Aktuelle Ausstellungen


„Framing“ von Irene von Neuendorff

Von 3. Februar bis 6. Mai 2012:

Eine besondere Variante der Konzeptkunst zeigt die Städtische Galerie Fruchthalle in ihrer diesjährigen Frühjahrssausstellung: „Framing“ - Irene von Neuendorff. Malerei. Zeichnung. Objekte“.

Irene von Neuendorff, aus dem Modul VANITAS, 2009.

Das englische Verb „to frame“, das viele, teilweise widersprüchliche Bedeutungen hat – formulieren, sich bilden, jemanden hereinlegen - bildet die Klammer, das verbindende Element, das die unterschiedlichen Werkgruppen, die in der Ausstellung gezeigt werden, zusammenfügt und aufeinander bezieht. Es handelt sich um Exponate, die einen zweiten Blick erfordern. Nichts erschließt sich im Vorbeigehen.

So handelt es sich zum Beispiel bei den Porträts aus dem Werkzyklus „Das Hitler-Projekt“ größtenteils um Montagen, bei denen die Körperteile verschiedener Modelle zu einem neuen Ganzen zusammengefügt werden. In diesem Zusammenhang gewinnt der von Hannah Arendt geprägte Begriff der „Banalität des Bösen“ eine neue Virulenz. Jean Paul Sartre äußert sich in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ folgendermaßen: „Was einem Menschen durch andere Menschen zustößt und durch ihn selbst zustößt, kann nur menschlich sein.“ Sein Landsmann und Kollege Jules Romains äußert sich sogar noch deutlicher: Es gäbe keine unschuldigen Opfer. Das Böse wird verstanden als Teil der menschlichen Natur. Die Künstlerin selbst äußerte sich einmal in einer Ausstellung: „Wir sind nur aus Mangel an Gelegenheit gut“. In diesem Sinne ist die Werkgruppe „Täteropfer – Opfertäter“ zu verstehen.

Die mit kostbarem Meißner Porzellandekor versehenen Objekte aus der Serie „Vanitas! Vantitatum Vanitas“ offenbaren sich bei näherem Hinsehen als Tierschädel; der Schädel als klassisches, hier in seiner Echtheit brutal erscheinendes Vanitas-Symbol.

Irene von Neuendorff, KANTS KRÄHEN, 2011 (Ausschnitt).

Die Künstlerin bezeichnet sich selbst als „Anverwandler“: Sie sammelt, recherchiert, kombiniert und präsentiert Gewohntes und inflationär Gebrauchtes neu und verleiht ihm dadurch eine neue beunruhigende Wirkung und Bedeutung. Teilweise sind die Eingriffe so minimal, dass sie – wie zum Beispiel bei den Tierpräparaten, die in Zusammenarbeit mit dem Berliner Taxidermisten Stephan Klaue entstanden sind – zunächst nicht bemerkt werden.

Das zwischen 1999 und 2005 entstandene „Hitler-Projekt“ zeigt eine noch eindeutige politische Stoßrichtung. Die danach folgenden Werkkomplexe werfen auf subtilere Art anthropologische, soziologische und philosophische Fragestellungen auf. Dennoch bleibt die Frage: Ist denn nicht alles politisch?

Politik ist „jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen.“ Braucht man heute überhaupt in Zeiten medialer Übersättigung und mannigfaltigen „Erziehungsversuchen“ politische Kunst? Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass das Bedürfnis nach Vermittlungsinstrumenten mit verbindlicher Position wachse – auch im Bereich der Kunst, zumal in Zeiten politischer Krisen und gesellschaftlicher Verunsicherung des „Anything goes“.

Irene von Neuendorff spielt auf diesem Instrument nicht nur mit den traditionellen Mitteln der Zeichnung und Malerei, sondern mit den Darstellungsmöglichkeiten der Installation, wobei nicht nur das Objekt selbst, sondern auch deren Kombination und Präsentation von Bedeutung sind.

Die Ausstellung „Framing“ kann zu den neuen Öffnungszeiten der Städtischen Galerie Fruchthalle besichtigt werden: Donnerstag bis Samstag von 12 Uhr bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 Uhr bis 17 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Kontakt

Städtische Galerie Fruchthalle Rastatt
Kaiserstraße 48
76437 Rastatt

Galerieleitung
Peter Hank, M.A.

Tel. 07222 972-8410
Fax 07222 972-7009
Mobil: 0177 1891886
E-Mail: peter.hank@rastatt.de

Infothek
, Tel. 07222 972-8411

Öffnungszeiten

Donnerstag bis Samstag
12-17 Uhr
Sonntag und an Feiertagen
11-17 Uhr

Gruppenführungen nach Vereinbarung

Kunstdidaktisches Programm auf Anfrage

Terminvereinbarung unter
07222 972-8410
(Mi - Fr 10-17 Uhr)