Heimerziehung in Rastatt: Öffentlicher Rundgang zu den früheren Heimen am 8. Juni

(1. Juni 2017) Die ehemaligen Heime im Stadtgebiet sind am Donnerstag, 8. Juni, um 17 Uhr Ziel eines öffentlichen Rundgangs, zu dem das Stadtmuseum einlädt. Die einstündige Führung findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung zur Heimerziehung statt. Patricia Reister ist Kuratorin des lokalen Teils der Ausstellung und führt die Teilnehmer zu den drei ehemaligen Einrichtungen in der Innenstadt. Dabei werden Fragen beantwortet, die sich im Lauf der Zeit wohl viele Rastatter Passanten gestellt haben: Wer waren die Heimkinder und warum lebten sie hinter verschlossenen Türen? Warum bekam man als Kind oft zu hören: „Wenn du nicht artig bist, kommst du da auch hin“? Der Rundgang startet am Stadtmuseum, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen gibt das Stadtmuseum, Telefon 07222 972-8402, E-Mail an museen@rastatt.de. 

Hinter Schloss und Riegel – die kaum bekannte Parallelwelt mitten im Stadtgebiet

Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten sich in der Stadt Rastatt drei Heime: Das Maria-Viktoria-Stift, das Meyer-Margarethen-Mädchenheim und das Friedrich-Luisen-Knabenwaisenhaus. Zwei davon lagen in der Engelstraße, das dritte am Leopoldring. Auch die Vorgängerbauten standen am Kapellenberg und in der heutigen Ottersdorferstraße – also mitten in der Stadt. Bis zur Reform des Heimwesens Anfang der 1970er Jahre führte daher fast jeder Gang an ihnen vorbei. Trotzdem waren die Heime abgeschlossene Bereiche, die fast allen Rastattern fremd und teils suspekt waren. Gerade das Maria-Viktoria-Stift war als Erziehungsheim für die sogenannten „gefallenen Mädchen“ extrem abgeriegelt. Ein Zugang war grundsätzlich nur nach längerem Läuten und bis zur Pforte möglich. Anliegen und Lieferungen konnten nur durch einen Spalt übermittelt werden. Den Alltag hinter den verschlossenen Türen mag man sich kaum vorstellen. Die Heimkinder begegneten vielen Rastattern zwar als Mitschüler in der Volksschule oder bei ihrem sonntäglichen Spaziergang in die Kirche, über ihr Leben wusste man aber wenig.

„Verwahrlost und gefährdet? Heimerziehung im Landkreis und der Stadt Rastatt 1949-1975“ – Ausstellung im Stadtmuseum

Die aktuelle Ausstellung zur Heimerziehung im Landkreis und der Stadt Rastatt ändert das. Im Stadtmuseum zu sehen ist die Kooperation mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Landkreis Rastatt noch bis Sonntag, 8. Oktober. Donnerstag bis Samstag von 12 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Gruppenführungen außerhalb der Öffnungszeiten können beim Stadtmuseum angemeldet werden. Hinweise auf kommende Veranstaltungen unter www.wohin-in-rastatt.de

Ansicht des Maria-Viktoria-Stifts um 1950. / Foto: Stadt Rastatt

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