300 Jahre Historische Bibliothek Rastatt: Sonderausstellung visualisiert die Babyjahre des Buchdrucks

Wenn zwei ihre Leidenschaft für historische Bücher teilen, dann… entsteht eine ebenso faszinierende wie fundierte Sonderausstellung über „Inkunabeln und frühe Drucke in der Historischen Bibliothek“ im historischen Bibliothekssaal des LWG. Zum 300. Geburtstag der Historischen Bibliothek haben sich die wissenschaftliche Bibliothekarin Heike Endermann und der Lehrstuhlinhaber für Spätmittelalter und Frühe Neuzeit an der Uni Mannheim, Professor Doktor Hiram Kümper, zusammengetan und arbeiten mit Hochdruck an der für Ende September geplanten Ausstellung. 

Heike Endermann und Professor Hiram Kümper freuen sich schon auf die Sonderausstellung in der Historischen Bibliothek.

Was von 1450 bis zur Marktfähigkeit des Buchdrucks passierte

Wir thematisieren in der Ausstellung die ersten 50 Jahre nach Gutenberg, quasi die „Babyjahre des Buchdrucks“, erklärt Kümper. Damals entstand ein ganz neues Medium, und man musste erst noch herausfinden, wie Buchdruck funktioniert und was man damit machen kann“, so der Historiker weiter. Inkunabeln sind die frühesten Druckwerke im Bestand der Historischen Bibliothek. Sie entstanden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg und reichen in ihrem Entstehungsdatum bis ins Jahr 1500. „In diesen frühen Druckwerken erkennt man ganz gut, dass mit der neuen Technik zunächst noch die übliche Handschrift kopiert wurde. Erst später entstand das, was wir heute als Bücher kennen“, erklärt der Professor. Und so zeigt die Ausstellung, wie sich dieses neue Medium ausbreitete und was von 1450 bis zur „Marktfähigkeit des Buchdrucks“ passierte – nicht nur anhand ausgewählter Ausstellungsstücke, von denen es in der Historischen Bibliothek reichlich gibt. Auch eine Karte soll diese Entwicklung, diese Medienrevolution, visualisieren. Herzstück werden einzelne regionale Schwerpunkte sein: die großen Buchdruckereien am Oberrhein und in Südwestdeutschland.

Einzigartige Inkunabel-Sammlung in der Historischen Bibliothek

Rund 160 Inkunabeln beherbergt die Historische Bibliothek. „Dass wir diesen großen Komplex anhand des Bestandes der Historischen Bibliothek zeigen können, ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt Kümper und betont die Einzigartigkeit der Rastatter Schulbibliothek. Unter Wissenschaftlern ist die Historische Bibliothek für ihre außergewöhnliche Sammlung von Inkunabeln sehr geschätzt und bekannt. 

Eine beeindruckende Sammlung historischer Bücher hütet die Historische Bibliothek.

Richtig intensiv laufen die Vorbereitungen für die Ausstellung erst seit den letzten Monaten: Nach längerem Sondieren haben Kümper und Endermann das Konzept festgezurrt und machen sich nun an die Auswahl einzelner Exemplare aus der Historischen Bibliothek.  

"Wenn man ein altes Buch in die Hand nimmt, springt der Wert des Buches regelrecht über"

Bisher wurden die Inkunabeln in der Historischen Bibliothek noch nie in Gänze gezeigt. Endermann hatte aber schon einzelne Bücher vorgestellt, beispielsweise in ihrer neuen Reihe „Nach der Arbeit in die Bibliothek – Historische Bücher aus der Nähe betrachtet“, die sie seit gut einem Jahr regelmäßig anbietet. „Ich wollte damit einen neuen Weg einschlagen und Interessierten die Möglichkeit geben, so ein altes, wertvolles Buch mal in die Hand zu nehmen. Natürlich mit Handschuhen und ganz vorsichtig, aber der haptische Eindruck und der Geruch schaffen eine ganz andere Beziehung zwischen Besuchern und Büchern“, so die wissenschaftliche Bibliothekarin. „Da springt der Wert des Buches schon über“, berichtet sie. Die Bibliotheksreihe spreche eher einen kleinen Kreis an, aber mittlerweile habe sich ein fester Stamm gebildet. „So kann ich gut auf die Wünsche der Besucher eingehen“, erklärt Endermann. Sie arbeitet seit 2007 in der Historischen Bibliothek und ist als wissenschaftliche Bibliothekarin jemand, der mit den Beständen auch arbeiten und sie nicht nur verwahren kann. So gibt sie auch einmal monatlich öffentliche Führungen. Größere Ausstellungen wird es künftig wohl nur noch in Ausnahmefällen geben. „Denn dafür brauche ich externe Zuarbeit. Das ist alleine nicht zu schaffen“, erklärt sie. Daher hatte sie auch bei Professor Kümper angeklopft, um die neue Sonderausstellung auf den Weg zu bringen. 

Regelmäßige öffentliche Führungen und Bibliotheksabende in der Historischen Bibliothek

Die beiden werden nun weiter an der Ausstellung schrauben und auch ein kleines Begleitprogramm auf die Beine stellen: Führungen, Vorträge und eventuell ein Seminar mit der Uni Mannheim sind geplant. Bis dahin freut sich Heike Endermann über Besucherinnen und Besucher im Refektorium des LWG. Zum Beispiel beim nächsten Bibliotheksabend. Oder bei der nächsten öffentlichen Führung durch die Historische Bibliothek. Denn den persönlichen Kontakt zu den Besuchern schätzt sie sehr. „Es ist immer schön, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen über die vielen schönen und spannenden Aspekte, die historische Bücher und die historische Bibliothek zu bieten haben“, freut sie sich.

Übrigens: Das ganz genaue Gründungsdatum der Historischen Bibliothek ist nicht bekannt. Allerdings wird die „Bibliotheca Rastadiensis“ erstmals im Jahr 1716 in einem Bucheintrag der Piaristen genannt. 

Daneben sind aber auch einige museale Objekte in der Historischen Bibliothek zu bestaunen / Alle Fotos: Stadt Rastatt.