„Sie machen die Welt für Flüchtlinge heller und freundlicher!“: OB Pütsch bedankte sich bei ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern

Sie unterrichten Deutsch, helfen bei Hausaufgaben, begleiten zu Ämtern und Ärzten, unterstützen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche oder organisieren Möbel und Kleidung. Oder, wie es Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch ausdrückte: „Sie machen die Welt für Flüchtlinge heller und freundlicher!“ Die Rede ist von den rund 170 ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern, die der Oberbürgermeister am 29. Juni zu einem Empfang im Historischen Rathaus eingeladen hatte - als kleines Dankeschön für ihr großes Engagement in der Betreuung und Begleitung von Flüchtlingen in Rastatt. Und gekommen waren sie zahlreich. Bei bester Stimmung, familiärer Atmosphäre und herrlicher musikalischer Begleitung von den „Vielharmonikern“ der Städtischen Musikschule Rastatt genossen die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer den Abend, plauderten und berichteten von ihren Erfahrungen.  

Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch bedankt sich herzlich mit einem kleinen Empfang für das große Engagement der ehrenamtlichen Helfer.
Für beste musikalische Unterhaltung sorgten die „Vielharmoniker“ der Städtischen Musikschule Rastatt.

Derzeit gibt es in den sechs Gemeinschaftsunterkünften in Rastatt 26 ehrenamtliche Arbeitsgruppen (AG) mit einer großen Bandbreite an Hilfsangeboten von Deutschunterricht und Hausaufgabenbetreuung, über Begrüßungs- und Begleitungsgruppen, Treffpunkten wie dem Café Welcome und Sport und Freizeitaktivitäten hin zu Kinderbetreuung oder Unterstützung bei der Wohnungssuche. Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind vielfältig.

Man kennt sich: Familiäre Atmosphäre beim Empfang für Ehrenamtliche.

Ehrenamtliche Arbeitsgruppe Kleiderkammer um Andrea Flackus: „Wir sind ganz gut im Beschaffen von Sachen“

Die AG „Kleiderkammer“ hat sich um Krankenschwester Andrea Flackus gebildet. Schon seit mindestens zwei Jahren engagiert sie sich in der Flüchtlingshilfe und ist seither „mit Herz und Seele“ dabei, wie sie sagt. Berührungsängste kannte sie nie, und so schnappte sie sich die ein oder andere Freundin oder Bekannte und mobilisierte immer mehr Helfer. „Das Eis ist ganz schnell gebrochen, sobald man ins Gespräch kommt“, erklärt sie. Warum die Kleiderkammer? „Ganz einfach: Wir sind ganz gut im Sachen beschaffen“, erzählt sie schmunzelnd. Dabei organisiert sie viel mehr als nur Kleidung. Wenn wir zum Beispiel einen Kinderwagen brauchen, kriegen wir den auch irgendwie“, so Andrea Flackus. Dabei treffe sie aber auch auf sehr viel Hilfsbereitschaft. Und viele denken schon an sie, wenn sie umziehen und Möbel oder Kleidung übrig haben. Bisher habe sie nur schöne Erfahrungen gesammelt. Ihr Tipp: „Am Anfang neigt man zum Idealismus. Aber der kippt schnell in die Realität und man merkt: Wir sind alle auf Augenhöhe, wir sind alle nur Menschen. Und auf Augenhöhe läuft alles viel einfacher.“

Die AG Kleiderkammer um Andrea Flackus (vorne links im Bild)

Deutschunterricht mit Gerhard Müller

Gerhard Müller und seine Frau Doris sind auch schon seit gut 1,5 Jahren dabei. Für Gerhard Müller von der Gesellschaft für Deutsche Sprache war es „fachlich und von der Materie her keine Frage, Deutsch zu lehren.“ In seinem Deutschkurs sitzen ganz unterschiedliche Menschen, von der jesidischen Hausfrau bis zur syrischen Apothekerin. „Das Niveau ist ganz unterschiedlich. Manche sprechen schon ganz gut Deutsch oder lernen schnell, andere haben so ihre Schwierigkeiten mit dem Kurstempo. Hier würde ich mir wünschen, dass das Lehrmaterial besser an das Lernniveau angepasst wäre und der Unterricht differenzierter gestaltet werden könnte“, merkt Gerhard Müller an. So unterschiedlich die Sprachkenntnisse auch sind, eins haben alle Schüler gemeinsam: Solidarität. „Die Menschen unterstützen sich gegenseitig. Sie sind so lernwillig und diszipliniert, dass es für jeden Dozenten einfach eine große Freude ist, ihnen etwas beizubringen“, schwärmt er. „Man macht so viele positive Erfahrungen.“ Und so hilft er neben dem Deutschunterricht auch im Alltag. Zum Beispiel begleitet er Flüchtlinge zu Ämtern und unterstützt dabei, Formulare auszufüllen. Seit Dezember 2014 ist er auch regelmäßig beim Café Welcome in der Alten Bahnhofstraße, wo sich schon eine kleine eingeschworene Gemeinschaft gebildet hat. 

Gerhard Müller (links im Bild) beim Café Welcome in der Alten Bahnhofstraße.

„Treffen für Muslimische Frauen“

Unter dem Namen „Treffen für Muslimische Frauen“ firmiert die Arbeitsgruppe von insgesamt neun Frauen von Mili Görüs. „Wir dachten uns: Die Frauen, die hier bei uns ankommen, müssen einfach mal rauskommen und sich auch mit anderen unterhalten“, erklärt Nazli Akpinar die Intention der Gruppe. Beim Reden allein ist es aber nicht geblieben: „Wir basteln, kochen, helfen bei der Wohnungssuche, organisieren Teppiche und und und, so Nazli Akpinar weiter. „Am Anfang waren wir nur in der Lyzeumstraße aktiv, aber mittlerweile helfen wir überall“, erzählt Züleyha Demir. „Wir sind schon richtig bekannt“, freut sie sich mit ihren Kolleginnen. „Und es macht uns allen riesigen Spaß!“

Die AG „Treffen für Muslimische Frauen“ (ganz links: Nazli Akpinar /  ganz rechts: Züleyha Demir)

Heimleiterin Eva-Maria Helmer: „Die Unterstützung klappt ganz wunderbar“

Eva-Maria Helmer ist die Heimleiterin der Gemeinschaftsunterkunft in der Lyzeumstraße. Und so kennt sie nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch das Ehrenamts-Team in der Lyzeumstraße – und ist rundum begeistert von den Menschen: „Sowohl die Flüchtlinge als auch die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer sind so hilfsbereit und aktiv“, berichtet sie. Egal ob bei Deutschkursen, in der Hausaufgabenbetreuung oder in der Fahrradwerkstatt: „Die Unterstützung klappt ganz wunderbar“, weiß sie. Und so macht sie ihren Job „einfach gerne und mit viel Herzblut“.

Heimleiterin Eva-Maria Helmer (vorne rechts im Bild) kann sich auf ein starkes Team verlassen.

Kontakt:

Koordination der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit

Petra Heinisch-Hildenbrand
Kaiserstraße 48
Zimmer 3.21
Tel. 07222 972-1030
Fax 07222 972-1039
petra.heinisch-hildenbrand@rastatt.de 

N.N.
Kaiserstraße 48
Zimmer 3.22
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