Bücher auf Reisen


Immer wieder fragen andere Museen Leihgaben aus Rastatts umfangreichen Beständen an.

Diese Seite ist darum Rastatts Büchern „auf Reisen“ gewidmet:


Welche Rastatter Originale sind wo unterwegs?


Delrio, Martin: Disquisitionum Magicarum Libri sex, in tres Tomos partiti. Mainz: Johannes Albinus, 1603.

Dämonologie und Hexenjagd: Ein Standardwerk

Das Werk des spanischen Jesuiten Martin Delrio (1551 – 1608) gilt als sein Hauptwerk und als Standardwerk der Dämonologie und Hexenverfolgung in dieser Zeit. Die drei Bände erschienen zuerst 1599/1600 in Löwen (Belgien) in den Jahren 1599/60 und erlebten viele Nachdrucke, die hier vorliegende Ausgabe, die drei Jahre später in Mainz (wo sich Delrio auch zeitweilig aufgehalten hat) erschien, fasst die drei Bände zusammen. Damals waren der Glaube an Zauberei, Besessenheit durch Dämonen, Schadenszauber von Hexen und Teufelsaustreibungen als Teil der christlichen Lehre noch sehr weit verbreitet, weshalb das Werk zu einem erfolgreichen Handbuch für die richterliche Verfolgung von Personen avancierte, denen man diese Vergehen vorwarf.  Das Titelblatt zeigt die Plagen nach dem biblischen Buch Mose 2 (Exodus), mit denen Gott die Ägypter bestraft hat. So sollte auch Europa gestraft werden, ginge man nicht gegen die Hexen vor.

Das Buch gehörte zur Bibliothek der Baden-Badener Jesuiten und wurde 1643 in deren Bestand eingegliedert.


Urlaub zuhause: Bücher aus der Historischen Bibliothek im Stadtmuseum Rastatt


Hand in Hand: Humanisten und Drucker am Oberrhein

Viele Humanisten des 16. Jahrhunderts lebten in der Oberrheinregion und wurden in ihrem Bemühen um das antike Erbe von den hier tätigen Druckern unterstützt. Die ausgestellten Bücher zeigen eine Auswahl.

Die Druckermarken, ursprünglich im 15. Jahrhundert als Qualitätssiegel und Rechtsschutzmaßnahme eingeführt, entwickelten sich im 16. Jahrhundert zunehmend auch zum schmückenden Element auf dem Titelblatt. 

Einträge von Benutzern und Vorbesitzern lassen das Interesse sowohl der hier in der Region ansässigen geistlichen Kollegien als auch von Privatpersonen an den antiken Texten erkennen. Sie belegen, dass die Aneignung des antiken Erbes im Zuge des Humanismus noch lange nachwirkte.


Diese Bücher verweilen aktuell im Stadtmuseum:

  • Dasypodius, Petrus: Lexikon Graecolatinum In Usum Iuventutis Graecarum literarum studiosae. Straßburg: Wendelin Rihel, 1539.
  • Signatur: B 70

Der Schweizer Humanist Petrus Dasypodius (1490 – 1559) lehrte unter anderem an der Lateinschule in Straßburg. Das griechisch-lateinische Wörterbuch entstand während dieser Zeit und war für den Schulunterricht in der griechischen Sprache gedacht. Auf dem Titelblatt finden sich zwei handschriftliche Besitzeinträge: Sum Chaspari Fichardi und Collegij Societ[atis] Jesv Badenae 1732.


  • Homerus: Opera graecolatina, quae quidem nunc extant, omnia: hoc est Ilias, Odyssea, Batrachomyomachia, et Hymni praeterea Homeri uita ex Plutarcho … Basel: Nicolaus Brylinger, 1561.
  • Signatur: D* 13 (a)

Der Band enthält alle noch erhaltenen Werke des ersten griechischen Autors in der Originalsprache sowie in lateinischer Übersetzung, daneben die ihm zugeschriebenen Hymnen und eine Homer-Vita von Plutarch. Das Titelblatt schmückt die Druckermarke, die drei Löwen mit einer Sanduhr zeigt, und trägt einen handschriftlichen Besitzeintrag: Me sibi comporavit M. Adamus Schmidt. 


  • Plutarchus: Varia scripta, quae Moralia vulgo dicuntur. Basel: Eusebius Episcopius, 1574.
  • Signatur: D* 24

Der Band enthält eine Auswahl aus Schriften des griechischen Autors Plutarch (1./2. Jh. n.Chr.). Sie behandeln philosophische Themen und Fragen der Ethik und Pädagogik. Im Mittelalter waren diese Texte in Europa weitgehend unbekannt. Erst ab den 1470er Jahren wurden sie nach ihrer Entdeckung und Übersetzung ins Lateinische auch im Westen Europas für die gelehrte Beschäftigung zugänglich. Auf dem Titelblatt hat der Drucker Eusebius Episcopius seine Druckermarke abgebildet.


  • Priscianus: Prisciani Grammatici Caesariensis Libri Omnes. Basel: Nicolaus Brylinger, 1545.
  • Signatur: E 446

Die Gesamtausgabe von Werken des spätantiken Grammatikers Priscian enthält acht seiner Schriften. Am bekanntesten war durch das gesamte Mittelalter hindurch seine Grammatik, die für den Schulunterricht grundlegend war. Das Buch besitzt noch seinen originalen Renaissanceeinband aus dem 16. Jahrhunderts, mit Leder über Holz und verziert mit Streicheisenlinien und Ranken. Eingestempelt ist die Gestalt der Justitia (mit Schriftband), ebenso haben sich Reste der originalen Metallschließen erhalten.


  • Hotman, François: Iustiniani Imperatoris vita u.a. Schriften zum Recht. Straßburg: Josias Rihel, 1556 (Juli).
  • Signatur: M 318

Der französische Jurist Franciscus Hotomanus (1524 – 1590) war ein einflussreicher Rechtswissenschaftler im 16. Jahrhundert in der oberrheinischen Region. Als Professor für römisches Recht in Straßburg veröffentlichte er die Institutionen und Pandekten des spätantiken oströmischen Kaisers Justinian, der auch das Corpus iuris civilis schuf. Schon im Mittelalter als gesetzgebendes Werk rezipiert, hat es später vom 16. Jahrhundert ab bis in die Neuzeit hinein gewirkt. Der handschriftliche Besitzeintrag weist ihn als Besitz des Baden-Badener Jesuitenkollegs aus: Nunc ex emptione Collegij SJ Badenae 1723.


  • Vigelius, Nicolaus: Institutionum Iuris ad usum fori non depravatum accommodatarum libri quatuor. Basel: Johannes Oporinus, 1582.
  • Signatur: M 421

Nicolaus Vigelius (Wiegel, 1529 – 1600) wirkte als Rechtsgelehrter in Hessen und Professor in Marburg. Seine Ausgabe der Institutionen des Justinian war laut Titel für den Gebrauch bei Gericht bestimmt und beruft sich auf die ursprüngliche antike Textgestalt. Zusammen mit einer großen Anzahl von Büchern kam auch dieser Band – wie das Exlibris ausweist – aus dem Bestand des Kollegiatstiftes Baden-Baden im Jahr 1801 in die Bibliothek.

Kontakt

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Bibliothekarin:
Heike Endermann, M.A., Wissenschaftliche Bibliothekarin
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