Kommunale Klimapartnerschaft: Delegation aus dem Senegal zu Besuch in Rastatt

Zu einer intensiven Arbeitswoche im Rahmen der kommunalen Klimapartnerschaft waren die stellvertretende Bürgermeisterin von St. Louis, Aida Mbaye ep Dieng, der stellvertretende Direktor des Amts für Kommunalentwicklung St. Louis, Boun Daouda Soumare und die Vizepräsidentin der Naturfreunde St. Louis, Peinda Faye ep Mbaye, von 26. Oktober bis 2. November 2014 zu Besuch in Rastatt. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch, weiteren Vertretern aus der Stadtverwaltung und aus der Zivilgesellschaft erarbeiteten sie in Workshops zu unterschiedlichen Aspekten des Klimaschutzes konkrete Maßnahmen für die Partnerschaft.

Gemeinsam mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt, die sich für das Projekt „50 kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ verantwortlich zeichnet, wurden bereits am ersten Arbeitstag die Oberziele des gemeinsamen Handlunsgprogramms festgelegt:

• Sensibilisierung der Bevölkerung für den Klimaschutz
• Stadtbegrünung und Aufforstung
• Erneuerbare Energien / Photovoltaik
• Energieeffizienz

In unterschiedlichen Workshops zu den Themen Hochwasserschutz, Energieversorgung, Abfallentsorgung und Grünanlagen wurde der Maßnahmenkatalog für die Klimapartnerschaft vertieft, denn: Am Ende der 18-monatigen Klimapartnerschaft müssen die Oberziele auf konkrete Maßnahmen heruntergebrochen werden.

Im Rahmen der kommunalen Klimapartnerschaft arbeiten Vertreter aus St. Louis und der Stadt Rastatt gemeinsam an Klimaschutz Projekten / Foto: Stadt Rastatt

St. Louis ist stark von Folgeschäden des Klimawandels betroffen

St. Louis, das sowohl an der Küste als auch am Fluss Senegal liegt, ist besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen: Der Meeresspiegel ist ebenso stark angestiegen wie der Wasserstand des Senegals. Es kommt zu Überschwemmungen und Küstenerosionen. Viele der Lösungen für die akuten Probleme der Stadt waren bisher lediglich Teillösungen, die wiederum weitere Probleme nach sich zogen, berichtete stellvertretende Bürgermeisterin von St. Louis, Aida Mbaye ep Dieng, bei einem Pressegespräch zu Beginn der Arbeitswoche. Immerhin versuche St. Louis inzwischen, eine nachhaltige Stadtentwicklung zu betreiben und agiere auf der Basis eines Stadtentwicklungsplans. In der Tat gehe es nicht alleine darum, die vorhandenen Klimaschäden zu beseitigen, sondern vorauszudenken und nachhaltige Lösungen zu finden, bekräftigte OB Pütsch. „Helfen können wir vor allem mit Ideen“, so das Stadtoberhaupt – zumal die Klimapartnerschaft nicht eine finanzielle Unterstützung im Fokus hat. Allerdings wolle man gute Konzepte entwickeln, um an Fördertöpfe zu kommen. Als gelungenes Beispiel für ein solches förderwürdiges Konzept wurde der Delegation das Hochwasser- und Ökologieprojekt Murg vorgestellt, bei dem die Kosten zum Teil von der Europäischen Union getragen wurden. Viele Probleme in St. Louis seien ohnehin keine lokalen Erscheinungen, sondern betreffen den ganzen Staat, so die stellvertretende Bürgermeisterin. Eine Zusammenarbeit auf Landesebene sei daher unumgänglich. Ganz ähnlich sieht das auch Bürgermeister Wolfgang Hartweg, der sich mit der Delegation über das Thema Hochwasserschutz austauschte. Zwar sei es aus der Ferne schwierig, Lösungen zu finden, aber man habe schon einige Ideen entwickelt, in welche Richtung mögliche Projekte gehen könnten. Gerade aber die Hochwasserproblematik könne St. Louis nicht alleine lösen. In St. Louis seien wesentlich größere Projekte nötig als in Rastatt, machte Hartweg deutlich. „Unsere Probleme und Lösungen sind umgekehrt proportional zueinander“, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin. Umso wichtiger sei es daher, Prioritäten zu setzen: „Wir müssen uns auf die Projekte konzentrieren, die bereits in der Pipeline stecken, und diese zügig umsetzen“, so Mbaye ep Dieng. Und auch der Oberbürgermeister stellte klar, dass die Sorgen und Nöte in St. Louis viel größer seien als in Rastatt. Daher müsse der Mehrwert dieser Klimapartnerschaft in St. Louis ankommen, so Pütsch.

Die Stadtverwaltung von St. Louis muss sich beim Anlegen von Grünflächen mit Herausforderungen wie Überschwemmungen und Haustieren auseinandersetzen / Foto: Stadt Rastatt

Umso mehr versprechen sich die Senegalesen daher auch von der kommunalen Klimapartnerschaft: „Sie ist für uns sehr wichtig“, so Boun Daouda Soumare, stellvertretender Direktor des Amts für Kommunalentwicklung St. Louis. Für ihn ist die Expertise und Kompetenz aus Rastatt in Sachen Hochwasserschutz und Bodenerosion von besonderer Bedeutung. Eine weitere zentrale Aufgabe sieht er aber auch darin, die Bevölkerung für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren und dieses auch nach außen zu kommunizieren.

Die Vizepräsidentin der Naturfreunde St. Louis, Peinda Faye ep Mbaye, ist fest vom Erfolg der Klimapartnerschaft überzeugt. Ihre Rastatter Kollegin, die Vorsitzende der Naturfreunde Rastatt, Uschi Böss-Walter, sprach von einem „Austausch auf Augenhöhe“ und freute sich über das großartige Engagement aller Beteiligten. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin bedankte sich, im Namen des Bürgermeisters von St. Louis, für das großartige Engagement der Stadt, aber auch der Naturfreunde Rastatt.

Damit Klimaschutz funktioniert müssen alle Akteure mit berücksichtigt und eingebunden werden / Foto: Stadt Rastatt

Die Woche in Bildern

Ankunft der dreiköpfigen Delegation aus St. Louis

Eintrag ins Gästebuch der Stadt / Foto: Stadt Rastatt
OB Pütsch begrüßt die Delegation aus dem Senegal herzlich / Foto: Stadt Rastatt

Die Workshops

Workshop Hochwasserschutz und Besichtigung der Murg

Nachdem sich Bürgermeister Wolfgang Hartweg mit den Senegalesen über die Hochwasserproblematik in St. Louis ausgetauscht hatte, zeigte Axel Pälchen vom Regierungspräsidium Karlsruhe der Delegation vor Ort die Rastatter Hochwasserschutzmaßnahmen an Murg und Rhein.

Hochwasserschutz war ein wichtiges Thema bei der Exkursion an die Murg / Foto: Stadt Rastatt
Axel Pälchen vom Regierungspräsidium Karlsruhe erläutert die Renaturierungsmaßnahmen an der Murg / Foto: Stadt Rastatt
Zwei Dolmetscherinnen sorgten für eine reibungslose Verständigung zwischen der französischsprachigen Delegation aus dem Senegal und ihren deutschen Gastgebern / Foto: Stadt Rastatt

Workshop star. Energiewerke

Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der star. Energiewerke, führte die Delegation unter anderem durch das Wasserkraftwerk Ottersdorf. Während des Workshops wurde schnell klar: Zwischen der Energieversorgung in Rastatt und St. Louis gibt es eklatante Unterschiede: Während in Rastatt im Jahr durchschnittlich weniger als eine Minute der Strom ausfällt, sind stundenlange Ausfälle in St. Louis an der Tagesordnung. Besonders interessiert war die Deelegation aus St. Louis beim Thema erneuerbare Energien / Photovoltaik. Hier wünschen sie sich Experten-Unterstützung aus Rastatt.

Die Delegation besichtigt die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Wasserkraftwerkes Ottersberg / Foto: Stadt Rastatt
Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der star.Energiewerke, führt Peinda Faye ep Mpaye, Viezepräsidentin der Naturfreunde St. Louis, ein Auto mit Elektroantrieb vor / Foto: Stadt Rastatt
Vom Dach des Wasserkraftwerkes Ottersdorf hat man eine tollen Blick auf das Wasserschutzgebiet / Foto: Stadt Rastatt

Workshop Grünanlagen und Besichtigung der Ökostation

Auch beim Thema Grünanlagen unterscheiden sich die beiden Städte deutlich voneinander. In Rastatt gibt es über 40 große, öffentliche Grünanlagen und mehr als 10.000 Bäume, die von der Stadt gepflegt werden. In St. Louis hingegen ist der Baumbestand sehr gering, Parks gibt es kaum. Allerdings hat St. Louis bereits ein eigenes Grünkonzept erarbeitet, an dem die Klimapartner anknüpfen können.

Die Stadt Rastatt verfügt über mehr als 40 Grünflächen, mehr als 10 000 Bäume stehen in der Kernstadt / Foto: Stadt Rastatt
Bei der Öko Station der Stadt Rastatt führte Richard Fetzner, den Gästen aus dem Senegal, seine energieeffizienten Kocher vor / Foto: Stadt Rastatt

Beim Besuch der Rastatter Ökostation stellte Richard Fetzner der Delegation einen energiesparenden Kocher vor. Die Bauanleitung geht nun nach St. Louis.

Richard Fetzner mit einem seiner selbstgebauten, energiesparenden Kocher / Foto: Stadt Rastatt
Durch die Bauweise des Kochers lässt sich Brennmaterial einsparen und die Umwelt wird entlastet / Foto: Stadt Rastatt

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