Massenvermehrung der Wildschweine: Förster Martin Koch plädiert für Drückjagden

Wildschweine vermehren sich auch hierzulande massenhaft – mit dramatischen Folgen. © byrdyak / fotolia

(30. Januar 2018) Was vor wenigen Jahrzehnten in manchem Jagdrevier noch als eine kleine Sensation galt, hat sich heute zu einer echten Plage entwickelt: das Wildschwein. Denn seit gut 25 Jahren vermehren sich die Schwarzkittel, mehr oder weniger flächendeckend, in ganz Europa. Wie konnte es zu einer derartigen Massenvermehrung kommen? Der städtische Förster Martin Koch klärt auf und beschreibt die dramatischen Folgen.

Optimale Lebensbedingungen für Wildschweine auch in Rastatt

Grundsätzlich haben alle wild lebenden Tiere immer dann optimale Lebensbedingungen, wenn drei wesentliche Faktoren gegeben sind: ein geeigneter Lebensraum mit genügend Möglichkeiten, Unterschlupf zu finden, ein üppiges Nahrungsangebot und das Fehlen natürlicher Feinde. Genau diese Situation finden Wildschweine in unseren Breiten vor. 

So zeichnen sich die hiesigen Wälder durch große Mengen Unterholz und damit Deckungsmöglichkeiten für Wildtiere aus. Denn seit rund drei Jahrzehnten verschreibt sich die Forstverwaltung in Baden-Württemberg dem naturnahen Waldbau, auch in Rastatt. „Außerdem trägt der massive Wandel in der Landwirtschaft mit einem üppig gedeckten Tisch zu einer perfekten Nahrungsversorgung der Wildschweine bei“, betont Koch. „Das Fehlen natürlicher Feinde und die über viele Jahre viel zu geringen Abschusszahlen verstärken das derzeitige Dilemma“, beschreibt Koch die Situation. 

Begegnungen mit Wildschweinen auch in Rastatt keine Seltenheit 

Und so komme es auch, dass der stetig knapper werdende Lebensraum die Wildschweine dazu zwinge, in die Nähe der Menschen auszuweichen, also auch in die Siedlungsräume. Nicht nur in der weit entfernten Bundeshauptstadt Berlin wühlen ganze Wildschweinrotten in schöner Regelmäßigkeit Vorgärten um. Immer wieder berichten auch Rastatter Bürgerinnen und Bürger, dass ihnen am helllichten Tag eine oder mehrere Schwarzkittel über den Weg gelaufen sind. „Derlei Begegnungen sind grundsätzlich nicht gefährlich“, beruhigt Koch. „Sie jagen aber sicher auch mal einen gehörigen Schrecken ein. Und sie sind vor allem ein deutliches Zeichen, wie eng es in unseren Wäldern zugeht“, so Koch.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich aus

„Schließlich und letztlich kommt es in Fällen einer Überpopulation sehr häufig zum Ausbruch von Krankheiten, die seuchenartig  große Teile eines Tierbestandes dahinraffen“, erklärt Koch. Im Falle des Wildschweinbestandes ist dies die aus den osteuropäischen Ländern herannahende Afrikanische Schweinepest. „Dieser Entwicklung sehen derzeit alle Verantwortlichen in Politik, Landwirtschaft und Jägerkreisen mit großer Sorge entgegen“, berichtet der Förster. Schlimmer als durch eine derart aggressive Virusinfektion könne eine Tierart gar nicht zugrunde gehen“, berichtet Koch erschüttert. Die Übertragbarkeit auf Zuchtschweine und die dann damit verbundenen massenhaften Notschlachtungen verschärften die derzeitige Situation massiv.

Koch plädiert für Drückjagden zur Bekämpfung der Schweinepest

Was wäre nach der Auffassung des städtischen Försters zu tun? Koch hofft, dass die Politik maßvoll reagiert und an die Jäger keine unerfüllbaren Forderungen stellt. So seien aktuelle Forderungen illusorisch, 70 Prozent der Wildschweinpopulation abzuschießen. Um diese Zahl zu erreichen, müssten vorher die Möglichkeiten zur Wildschweinjagd verbessert werden. Dazu zähle beispielsweise die Zulassung von speziellen Nachtsichtgeräten. Hinderlich sei die derzeitige Praxis, direkt im Anschluss an Waldbereiche landwirtschaftlich genutzte Felder zu kultivieren. „Wie soll ein Wildschwein erlegt werden, wenn es unmittelbar nach dem Verlassen des Waldes im Dickicht eines Maisackers verschwinden kann?“, fragt Koch. Hier seien alle Grundbesitzer gefragt, durch Grünlandstreifen und Jagdschneisen zu einer Verbesserung beizutragen. Solche Maßnahmen bringen außerdem den Vorteil mit sich, Lebensräume für die Insektenwelt und verschiedene andere Wildtierarten zu schaffen. 

Außerdem müsse verstärkt auf sogenannte Drückjagden gesetzt werden, findet Koch. „Gemeinsam mit vielen Jägern, Treibern und Jagdhunden können, wie unlängst im Murgtal trefflich bewiesen, hervorragende Erfolge bei der Eindämmung des Wildschweinbestandes erzielt werden“, plädiert Koch für diese Jagdmethode. Der Bestand des Schwarzwilds müsse auf koordinierte und professionelle Weise schnellstmöglich und massiv gesenkt werden. Denn schließlich, so Koch, gehe es darum, eine Epidemie zu verhindern.

Folgen Sie uns auf:


Ansprechpartner für die Presse

Pressestelle Stadt Rastatt

Telefon: 07222 972-1300
oder -1301

E-Mail: pressestelle@rastatt.de