Zum ehemaligen Nationalfeiertag am 11. August: Erstes Exponat für große Weimar-Ausstellung 2018 montiert

(9. August 2017) „Republik Baden“ proklamiert das historische Grenzschild auf der gelb-roten Säule, das seit vergangener Woche den Innenhof des Stadtmuseums ziert. Pünktlich zum 98. Jubiläum des Verfassungstages der Weimarer Republik am Freitag, 11. August, steht damit das erste große Exponat der großen Ausstellung über Rastatts Stadtgeschichte zwischen 1918 und 1933 bereit. Der 11. August war damals deutscher Nationalfeiertag. Im Frühling 2018 plant das Stadtmuseum eine Sonderschau zur Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Mit der Weimarer Republik war 1918 erstmals ein demokratischer deutscher Staat entstanden, der im Jahr 2018 seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte.

Das historische Grenzschild war in dieser Zeit an den Straßen der Landesgrenzen häufig anzutreffen und stand dort bis zum Zusammenschluss mit dem Land Württemberg im Jahr 1952. Heute besitzt das vollständig erhaltene Schild samt Säule und Sockel echten Seltenheitswert. In der Mitte der sogenannten Kartusche prangt das badische Wappen, das seit dem 13. Jahrhundert als Hauswappen der Markgrafen von Baden diente. Aus ihm entstand später das Staatswappen Badens, dem als Schildhalter zwei Greife und eine Krone hinzugefügt wurden. Im Jahr 1918 verschwand die Krone und wurde durch den Schriftzug „Republik Baden“ ersetzt. Warum? Im Zuge der Novemberrevolutionen versagten kriegsmüde Arbeiter und Soldaten im November 1918 den deutschen Monarchen die Gefolgschaft und zwangen diese zum Abdanken. Auch der badische Großherzog verzichtete fortan auf seine Regierungsgewalt, nicht aber auf den Thron. Die neue Volksregierung reif am 14. November 1918 die freie Volksrepublik Baden aus. Baden wurde damit als eines von 17 Ländern Teil der Weimarer Republik. Der badische Landtag, erstmals auch von den Badnerinnen gewählt, beschloss am 21. März 1919 einstimmig die neue badische Verfassung. Am 13. April wurde sie durch eine Volksabstimmung angenommen. Damit gaben sich die Badener als erstes Land in der Weimarer Republik eine eigene Verfassung, als einziges Land wagten sie eine Volksabstimmung.

Auch der neue Staat, die Weimarer Republik, gab sich vor 98 Jahren, am 11. August 1919, eine demokratische Verfassung. Um diesen wichtigen Tag zu würdigen, wurde er von 1921 bis 1932 zum Nationalfeiertag. Seine Bedeutung war allerdings damals wie heute kaum im Bewusstsein verankert. Großen Teilen der Bevölkerung behagte die betont nüchterne Tagesgestaltung nicht. Es fehlten die Repräsentationslust, die Pracht und die Fahnen der Kaiserzeit. Später wurden die Feiern aufwendiger gestaltet, konnten aber den schlechten Ruf des Tages nicht wiederherstellen. Die fehlende Wahrnehmung des Verfassungstags als Nationalfeiertag wurde schließlich durch ein Kuriosum gefördert: Der Nationalfeiertag war, im Unterschied zum 3. Oktober heute, kein reichsweiter Feiertag! Trotz mehrfacher Versuche blieb es den einzelnen Ländern des Reiches überlassen, ihre Bevölkerung an diesem Tag zu „beurlauben“. Baden jedenfalls feierte den 11. August und die neue Demokratie jedes Jahr.

Mitarbeiter der technischen Betriebe stellen das Grenzschild zur „Republik Baden“ auf. / Foto: Stadt Rastatt

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