Der „Möglichmacher“: Baurechtsleiter Harald Wiegand geht in den Ruhestand

(21. Dezember 2017) 38 Jahre hat er die Bauvorhaben der Stadt Rastatt begleitet – von der Ansiedlung  des Mercedes-Benz-Werks bis hin zum Rastatter Kino. Er hat unzähligen Rastatterinnen und Rastattern stets pragmatisch und bürgerorientiert ihre Bauvorhaben ermöglicht. Und in knapp vier Jahrzehnten weit über 10.000 Baugenehmigungen unterzeichnet. Nun geht Harald Wiegand, Leiter des Kundenbereichs Baurecht, in den Ruhestand. Als einen „Möglichmacher“ bezeichnete Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch ihn beim offiziellen Abschied. Mit Harald Wiegand gehe einer, der es wie kaum ein anderer verstand, zwischen all den Bauvorschriften und Vorgaben immer machbare Lösungen zu finden, die allen zugutekamen und alle zufriedenstellten, so Pütsch. Zu vermitteln und verschiedene Welten zusammenzubringen, gehörte quasi zu den Grundfesten seines Berufs, denn wie Wiegand selbst sagt: „Baurecht ist zu einem Drittel Technik, zu einem Drittel Verwaltung, und das wichtigste Drittel dazwischen ist die Schnittstelle zwischen beiden. Wenn‘s da nicht funktioniert, geht gar nichts.“ 

Täglich von Bietigheim nach Rastatt geradelt

Zu seinem Ruhestand meint Wiegand: „Jetzt habe ich halt die gesetzliche Altersgrenze erreicht.“ Aber eigentlich sei er ein Typ, der gerne arbeitet. Das hat er wohl von seinem Vater mit auf den Weg bekommen, der noch im hohen Rentenalter seinen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite stand. „Ich habe jedenfalls immer mindestens 100 Prozent gegeben“, erzählt der gebürtige Karlsruher. Fit gehalten hat er sich durchs tägliche Fahrradfahren: morgens von Bietigheim nach Rastatt, „um in den Tag reinzufahren“, und abends wieder zurück, „um den Kopf freizukriegen“, wie er sagt. Denn zum Kopf vollkriegen gab es in vier Jahrzehnten allerlei. 

Der "inoffizielle Stadtbaumeister"

Seit 1980 arbeitete der Ingenieur Wiegand im Kundenbereich Baurecht, damals noch Bauordnungsamt genannt. 1990 wurde er zum Leiter der Behörde. Im Grunde hat der „inoffizielle Stadtbaumeister“ alle Gebäude miterlebt, die in den vergangenen 38 Jahren in Rastatt entstanden sind: das Mercedes-Benz Werk, die BadnerHalle, die Fruchthalle, den Hilberthof, die SchlossGalerie, das Kino. Um nur einige zu nennen. „Durch die Hallen im Mercedes-Benz Werk bin ich etliche Kilometer gelaufen“, berichtet Wiegand. Jeder Plan zum Werk ging über seinen Tisch, jeden Winkel der Räume bis unters Dach hat er gesehen und begutachtet. Und er hat zahlreiche so genannte Brandverhütungsschauen mitgemacht, seine letzte noch in diesem Jahr. Stolz sei er darauf, dass er alle Brandschutzschauen – die sind alle fünf Jahre fällig – pünktlich erledigt hat und „nichts ins neue Jahr mitgenommen wird“.

Mit Know-how und geübtem Auge die Feuerwehr unterstützt

Neben Denkmalschutz und der Begleitung von Bauvorhaben ist gerade der Brandschutz ein ganz wichtiger Tätigkeitsbereich: Die Baurechtsbehörde ist nämlich für den baulichen Brandschutz verantwortlich. Bei der Planung von Gebäuden sind beispielsweise Brandschutzwände oder ausreichend Fluchtwege essenziell. Als Bauverständiger arbeitete Wiegand eng mit der Feuerwehr zusammen. Zuletzt wurde er zum Brand in der Niederwaldstraße Ende November gerufen. Dort konnte er die Feuerwehrleute vor Ort unterstützen und sagen, ob sie den Dachbalken des brennenden Hauses stützen müssen. Sein geübtes Auge und seine langjährige Erfahrung haben schon so manches Mal der Feuerwehr die Arbeit erleichtert.

Ein bisschen Wiegand steckt in vielen großen und kleinen Bauvorhaben in Rastatt

Seine Mitarbeiter, 29 waren es in all den Jahren, bescheinigten ihm zum Abschied in einer ganz persönlichen „Abgeschlossenheitsbescheinigung“ – ein klassisches Dokument im Baurecht – seine pragmatische Devise: Gebaut wird, wo Platz ist, und zwar nach den Bedürfnissen der Bürger! Allerdings war für den Ästheten Wiegand auch immer die Optik wichtig: Denn verunstalten sollen Gebäude ihre Umgebung niemals. Und so steckt ein bisschen Wiegand nicht nur in den vielen großen Bauvorhaben der Stadt, sondern auch in den vielen privaten Bauvorhaben in Rastatt.

Urlaub in der Toskana

Schöne Gebäude besichtigt Wiegand auch gerne in der Toskana, wo er seit 25 Jahren mindestens einmal im Jahr im Urlaub verweilt. Und wo er sich auch angewöhnt hat, täglich einen Espresso zu trinken. Im Ruhestand will er sich nun Zeit nehmen für seine Frau, seine Familie und die Enkelkinder, für Haus und Garten und für ausreichend Bewegung. „Langweilig wird mir sicher nicht“, verrät Wiegand schmunzelnd. Präsent im Baurecht bleibt er vorerst auch: Wiegand sitzt im Gutachterausschuss in Bietigheim. Wahrscheinlich wird er sich, gleich  dem Vater, doch nicht ganz von seiner Arbeit in Rastatt trennen können. OB Pütsch hat ihm nämlich schon vorgeschlagen, doch auch in Rastatt seine Expertise in einem Ausschuss einzubringen. Möglich ist es.

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