Ein Waldvöglein ist Pflanze des Monats Juni

(31. Mai 2017) Zur Pflanze des Monats Juni hat die Umweltstiftung Rastatt das Weiße Waldvöglein gewählt, das auf den botanischen Namen Cephalanthera damasonium hört. Die Pflanze fährt damit schon den zweiten Titel ein, nachdem sie von den Mitgliedern der Arbeitskreise Heimische Orchideen bereits zur Orchidee des Jahres 2017 gekürt wurde. Ihren poetischen Namen verdankt die Orchideenart ihren Blüten, die weit geöffnet an einen Vogel im Flug erinnern. Auch die weiteren Bezeichnungen sind daran angelehnt: Bleiches Waldvöglein und Breitblatt-Waldvöglein.

Selten, aber nicht bedroht: Das Waldvöglein und seine Verwandten

Das 20 bis 30 Zentimeter hohe Weiße Waldvöglein bevorzugt lichten bis dunklen Laub-, Nadel- und Mischwald mit kalkreichem Boden. Im Schwarzwald ist es daher selten anzutreffen, ebenso wenig im Bayerischen Wald oder in Norddeutschland. Besser, aber nicht hoch, sind die Chancen entlang des Rheins: Im Landkreis Rastatt trifft man das Weiße Waldvöglein vereinzelt an Waldwegen. Auch seine nahen Verwandten, das Langblättrige und das Rote Waldvöglein, sind in der Region eher selten. Als offiziell gefährdet gilt die Orchideenart in Baden-Württemberg allerdings nicht. Wie alle heimischen Orchideen ist sie aber besonders geschützt. Obendrein ist die schlanke Pflanze die meiste Zeit des Jahres eher unscheinbar. Erst zwischen Mai und Juni leuchten dem zufälligen Beobachter die hellen weißen oder cremefarbenen Blüten entgegen. Normalerweise sind die Blüten der Orchidee halb geschlossen, erst bei Temperaturen über 25 Grad Celsius öffnet sie diese vollständig. 

Trickreicher Selbstbestäuber und Pilzfreund

Da die Staubbeutel des Weißen Waldvögleins sich auch dann öffnen, wenn die eigentliche Blüte geschlossen ist, kommt es dank zwittriger Blüten ohne Insekten aus und pflanzt sich hauptsächlich durch Selbstbestäubung fort. Die Samen des Bleichen Waldvögleins sind größer als die der meisten anderen einheimischen Waldvögleinarten. Trotzdem enthalten sie keinerlei Nährstoffe für den Pflanzenembryo. Um keimen und wachsen zu können, sind die winzigen Pflanzen deshalb auf eine Mykorrhiza angewiesen, eine Symbiose mit Pilzen. Auch nach dem Keimen ernährt sich das Waldvöglein über eine Pilzsymbiose – so kann es auch an sehr dunklen Standorten überleben. Teilweise stößt man sogar auf komplett chlorophyllfreie, also „bleiche“ Exemplare. Botanisch stellt das Waldvöglein damit eine Mischform dar. Es ernährt sich wie seine bleichen Artgenossen zwar von Pilzen, verzichtet aber in der Regel nicht völlig auf Photosynthese. Wer gerne mit Fremdworten beeindruckt, merkt sich für diese „gemischte Ernährung“ die Bezeichnung partielle Mykoheterotrophie.

Um das Weiße Waldvöglein – hier ein regionales Exemplar am Breitarschweg – zu erhalten, raten die Arbeitskreise Heimische Orchideen zu rücksichtsvoller Waldwirtschaft mit einer maßvollen Durchforstung und dem Erhalt von Altbäumen. / Foto: Stadt R

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