oder fünf Jahre vorkommen kann. Auch die Pumpen sind maximal für solche Bemessungsereignisse ausgelegt. Sämtliche Kanäle werden jährlich und bei Bedarf auch zusätzlich gereinigt. Die Straßeneinläufe werden zweimal jährlich jeweils nach der Blüte und nach dem Laubfall entleert.

Was passiert bei Starkregen?
Immer wieder kam es in der letzten Zeit zu starken Niederschlägen, die nicht mehr über die Kanalisation abgeführt werden konnten. Es ist davon auszugehen, dass durch den Klimawandel häufiger mit solchen Ereignissen gerechnet werden muss.

Die heftigen Niederschläge von Anfang Juni hatten zum Beispiel in Wintersdorf eine statistische Wiederkehrwahrscheinlichkeit von einmal in dreißig Jahren. In Rastatt fielen in zwei Stunden 64,4 Liter pro Quadratmeter vom Himmel und damit umgerechnet acht Prozent des Jahresniederschlags. Das kommt statistisch alle 100 Jahre vor.

Die Straßeneinläufe in den öffentlichen Straßen sind ebenso wie die Kanalisation nicht für die Aufnahme von Starkniederschlägen ausgelegt. Konsequenz: Starkniederschläge, wie sie zurzeit vorkommen, können erst gar nicht in die Kanalisation gelangen. Diese starken Regenfälle führen zwangsläufig dazu, dass das Wasser oberirdisch abfließt und sich in Senken sammelt.

Was hat die Stadt in den letzten Jahren an technischen Anpassungen vorgenommen?
Das gesamte Kanalnetz wurde hydraulisch überprüft. Um die hydraulischen Modelle an die Realität anzupassen, werden regelmäßig Abflussmessungen durchgeführt. Dort, wo sich Engpässe zeigen, werden diese durch Schaffung von Stauraum beseitigt, wie zum Beispiel in der Mozartanlage. Bei der Erschließung von neuen Baugebieten achtet die Stadt Rastatt darauf, durch Auflagen zur Versickerung oder zu Stauräumen die hydraulische Situation im Kanalnetz ausgeglichen zu halten. Auch die Daten aus der Erhebung zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr werden mit berücksichtigt. Außerdem hat die Stadt neue Hochwasserpumpwerke gebaut, um das Kanalnetz gegen ein Hochwasser der Murg abzusichern. 

Wäre nicht eine Vergrößerung des Kanalnetzes die richtige und einfachste Lösung?
Eine sehr kostenintensive Vergrößerung des gesamten Kanalsystems mit einer Länge von 225 Kilometern kann nicht die Lösung sein für Ereignisse, die inzwischen zwar häufiger, aber immer noch selten vorkommen. Auch spricht schon allein die Anlage der Straßeneinläufe, die nicht für Starkregen ausgelegt sind, gegen einen solchen Ansatz. In der Fachwelt setzt man daher auf eine Gefährdungsanalyse und auf Handlungskonzepte mit Vorsorgemaßnahmen, wie beispielsweise eine oberirdische Ableitung in Grünflächen und Notwasserwege. Rastatt ist dabei, ein solches Starkregenrisikomanagement auf den Weg zu bringen.

Was bringt ein Starkregenrisikomanagement?
Durch das Starkregenrisikomanagement, für das es Zuschüsse vom Land gibt, werden die gefährdeten Bereiche – basierend auf Modellen und Erfahrungen – ausfindig gemacht. Ergebnis ist ein Handlungskonzept. Wie der Schutz vor oberflächigen Überflutungen dann hergestellt wird, muss je nach Situation vor Ort entschieden werden. Dies ist aus Sicht der Stadt der richtige Weg. Aber es ist auch ein langwieriger Prozess. Unabhängig von den städtischen Aktivitäten sollte daher auch jeder Eigentümer Vorsorge treffen.

Was kann der einzelne Bürger tun?
Bei Starkregen, aber durchaus auch schon bei „normalem Regen“, kommt es in einigen Bereichen des Stadtgebietes immer wieder zu Rückstauungen oder Flutungen von Kellern. Das hat in den allermeisten Fällen technische Gründe, gegen die die Eigentümer selbst etwas tun müssen. Denn die sanitären Einrichtungen in den Kellern sind meist nicht durch Hebeanlagen oder Sicherungen vor zurückstauendem Wasser aus dem Kanalnetz geschützt. Der Einbau solcher Sicherungsanlagen sollte überall dort vorgenommen werden, wo Entwässerungseinrichtungen unterhalb der Rückstauebene – diese entspricht der Straßenoberfläche – vorzufinden sind. Wichtig: Vor dem oder beim Einbau sollte unbedingt die Expertise von Handwerksbetrieben für Sanitärinstallationen eingeholt werden. Denn ohne professionellen Rat werden oft Rückstauverschlüsse eingebaut, wo eigentlich eine Hebeanlage angebracht wäre. Oder Rückstauverschlüsse werden an falscher Stelle eingebaut, so dass auch angeschlossenes Regenwasser nicht abfließen kann. Auch kommt es zu Versagen der Rückstaueinrichtungen, da diese nicht regelmäßig gewartet werden. 

Wie hilft der Eigenbetrieb Stadtentwässerung?
Wer bei den jüngsten Starkregen-Ereignissen von Wassermassen betroffen war, die direkt von gefluteten Straßen auf das eigene Grundstück oder gar in den Keller gelangt sind, kann sich an den Eigenbetrieb Stadtentwässerung wenden. Bitte eine E-Mail schicken an stadtentwaesserung@rastatt.de, Stichwort „Starkregen“ Die Mitarbeiter melden sich dann und bieten gegebenenfalls eine Beratung vor Ort an. Außerdem beantworten sie alle Fragen rund ums Kanalnetz und zu Vorkehrungen gegen Regen-Rückstauungen im eigenen Haus. 

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Kontakt:

Pressestelle Stadt Rastatt

Telefon: 07222 972-1300
oder -1301

E-Mail: pressestelle@rastatt.de