Bedrohte Biergartenschönheit: Rosskastanie ist Pflanze des Monats September

(4. September 2017) Zur Pflanze des Monats September hat die Umweltstiftung Rastatt die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.) gekürt. Die Rosskastanie ist weit verbreitet und aus Parks und Biergärten kaum wegzudenken. Bei Kindern ist sie allseits beliebt, denn ihre Früchte sind nicht nur schön anzusehen, sondern eignen sich auch hervorragend zum Basteln. Im Herbst begeben sich daher zahlreiche Kinder auf Kastanienjagd. 

Die Rosskastanie ist eigentlich gar keine Kastanie

Anders als ihr Name es vermuten lässt, handelt es sich bei der Rosskastanie nicht um eine Kastanienart, sondern um ein Seifenbaumgewächs. Sie ist daher nah mit dem Ahorn verwandt. Die Bezeichnung „Kastanie“ ist zurückzuführen auf die große Ähnlichkeit der Früchte zu denen der Edel- oder Esskastanie. Im Gegensatz zu diesen ist ihr Verzehr für den Menschen aber nicht empfehlenswert. Der Namensteil „Ross“ kommt vermutlich daher, dass ihre Früchte früher von den Osmanen zur Fütterung ihrer Pferde und als Mittel gegen Pferdehusten eingesetzt wurden.

Viehfutter, Kosmetika und Hilfe gegen Sonnenbrand: Vielfältiger Einsatz der Kastanie

Die Samen der Rosskastanie haben einen hohen Stärkegehalt und werden deswegen als Vieh- und Wildfutter und in Notzeiten zur Mehlherstellung und als Kaffeeersatz verwendet. Benutzt wird die Kastanie außerdem für kosmetische Produkte, Farben, Schäume und bei der Herstellung einiger Medikamente. In der Naturheilkunde finden Inhaltsstoffe von Rinde, Blättern, Blüten und Früchten Verwendung. Man sagt der Kastanie eine durchblutungsfördernde Wirkung nach, Gletschersalben gegen Sonnenbrand enthalten meist Extrakte aus ihren Knospen. 

Die Rosskastanie ist oft in Biergärten anzutreffen

Früher hatten Bierbrauer das Problem, dass sie nur bis in den April hinein brauen konnten, ihr Bier aber das ganze Jahr über frisch halten mussten. Einen tiefen Keller zu graben, war im Isartal wegen des nahen Grundwassers nicht möglich, weshalb die Bierbrauer stattdessen flache, mit Erde überhäufte Keller bauten. Auf diese pflanzten sie zusätzlich Bäume, um die Keller so vor Sonneneinstrahlung und zusätzlicher Wärme zu schützen. Dafür war die Rosskastanie mit ihrer hohen Schattenwirkung bestens geeignet und setzte sich schnell als bevorzugter Baum durch. So begannen die Brauereien, auf ihren Kellern und unter den Kastanienbäumen ihr Bier direkt zum Verkauf anzubieten: Die Biergärten waren geboren. 

Schlimmer Schädling: die Rosskastanienminiermotte 

War die Rosskastanie hierzulande eigentlich wenig bedroht durch Schädlinge, hat einer in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit erregt: die Rosskastanienminiermotte. 

Die Larven der Miniermotte fressen sich während ihrer Entwicklung durch das Blatt, wodurch Gänge entstehen. Bei dieser Minierung trennen die Larven die Blattoberhaut vom restlichen Gewebe, sodass die Wasserversorgung unterbrochen wird und das Blatt an dieser Stelle vertrocknet und sich braun verfärbt. Die Schäden durch die Miniermotte können sogar so stark werden, dass selbst große alte Bäume bereits im August beginnen, ihre Blätter zu verlieren. Das ist derzeit in Rastatt beispielsweise bei den Kastanien am Murgufer zwischen Franz-Brücke und Pagodenburg gut zu beobachten. Darauf reagieren einige der Bäume, indem sie im September wieder austreiben und blühen, wobei die neuen Sprosse nicht mehr winterhart werden und absterben. Die Früchte an stark geschädigten Bäumen sind deutlich kleiner als an gesunden Bäumen von ähnlicher Größe.

In Mitteleuropa bildet die Motte meistens drei aufeinanderfolgende Generationen pro Jahr, bei günstigen Wetterbedingungen auch bis zu fünf. Die Larve verpuppt sich in einem Minengang, heftet ihren Kokon an die untere Blattepidermis an und überwintert in ihrem Kokon, wobei sie darin sogar mehrere Winter verbringen kann. Die Puppen der Miniermotte sind sehr unempfindlich gegenüber Kälte, Trockenheit, Hitze und Nässe. Sie können sogar das  teilweise Verschimmeln ihrer Blätter überstehen. 

Bekämpft wird die Miniermotte am besten im Herbst, wenn sie verpuppt ist. Das ist möglich durch ein Verbrennen der Blätter – was allerdings nicht überall erlaubt ist –, Eingraben oder Schreddern. Durch letzteres können in etwa 80 Prozent der Larven getötet werden. 

Im Stadtgebiet von Rastatt hat der Befall durch die Miniermotte im Vergleich zu früheren Jahren wieder abgenommen und es finden sich wieder einige Bestände, die gar nicht oder nur minimal befallen sind. Auch in den übrigen Bereichen ist die Stärke des Befalls – bis auf wenige Ausnahmen – zurückgegangen. Relativ stark ist der Befall hier noch zum Beispiel entlang der Murg zwischen der Franz-Brücke und Pagodenburg.

Die Stadt Rastatt ist dazu übergegangen, nach Möglichkeit die rotblühende Kastanienselektion zu pflanzen. Diese für die Miniermotte fast überhaupt nicht anfällig, wodurch auch ihrer Verbreitung entgegengewirkt werden kann. Insektizide hat die Stadt zur Bekämpfung des Schädlings noch nie eingesetzt, denn das Vertrauen liegt in der intensiven Räumung des Herbstlaubes und einer natürlichen Regulierung des Aufkommens der Kastanienminiermotte. Die derzeitigen Beobachtungen zum Mottenbefall bestärken dieses Vorgehen. 

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