Dialog zum barrierefreien Bahnhof lässt auf Taten hoffen

Zum Dialog in Sachen barrierefreier Bahnhof war die Deutsche Bahn am 11. Juli nach Rastatt in die Reithalle gekommen. Und zum Zuhören. Schließlich ging es an diesem Abend um die konkreten Barrieren, denen Menschen mit Behinderung am Bahnhof ausgesetzt sind. Fünf dieser „Experten in eigener Sache“, allesamt aktiv im Expertenkreis Inklusion, waren die Hauptakteure bei der Podiumsdiskussion und vorab bei der Begehung am Bahnhof. So sprach Dr. Christoph-Benedikt Scheffel für die Rollstuhlfahrer, Marianne Fischer für die Senioren, Hans Kühn für die Blinden, Angelika Rothenberger für die Menschen mit Höreinschränkungen und Hasso Schmidt-Schmiedebach für Menschen mit geistiger Einschränkung. Fazit der gemeinsamen Veranstaltung mit der Stadt Rastatt, zu der etwa 100 Interessierte gekommen waren: Greifbare Zusagen zur barrierefreien Umgestaltung des Bahnhofs gab es zwar nicht, wenigstens aber das Bekenntnis der Bahn, am Zuge zu sein – auch ohne große finanzielle Beteiligung der Stadt. Und die Zusicherung, „in den nächsten zwölf Monaten“ anzusagen, wann und wie die Barrierefreiheit realisiert wird.

Die Experten in eigener Sache zeigten den Bahnverantwortlichen beim Ortstermin am 11. Juli, welchen konkreten Barrieren sie am Rastatter Bahnhof ausgesetzt sind. Fotos: Stadt Rastatt
Die Experten in eigener Sache zeigten den Bahnverantwortlichen beim Ortstermin am 11. Juli, welchen konkreten Barrieren sie am Rastatter Bahnhof ausgesetzt sind. Fotos: Stadt Rastatt

„Wir versuchen, für Rastatt eine Lösung zu finden. Die wird es definitiv geben“, machten die beiden Bahnvertreter Sven Hantel, Konzernbevollmächtigter für das Land Baden-Württemberg, und Michael Groh, Leiter des Regionalbereichs Südwest, bei der Veranstaltung deutlich. Wie dringend nötig das wäre, zeigte sich anschaulich beim Ortstermin. Denn weiter als zum bisher einzigen barrierefrei zugänglichen Gleis 1 kam die Gruppe gar nicht. Ironie der Örtlichkeit: Ausgerechnet an diesem Gleis fahren keine Züge ab. „Warum eigentlich?“, fragte Oberbürgermeister Pütsch und regte später an, die Nutzung dieses Gleises durch Regionalverkehrszüge zu prüfen. Während man diskutierte, plagte sich eine Mutter mit einem Kinderwagen und Koffern die Treppe herunter. Und ein Fahrradfahrer schimpfte über die skandalösen Zustände am Knotenbahnhof, der täglich von 6.000 bis 8.000 Menschen genutzt wird. 

Nicht nur Menschen mit Behinderung stellt der Rastatter Bahnhof vor massive Probleme: Mütter mit Kinderwägen, Radfahrer oder Reisende mit schwerem Gepäck gelangen nicht ohne großen Kraftakt an die Gleise. Fotos: Stadt Rastatt
Nicht nur Menschen mit Behinderung stellt der Rastatter Bahnhof vor massive Probleme: Mütter mit Kinderwägen, Radfahrer oder Reisende mit schwerem Gepäck gelangen nicht ohne großen Kraftakt an die Gleise. Fotos: Stadt Rastatt

„Eine echte Perspektive für den Bahnhof“ hatte Moderator Michael Janke, Ressortleiter der Badischen Neuesten Nachrichten in Rastatt, als Ziel der Veranstaltung ausgegeben. Er erinnerte an das lange, mühevolle Ringen um eine barrierefreie Sanierung des Bahnhofs. Seit 2005 habe es unzählige Appelle der Stadtspitze an die Bahn gegeben, 2009 Rastatts Integration in das Bahnhofsmodernisierungsprogramm und Ende 2016 den Gemeinderatsbeschluss zu Rastatts Ausstieg wegen zu hoher Kosten für die Stadt. Im März 2017 dann hatte der Expertenkreis Inklusion die Initiative ergriffen und eine Resolution an Bahnchef Lutze verfasst, den Dialog eingefordert und vor allem: konkrete Maßnahmen.

„Wie sind denn Ihre Erfahrungen am Bahnhof?“, wollte Egbert Mauderer wissen, der neben Janke die Veranstaltung moderierte. Katastrophal, kam es unisono von den Experten in eigener Sache. Da fehlen nicht nur die an anderen Bahnhöfen selbstverständlichen Aufzüge. Es mangelt auch „im Kleinen“ an Infotafeln für Höreingeschränkte, an taktilen oder akustischen Leitsystemen für Blinde, an Hebebühnen oder auch einfach an Servicepersonal vor Ort, das einpackt, wenn Barrieren überwunden werden müssen. 

Die Bahnvertreter hörten aufmerksam zu und baten den Expertenkreis um eine Liste mit Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können. „Kleinvieh macht auch Mist“, fasste OB Pütsch dies als Teilerfolg der Veranstaltung zusammen. Wie man den Expertenkreis kennt, wird die Liste nicht lange auf sich warten lassen. Jetzt ist es an der Bahn, Taten folgen zu lassen – im Kleinen wie im Großen. 

„Inklusion ist ein Menschenrecht, Sie von der Bahn sollten sich das bewusst machen“, meldete sich eine Zuhörerin zu Wort. Eine von vielen, die sich lebhaft an der Diskussion beteiligten und einen barrierefreien Bahnhof einforderten. Anders als die Bahn mache die Stadt vor, dass Inklusion in Rastatt keine „leere Worthülse ist, sondern gelebt wird“, betonte CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitta Lenhard. „Es muss hier was passieren!“, unterstrich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek. Die Dialogveranstaltung sei gut, darüber waren sich fast alle einig. Aber „ich möchte nicht nur Dialog, sondern Ergebnisse“, brachte es Hasso Schmidt-Schmiedebach auf den Punkt. 

Was muss, was kann getan werden, um den Rastatter Bahnhof barrierefreier zu gestalten? Bei der Infoveranstaltung am 11. Juli in der Reithalle versprachen die Vertreter der Deutschen Bahn, eine Lösung für Rastatt zu finden. Fotos: Stadt Rastatt
Was muss, was kann getan werden, um den Rastatter Bahnhof barrierefreier zu gestalten? Bei der Infoveranstaltung am 11. Juli in der Reithalle versprachen die Vertreter der Deutschen Bahn, eine Lösung für Rastatt zu finden. Fotos: Stadt Rastatt
Was muss, was kann getan werden, um den Rastatter Bahnhof barrierefreier zu gestalten? Bei der Infoveranstaltung am 11. Juli in der Reithalle versprachen die Vertreter der Deutschen Bahn, eine Lösung für Rastatt zu finden. Fotos: Stadt Rastatt
Was muss, was kann getan werden, um den Rastatter Bahnhof barrierefreier zu gestalten? Bei der Infoveranstaltung am 11. Juli in der Reithalle versprachen die Vertreter der Deutschen Bahn, eine Lösung für Rastatt zu finden. Fotos: Stadt Rastatt

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