„Schwitzen statt Sitzen“ und seine Vorgeschichte: Vortrag zur Entwicklung der Häftlingshilfe in Baden am 22. Juni

(16. Juni 2017) Was Baden im 19. Jahrhundert zum „Reformstaat in krimineller Hinsicht“ machte und wie soziale Arbeit mit Häftlingen heute aussieht, erzählt Dr. Karl-Michael Walz am Donnerstag, 22. Juni, im historischen Bibliothekssaal des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums. „Straffälligenhilfe in Baden 1832 bis 2017“ lautet der Titel des Vortrags, der um 19 Uhr beginnt. Besonderes Augenmerk gilt unter anderem den Entwicklungen in Rastatt und Baden-Baden. Dr. Walz ist Vorsitzender des Badischen Landesverbands für soziale Rechtspflege und ehemaliger Direktor des Amtsgerichts Pforzheim. Der Eintritt zum Vortrag ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Kontraproduktiv: Nachholbedarf in Badens Justizvollzug
Eklatante Verhältnisse im Gefängniswesen erregten in den 1830er Jahren ein bis dato ungekanntes Interesse in bürgerlichen, gebildeten Schichten: Ein ungenügender Strafvollzug, überharte und entehrende Strafen sowie soziale Not förderten die Kriminalität und den Rückfall, statt beidem vorzubeugen. Diese ungenügenden Zustände in Baden zu ändern, schrieb sich Carl Joseph Anton Mittermaier auf die Fahne, Rechtsprofessor in Heidelberg und Präsident des Frankfurter Vorparlaments. 1832 gründete er in Baden den Verein zur Besserung der Strafgefangenen und Verbesserung des Schicksals entlassener Häftlinge. Die Vereinsmitglieder diskutierten die Klassifizierung von Gefangenen, ihre Besserung und ihre Besserstellung im Vollzug und verbesserten die Lage der Entlassenen durch Reisegeld, Arbeitsbelohnungen und Kleidung. Öffentliches Unverständnis, herbe Kritik und fehlende Unterstützung erschwerten die Arbeit lange.

Eine Erfolgsgeschichte: Neue Chancen und erarbeitete Haftverkürzung
Dennoch gelangte 1925 der Ministerialrat im badischen Justizministerium Eugen von Jagemann zu der Einschätzung, Baden sei im 19. Jahrhundert zu einem „Reformstaat in krimineller Hinsicht“ geworden. In der Tat nahm Baden inzwischen eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Gefangenen- und Entlassenenfürsorge ein. Dieser Zweig der sozialen Arbeit wurde bis heute stetig weiterentwickelt: Seit nunmehr 185 Jahren kümmert sich der von Mittermaier gegründete Verein um die vielfältigen Belange der Häftlinge und Ehemaligen. Inzwischen fungiert er unter dem Namen „Badischer Landesverband für soziale Rechtspflege“. Anfangs standen vornehmlich Einzelfallhilfen wie die Anschaffung von Kleidern und Handwerkszeug im Vordergrund. Im 20. Jahrhundert wurden stationäre und teilstationäre Einrichtungen geschaffen. Heute bieten der Verband, seine württembergische Schwester und der „Paritätische“ unter dem Motto „Schwitzen statt Sitzen“ der Landesjustiz flächendeckend Unterstützung bei der Ableistung gemeinnütziger Arbeit anstelle von Haft an. Entlassene, die Endstrafe verbüßen, erhalten im Projekt „Chance“ eine resozialisierende Nachsorge, um das sogenannte Entlassungsloch zu bewältigen. Im Eltern-Kind-Projekt werden Familien betreut, bei denen sich ein Elternteil in Haft befindet.

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