Teufelszeug oder Segensweg? Vortrag über Pilgerreisen nach Jerusalem im 16. Jahrhundert

(30. Mai 2017) Das Pilgermotto „In Gottes Namen fahren wir“ ist Namensgeber für den nächsten Vortragsabend in der Reihe der Historischen Bibliothek am Donnerstag, 8. Juni. Um 19 Uhr spricht Professor Folker Reichert aus Heidelberg zu „Pilgerreisen nach Jerusalem im 16. Jahrhundert“. Der Eintritt zum Vortrag im historischen Bibliothekssaal des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums in der Lyzeumstraße 11 ist frei. Weitere Informationen erteilt Bibliothekarin Heike Endermann unter Telefon 07222 9728420 oder per E-Mail an historische-bibliothek@rastatt.de.

Das bewegte 16. Jahrhundert brachte nicht nur Neuerungen und Veränderungen in kultureller, wissenschaftlicher und theologischer Hinsicht. So manches reichte als Kontinuität aus dem späten Mittelalter in das „Jahrhundert der frühen Neuzeit“ hinein. Dies gilt auch für das Pilgern: Es gab im späten Mittelalter zwar viele gute Gründe, nicht nach Jerusalem zu reisen. Die Reise war beschwerlich und teuer, ungesund und manchmal sogar lebensgefährlich. Sie führte in ein Krisengebiet, in dem christliche Pilger als Vorboten eines neuen Kreuzzugs betrachtet und keineswegs von jedermann willkommen geheißen wurden. Konflikte mit den Muslimen waren im Heiligen Land die Regel. Man fragt sich also, warum trotzdem so viele Pilger die Heilige Stadt Jerusalem mit eigenen Augen sehen wollten. 

Der Vortrag behandelt die Motive und Erlebnisse der Reisenden und zeigt, dass diese nicht nur geistlich von der Reise profitierten, sondern auch weltlich. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Pilgerfahrt des Pfalzgrafen Ottheinrich im Jahre 1521. Schließlich war Ottheinrich der letzte Reichsfürst, der im Pilgergewand nach Jerusalem reiste. Danach machte sich sowohl der Aufstieg der osmanischen Türken als auch der Einfluss der Reformation bemerkbar. Martin Luther selbst hielt das Pilgern nach Jerusalem für Götzendienst und Teufelszeug. Doch nicht alle Protestanten ließen sich davon abbringen, das Heilige Land zu besuchen. Freilich mussten sie mit besonderen Hindernissen und Schwierigkeiten rechnen. Denn der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken wurde sogar am Heiligen Grab ausgetragen.

Aus dem Jahr 1486 stammt dieses Idealbild der „Heiligen Stadt“.

Folgen Sie uns auf:


Kontakt:

Pressestelle Stadt Rastatt

Telefon: 07222 972-1300
oder -1301

E-Mail: pressestelle@rastatt.de