Stadtgeschichte


Von der Bronzezeit bis ins 16. Jahrhundert

Die Besiedlung der Gemarkung Rastatt reicht bis in die Bronzezeit zurück. Der verkehrsgünstig an einem bedeutenden Flussübergang gelegene Ort Rasteten wurde erstmals Ende des 11. Jahrhunderts erwähnt. 

König Ruprecht verlieh dem Ort 1404 Marktrechte. Der Markt entwickelte sich zu einem bevorzugten Handelsplatz für Elsässer Wein. Daher führt die Stadt Rastatt die Weinleiter im Wappen

Der Pfälzische Erbfolgekrieg 1689 zerstörte den Marktflecken vollkommen. Es folgte der Wiederaufbau der Stadt als neue Residenz und Modellstadt des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden.

Rastatt im 17. und 18. Jahrhundert

Leicht erhöht liegt die imposante Anlage des Residenzschlosses Rastatt über der Stadt. Hoch oben auf dem Dach leuchtet die goldene Figur des Jupiters, im Volksmund der „Goldene Mann“ genannt. Sie symbolisiert den Erbauer des Schlosses: Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, der von 1677 bis 1707 regierte. Als erster der Fürsten am Oberrhein hatte er im Jahr 1700 entschieden, statt seines schon begonnenen Jagdschlosses eine moderne barocke Residenz zu bauen. 

Das Schloss ist eines der frühesten deutschen Beispiele für die Nachahmung des Systems von Versailles. Die Verherrlichung des Landesherrn durch Architektur, Malerei und Stuck ist hier besonders gut nachvollziehbar. Seine militärischen Verdienste stellte der Markgraf im Schloss zur Schau – als kaiserlicher Feldherr war er im Großen Türkenkrieg erfolgreich gewesen und hatte so den Beinamen „Türkenlouis“ erhalten. 1705 zog die Familie in einen Seitenflügel des Schlosses ein – doch der Markgraf konnte seine neue Residenz kaum genießen.

Ludwig Wilhelm starb im Januar 1707. Nun herrschte seine Ehefrau Sibylla Augusta über das Land – zwanzig Jahre lang als Regentin anstelle des noch unmündigen Sohnes Ludwig Georg. Sibylla Augusta vollendete die Inneneinrichtung des Schlosses und ergänzte die Residenz durch weitere Bauten. 

Ihr wenige Kilometer entfernt gelegenes Lustschloss Favorite zeugt bis heute von ihrem außergewöhnlichen Kunstgeschmack. Beide Schlösser wurden im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört.

Rastatt war 1714 der Schauplatz, an dem europäische Geschichte geschrieben wurde. Hier wurde mit dem Rastatter Frieden der spanische Erbfolgekrieg beendet, in den alle europäischen Großmächte seit 1701 involviert waren. Das Schloss bot die Bühne für die viermonatigen Friedensverhandlungen, die im Rastatter Frieden mündeten.

Rastatt war von 1705 bis 1771 Residenz der Markgrafschaft Baden-Baden. In dieser Epoche entstanden die bedeutenden barocken Bauten, die heute noch das Stadtbild Rastatts prägen. Nach dem Aussterben der Baden-Badener Linie 1771 fällt die Markgrafschaft an das protestantische Baden-Durlach. Die neue Landesregierung unter Markgraf Karl Friedrich ergriff verschiedene Initiativen zur Förderung der Rastatter Wirtschaft. Hierzu zählen die Ausrichtung des Rastatter Kongresses, der von 1797 bis 1799 im ehemaligen Residenzschloss tagte, ebenso wie die Gründung einer Wagenfabrik. Das Hofgericht und später die Mittelrheinkreisregierung werden in Rastatt ansässig. Die Stadt entwickelt sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem wohlhabenden Behördenzentrum.

Bundesfestung und Badische Revolution

Der Bau der Rastatter Bundesfestung seit 1842 bedeutete einen Einschnitt in die Stadtentwicklung. Die Stadtvedute und auch das Leben in der Stadt verändern sich grundlegend. Die Behörden ziehen weg, die wirtschaftliche Entwicklung ist fortan sehr eingeschränkt und stark vom Militär abhängig.

Im Jahr 1849 wurde Rastatt zentraler Schauplatz des revolutionären Geschehens während der Badischen Revolution. Vom 1. bis 23. Juli waren über 5.500 Mann der Revolutionsarmee in der Festung eingeschlossen, die schließlich vor den preußischen Belagerern kapitulierten. Die Bundesfestung Rastatt wurde zum Symbol der badischen Revolution. Für die Preußen war es die Stätte des Triumphs, für die badischen Demokraten der Ort der Niederschlagung. Mit der Entfestigung seit 1890 fallen die Festungswälle und Rastatt wird wieder eine offene Stadt. Neue Industrieansiedlungen kommen nach Rastatt und bringen der Stadt Wohlstand.

Rastatt im 20. Jahrundert

Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise stoppen diesen Aufschwung jäh. Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Armut prägen das Leben der Grenzstadt in den kommenden Jahrzehnten. Im Dritten Reich wird Rastatt wieder Garnisonsstadt und entgeht seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nur knapp.

Nach dem Krieg ziehen französische Soldaten in die Kasernen und prägen das Leben in der Stadt bis zu ihrem Abzug in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts mit. Mit der Eröffnung eines Werkes der Daimler AG wird Rastatt 1997 ein bedeutender Standort der Automobilindustrie.

Heute ist die Große Kreisstadt Rastatt Sitz des Landkreises Rastatt und ein lebendiges Mittelzentrum.

Kontakt:

Stadtmuseum Rastatt
Im Vogelschen Haus
Herrenstraße 11
76437 Rastatt
Tel. 07222 972-8400
E-Mail: museen@rastatt.de



Imagefilm der Stadt Rastatt: