Die 1990er Jahre aus der Sammlung Rastatt und der Sammlung Westermann


Die 1990er Jahre - Kunst in Baden am Ende des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung Rastatt und der Sammlung Westermann mit einer "Erkundung der Welt" von Günther Karcher und "Bildfindungen" von Walter Schiementz

15. 5. -  5.10. 2014

Das Fin de siècle des 20. Jahrhunderts bildet eine 12-Jahres-Dekade und als solche einen in sich geschlossenen, vollkommenen Zyklus. Er beginnt euphorisch mit dem Fall der Mauer im Herbst 1989 und endet tragisch mit dem Terroranschlag auf die Twin-Towers von New York am 11. September 2001. Dazwischen folgen nicht nur Licht und Schatten, Zerfall und Aufbruch, Vision und Illusion schlagartig aufeinander, sondern die Gegensätze stehen dicht zusammen wie die Dioskuren-Zwillinge Castor und Pollux. In der damit verbundenen Wechselspannung siedelte die Generation X mit Love-Parade und Techno-Sound, während das Phänomen der Globalisierung neue Horizonte in Aussicht stellte, aber auch erste Schatten voraus warf. Zugleich wechselte die allgemeine Gemütslage laufend zwischen Weltuntergangsstimmung und wandlungsoffener Begeisterung. Der Tanz auf dem erloschenen Vulkan des Kalten Krieges sprang fortwährend hin und her zwischen elegischem Tango, verursacht durch die Implosionskriege, die der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus nach sich zog, und euphorischen Stepp-Einlagen, die die Gründerjahre der New Economy, die Privatisierungstendenzen des neoliberalen Kapitalismus und die Heraufkunft des digitalen Zeitalters auslösten.

In der bildenden Kunst wirkt sich das Jahrzehnt mit seinen Auf- und Abbrüchen durch eine weitere Zunahme der Diversifizierung in Einzelpositionen aus. Die individuelle Ausrichtung gewinnt mehr und mehr Oberhand über die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Richtungen. Auch wenn nach wie vor eine formale Orientierung an bestehenden Konzepten stattfindet, lösen sich die Sichtweisen und Umsetzungen von geläufigen Kontexten ab und bilden ganz persönlich geprägte Formate aus. Diese Tendenz lässt sich sowohl deutschlandweit als auch in der Kunst des Südwestens erkennen, wie sie in der Sammlung Rastatt und der Sammlung Westermann repräsentiert ist.

Die Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt greift die Thematik des Jahrzehnts in einem Überblick auf. Die Ausstellung zeigt in mehr als 50 Exponaten aus den Sammlungsbeständen ein breites Spektrum an künstlerischen Behauptungen der oben beschriebenen Art, in denen deutlich wird, dass die Tendenz zur Individualisierung einen Gegenstrom zur egalitären Uniformität der heraufziehenden Globalisierung bildet. Zu den ausgestellten Künstlerinnen und Künstlern gehören so namhafte Persönlichkeiten wie Alfonso Hüppi, Lothar Quinte, Wolf Pehlke, Armin Göhringer, Sabine Funke, Stephan Balkenhol, Renate Koch, Vera Röhm, AGNESS, Hildegard Fuhrer, Karl Heinz Bux, Johanna Helbling-Felix u.v.a.

In die Ausstellung integriert sind zwei Sonderschauen von in Rastatt ansässigen Künstlern, die in diesem Jahr besondere Geburtstage feiern. Im Mezzaninbereich präsentiert Günther Karcher, Jahrgang 1949, unter dem Titel „Die Erkundung der Welt“ aktuelle Arbeiten aus jüngster Produktion, darunter auch ein experimenteller Kurzfilm von 2012. Gezeigt werden allerdings keine Reiseskizzen, sondern frei gestaltete, quasi-abstrakte Arbeiten, die aus innerer Rückschau auf die vormals bereisten Orte und Gegenden entstanden sind. Sie sind keine Nachahmungen des jeweils vor Ort Wahrgenommenen, sondern Nachempfindungen eindrücklicher Erlebniswerte von Natur und Kultur, wie sie sich in Günther Karchers Erinnerung eingelagert haben.

Im Erdgeschoss stellt Walter Schiementz, Jahrgang 1934, seine neuesten „Bildfindungen“ vor, die durch ihre lineare Durchgestaltung eine stark narrative Note aufweisen. Thema ist die fiktive Landschaft, in die Schiementz menschleere Hütten als Rückzugs- und Verweilorte für den Betrachter einbaut und ihnen dabei eine numinose Qualität im Bildgefüge einräumt. Indem sie mit den Augen durchwandert werden, entfalten die „behausten Landschaften“ Szenarien, die an Traumsequenzen oder Märchenkulissen erinnern.

Begleitprogramm

Führung zu den Exponaten der Sammlung Westermann, 13.9., 15 Uhr

Sammler Günter Westermann informiert über Entstehung und Hintergründe der gezeigten Objektboxen

Lesung, 3.10., 15 Uhr

Gedichte der 1990er Jahre – Peter Hank liest Fremdes und Eigenes

 

Kontakt

Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
Kaiserstraße 48
76437 Rastatt

Galerieleitung
Peter Hank, M.A.

Tel. 07222 972-8410
Fax 07222 972-7009
Mobil: 0177 1891886
E-Mail: peter.hank@rastatt.de

Infothek
, Tel. 07222 972-8411

Öffnungszeiten

Donnerstag bis Samstag
12-17 Uhr
Sonntag und an Feiertagen
11-17 Uhr

Gruppenführungen nach Vereinbarung

Kunstdidaktisches Programm auf Anfrage

Terminvereinbarung unter
07222 972-8410
(Mi - Fr 10-17 Uhr)