Stolz auf „ihren“ Wald, den sie im Auftrag der Bürger hegen und pflegen: Oberbürgermeister Pütsch und Förster Koch. / Foto: Stadt Rastatt
Andächtiger Moment vor dem beeindruckenden Silberweiden-Ensemble. / Foto: Stadt Rastatt
Die Firma Silva Ligno macht wertvolle Hackschnitzel aus den Pappelstämmen. / Foto: Stadt Rastatt
Bezaubernd: Waldkönigin Ramona Rauch aus Rosenfeld-Bickelsberg. / Foto: Stadt Rastatt
Noch-Forstdirektor Heinz Wicht fuhr dem Ruhestand stilecht in einer Pferdekutsche entgegen. / Foto: Stadt Rastatt

Spaziergang im grünen Lebenswerk: Waldbegehung auf den Spuren von Forstdirektor Heinz Wicht

(10. Oktober 2017) Ganz im Zeichen der „Ära Wicht“ stand am Freitag, 6. Oktober, die jährliche Begehung des Rastatter Stadtwaldes. Die mehrfach beschworene „Ära“ des Forstdirektors Heinz Wicht endet am 30. Oktober mit seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Ganze 29 Jahre hat Wicht als Forstdirektor im Landratsamt den Forstbezirk Rastatt betreut und gemeinsam mit den städtischen Förstern die Entwicklung des Stadtwaldes gelenkt.

Die rund 50 Stadt- und Ortschaftsräte konnten sich schon bei der ersten Station im Wintersdorfer Rheinauenwald davon überzeugen, wie innovativ und weitsichtig Wicht dabei vorging: „Rastatts viel beachteter Auenwald in seiner heutigen Form ist auch ein Verdienst von Heinz Wicht“, erläuterte Martin Koch, Leiter des Kundebereichs Forst bei der Stadt Rastatt. Mit ansteckender Begeisterung erklärte er, wie nach dem Orkan Lothar unter Wichts Regie ein kompletter Neustart gewagt wurde, der dem Auenwald ein ganz neues Gesicht verlieh. Bei der Wanderung durch den Auenwald verwies Koch unter anderem auf die sichtbaren Folgen eines „Lochhiebs“, bei dem alte Pappeln durch junge Stieleichen ersetzt wurden. Diese konnten im Schutz der umstehenden Bäume geschützt gedeihen. Gemeinsam mit Silberweiden, Eschen, Wildobst und Nussbäumen beendeten sie die Alleinherrschaft der Pappel und verwandelten den Auenwald in einen Hartholz-Mischwald. „Das ist ein schräger Mix, den finden sie in keinem Lehrbuch für Forstwirtschaft“, lachte Koch, der mit großem Respekt auf 27 Jahre Zusammenarbeit mit Wicht zurückblickte. 

Die experimentellen Ansätze machten den Auenwald über Jahre zu einer Pilgerstätte für Studenten und Wissenschaftler. Mehrfach bedankten sich die beiden Förester Koch und Wicht auch beim Rastatter Gemeinderat, der immer wieder ihre mutigen Konzepte mittrug. „Die Stieleiche rechnet sich heute in jeder Hinsicht“, freute sich Koch über den Erfolg bei der Ansiedlung des wertvollen Hartholzes. Von Erfolg gekrönt waren auch die Experimente der Förster mit Stecklingen der Silberweide. Die Bäume bieten nicht nur natürlichen Hochwasserschutz, sondern sind inzwischen zu echten „Augenweiden“ herangewachsen. Selbst die entthronte Pappel hat ihren neuen Platz im Gefüge des Auenwalds Wicht’scher Prägung gefunden: An der letzten Station der Wanderung im Rheinauenwald hatte die Iffezheimer Firma Silva Ligno schweres Gerät aufgefahren. In wenigen Sekunden wurden vor den staunenden Augen der Wanderer meterlange Pappelstämme zu Hackschnitzeln verarbeitet. Das wegen einbrechender Spanplattenproduktion eher unattraktive Weichholz-Nebenprodukt aus dem Stadtwald könnte als Energieträger in Zukunft jährlich 800 Neubauten mit Wärme versorgen, rechnete Bürgermeister Hartweg vor.

Nach einer kurzen Busfahrt in den Ottersdorfer Oberwald erreichten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die letzte Station der Waldbegehung im Gänsemarsch über einen historischen Hochwasserdamm aus der Zeit des Türkenlouis. In der Gegenwart angekommen, präsentierte Uwe Kirst vom städtischen Kundenbereich Forst die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte und das neue Fahrzeugkonzept der Rastatter Forstwirtschaft. Gar nicht ins Bild passte da die märchenhafte Pferdekutsche, die plötzlich am grünen Horizont erschien und sich gemächlich näherte. In seiner freundschaftlichen und humorvollen Abschiedsrede für den stets hilfsbereiten „Wald-Wichtel“ verwies Koch zwar geheimnisvoll auf die ebenso fantastische Märchengestalt der Waldkönigin. Die Erklärung folgte jedoch erst nach lobenden und dankbaren Abschiedsworten von Landesforstpräsident Max Reger und Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch. „Sie sind ein Vordenker und haben die Stadt Rastatt als Waldbesitzer immer bestens beraten“, bedankte sich Pütsch beim scheidenden Forstdirektor. Das letzte Wort hatte die von Koch angekündigte Märchengestalt, die mit Holzkrone und Zepter aus der Kutsche stieg und sich als Baden-Württembergs offizielle Waldkönigin Ramona Rauch vorstellte. Sie bat Wicht samt seinen „Gehilfen“ Koch und Kirst an Bord und entschwand unter dem Applaus der Anwesenden in Richtung Wintersdorf, wo der Abschied im „Grünen Baum“ gebührend gefeiert wurde.

Weitere Fotos der Waldbegehung:

 
 

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