Stadtmuseum Rastatt

Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland / 'Schrecks Anstalt' Die Pflegeanstalt Rastatt im ehemaligen Festungslazarett 1934-1940


Foto: Matthias Hoffmann

An der ehemaligen psychiatrischen Pflegeanstalt Rastatt in der Lützowerstraße 10 erinnern seit kurzem zwei Gedenktafeln an die rund 500 Patienten, die 1940 von den Nationalsozialisten ermordet wurden. In Anwesenheit der Ministerin im Staatsministerium Silke Krebs und OB Hans Jürgen Pütsch wurden sie Anfang September feierlich eingeweiht. Das Stadtmuseum Rastatt zeigt aus diesem Anlass von 20. September bis 13. Oktober 2013 die Ausstellung „Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland / 'Schrecks Anstalt' - Die Pflegeanstalt Rastatt im ehemaligen Festungslazarett 1934-1940“. Sie soll Interessierten nochmals das Thema im Überblick und mit dem speziellen Bezug zu den Rastatter Ereignissen präsentieren, so die städtische Pressestelle in einer Pressemitteilung.

Die von der Gedenkstätte Grafeneck konzipierte und entliehene Wanderausstellung "NS-Euthanasie: Geschichte und Erinnerung" dokumentiert die von den Nationalsozialisten im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ verübten Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf Grafeneck als Tötungsanstalt in den Jahren 1939 bis 1941. Thematisiert werden neben der historischen Bedeutung Grafenecks insbesondere die Morde des Jahres 1940, wobei sowohl deren Opfern als auch den damaligen Tätern Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Foto: Matthias Hoffmann

Um den lokalen Bezug zur Pflegeanstalt Rastatt herzustellen, wird die Wanderausstellung durch Schwarz-Weiß-Fotografien von Matthias Hoffmann aus dem Jahre 1993 ergänzt, die das Gebäude vor seiner Renovierung dokumentieren und somit den Bezug auf die von 1934 bis 1940 bestehende Rastatter Pflegeanstalt unter Leitung von Arthur Schreck nehmen.

Eine Auswahl an Entwurfszeichnungen von Henning Schwarz stellt den aktuellen Bezug zu den jüngst angebrachten Gedenktafeln am heutigen Zentralen Fundarchiv des Landes Baden-Württemberg her. Der Rastatter Künstler und Bildhauer hat die zwei Gedenktafeln entworfen, die links und rechts des früheren Haupteingangs der Pflegeanstalt angebracht wurden. Am Sonntag, 22. September 2013, 11 Uhr, haben Interessierte die Gelegenheit, in der Ausstellung mit Henning Schwarz über das Denkmalsprojekt zu sprechen.

Die im ehemaligen Garnisonslazarett der Bundesfestung Rastatt untergebrachte Einrichtung übernahm 1934 etwa 600 Patienten aus anderen badischen Anstalten, die „verwahrt“, aber nicht mehr „therapiert“ werden sollten. In Zusammenhang mit der Durchführung der „Aktion T4“ wurden jedoch bereits Anfang September 1939, wenige Tage nach Kriegsbeginn, alle Rastatter Patienten in die Heil- und Pflegeanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurden die Betroffenen in der ersten Hälfte des Jahres 1940 nach Grafeneck verbracht, wo schließlich über 480 Rastatter Patienten in den Gaskammern der Anstalt ermordet wurden.

Das Stadtmuseum Rastatt ist Donnerstag bis Samstag, von 12 bis 17 Uhr, und an Sonn- und Feiertagen, von 11 bis 17 Uhr, geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 1 Euro. Weitere Informationen sind im Stadtmuseum, Telefon 07222 / 972-8400, E-Mail: museen@rastatt.de, erhältlich.


Kontakt

Stadtmuseum Rastatt
Im Vogelschen Haus
Herrenstraße 11
76437 Rastatt
Telefon 07222 / 972-8400
E-Mail: museen@rastatt.de

Öffnungszeiten

Donnerstag bis Samstag
12-17 Uhr
Sonntag und an Feiertagen
11-17 Uhr

Gruppenführungen nach Vereinbarung

Eintrittspreise

Erwachsene 3 Euro, ermäßigt 1 Euro
Freier Eintritt mit Museumspass

Mitglied im Verein Museums-Pass-Musées www.museumspass.com