Auf dem Stand eines Neubaus: Tulla-Gymnasium bekommt nicht nur eine neue Fassade

(25. August 2017) Brandschutz, Barrierefreiheit, Energieeinsparung: Die Anforderungen an ein Schulgebäude wie das Tulla-Gymnasium haben sich in den 51 Jahren seit seiner Einweihung grundlegend verändert. Gerade in den letzten zehn Jahren seien jede Menge Auflagen geändert worden oder neu dazugekommen, berichtet Michael Heid. Der Architekt wacht im Auftrag der Stadt Rastatt über die Sanierung des Tulla-Gymnasiums. Als ehemaliger „Tullaner“ hat er eine besondere Verbindung zum Schulgebäude und freut sich über den Vorher-Nachher-Effekt: „In Sachen Barrierefreiheit, Sanitäranlagen, Dämmung und Brandschutz ist das Tulla nach der Sanierung auf dem Stand eines Neubaus.“

Schon Ende 2016 wurde der Sanitärbereich überholt und barrierefrei gestaltet. Das Treppenhaus wurde mit transparenten Trennwänden zu den Korridoren und brandfesten Wandverkleidungen ausgerüstet. Als wichtigster Fluchtweg im Brandfall ist es damit bestens vor „Verrauchung“ geschützt. Zusätzliche Fluchtwege werden außerdem durch zwei neue Treppentürme an den Schmalseiten des Gebäudes geschaffen. „Bisher hätte im Brandfall die Feuerwehr mit einer Drehleiter anrücken müssen“, erklärt Heid. An der Westseite des Gebäudes wird ein Aufzug errichtet, der das komplette Schulgebäude für Rollstuhlfahrer erschließt.

Nach außen hin sichtbar wird der innere Wandel an der neuen Fassade, dem „Gesicht“ der Schule: Weiße Aluminiumkassetten in rechteckiger Form werden der Fassade eine waagrechte Struktur und eine ansprechende, moderne Optik verleihen, erklärt Heid. In dunklem Grau werden sich davon die neuen Fenster und Jalousien absetzen. Mit Speziallamellen sorgen letztere für angenehme indirekte Beleuchtung oder wahlweise optimale Lichtverhältnisse für den Unterricht am Beamer. Während Fenster, Jalousien und Alu-Verkleidung im laufenden Schulbetrieb installiert werden, mussten die Abbrucharbeiten an der alten Fassade in die Schulferien verlegt werden – zu riskant wäre die Demontage der maroden „Deckschicht“ aus Stahlbetonplatten bei einem vollen Pausenhof. An manchen Ecken bröckelte der Beton bereits, es kam zu riskanten Absplitterungen. Neben der aus heutiger Sicht ungenügenden Isolation ist die altersschwache Betonsubstanz der Hauptgrund für die Generalsanierung der Fassade. Absturzgefährdet waren die Platten aus den 1960ern aber nie, das wurde schon 2009 durch die Entnahme einer einzelnen Platte überprüft. Dass die beauftragte Baufirma Versa aus Worms beim Abbruch der alten Betonplatten kein leichtes Spiel hat, verrät auch eine Fensterscheibe, die beim Abtransport der Platten aus luftiger Höhe mit einem Gabelstapler zu Bruch ging. Einen vorgezogenen Rückbau des ohnehin auszutauschenden Fensters nennt das Heid schmunzelnd und freut sich, dass abgesehen davon alles glatt läuft. Auch die Kommunikation mit Stadt und Schulleitung verlaufe bestens, berichtet Heid.

Bis zum Jahresende 2018 muss die Sanierung abgeschlossen sein. Der straffe Zeitplan hänge mit der Förderung des Bundes für die energetische Sanierung der Fassade zusammen, erklärt Susanne Schwall vom städtischen Hochbau. Die Stadt investiert etwa 2,5 Millionen Euro in die neue Fassade, vom Bund kommen 1,6 Millionen dazu. Bis zu 50 Prozent Energie könnte die neue Fassade einsparen, schätz Heid. Verantwortlich dafür ist die neue Dämmung unter der Aluminiumfront. Die bisherigen fünf Zentimeter Heraklit-Dämmung, im Volksmund als „Sauerkrautplatten“ bekannt, werden im Zuge der Sanierung durch eine gut drei Mal so dicke Dämmschicht aus Mineralwolle ersetzt. Die gesamten Kosten der Generalüberholung belaufen sich auf 6,5 Millionen Euro, von denen 1,75 Millionen für Brandschutz und Barrierefreiheit eingeplant sind. Schwall und Heid sind zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Dass das Tulla damit auch weiterhin „eine attraktive Schule“ bleibt, freut den ehemaligen Schüler natürlich besonders.

Ein Großteil der alten Betonplatten, vorne links im Bild, wurde bereits entfernt. Darunter ist nun die alte Dämmung sichtbar, die ebenfalls ersetzt wird. / Foto: Stadt Rastatt

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