Die Wilde Karde ist Pflanze des Monats Januar – eine stachelige Schönheit mit dekorativen Fruchtständen

(3. Januar 2017) Zur Pflanze des Monats Januar 2017 hat die Umweltstiftung Rastatt die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) gewählt. Sie ist eine wahrhaft stachelige Schönheit, denn sowohl ihr Stängel als auch ihre Blätter sind mit zahlreichen Stacheln besetzt. Ursprünglich stammt sie wohl aus dem Mittelmeergebiet, ist aber bei uns schon sehr lange heimisch. Sie findet sich an sonnigen Stellen in Unkrautfluren, auf Schuttflächen, an Wegrändern und Dämmen. Die stattliche Pflanze kann bis zu zwei Meter hoch werden. Sie ähnelt optisch der Distel, gehört aber zu den Kardengewächsen. 

Lieblingspflanze von Insekten

Die Wilde Karde ist eine zweijährige Pflanze. Sie bildet im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette. Erst im zweiten Jahr erscheinen der Stängel und die stacheligen, eiförmigen Blütenköpfchen. Die Blütezeit ist von Juni bis August. Die Blüten sind bläulich oder lila, in seltenen Fällen auch weiß. Sie öffnen sich zuerst in der Mitte und bilden einen Kranz. Der Bereich der geöffneten Blüten wandert gleichmäßig sowohl nach oben als auch nach unten. Dadurch entstehen zwei Ringe offener Blüten. Die Blüten werden von zahlreichen Insekten besucht, aber lediglich Insekten mit langem Rüssel, beispielsweise Hummeln, Schmetterlinge oder Schwebfliegen, gelangen an den süßen Nektar der Pflanze. 

Der Fruchtstand der Karde – ein Kunstwerk der Natur 

Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab. Der abgestorbene Stängel mit dem Fruchtstand bleibt den ganzen Winter bis zum nächsten Frühjahr stehen. Der Raureif macht im Winter aus dem Fruchtstand der Karde ein Kunstwerk der Natur. 

Auch getrocknet finden die dekorativen Blütenstände der Wilden Karde Verwendung, beispielsweise in Gestecken oder Trockensträußen. 

Schönheitselixier und Durstlöscher für Wanderer

Die Stängelblätter der Karde sind an ihrer Basis paarweise miteinander verwachsen, sodass sich um den Stängel herum eine Mulde bildet. Bei Regen füllen sich diese kleinen Wassersammelbecken. Hier können sich Vögel und Insekten mit Wasser versorgen. Im Mittelalter soll dieses Wasser auch für kosmetische Zwecke als Schönheitswasser verwendet worden sein. Auch sagt man, ihr Wasservorrat könne von vorbeikommenden Wanderern genutzt werden, um ihren Durst zu stillen. 

Die Wilde Karde – eine Nutzpflanze

Die Wilde Karde ist eine Nutzpflanze. Ihre borstigen, getrockneten Blütenköpfe dienten früher dazu, Wolle vor dem Spinnen zu kämmen und Wollstoffe aufzurauen. Heute erledigen das Maschinen. Hauptsächlich wurde dafür aber die Weber-Karde (Dipsacus sativus) verwendet, die eigens dafür angebaut wurde. Die Borsten ihrer Blütenköpfe sind kürzer, steifer und an der Spitze umgebogen – alles günstige Eigenschaften für ihre Verwendung bei der Wollbearbeitung. Vermutlich ist die Weber-Karde durch menschliche Selektion direkt aus der Wilden Karde oder einer nahe verwandten Art entstanden.

Dekorativ im Sommer und im Winter – die Wilde Karde / Fotos: Stadt Rastatt.
Dekorativ im Sommer und im Winter – die Wilde Karde / Fotos: Stadt Rastatt.

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