Infoveranstaltungen „Flüchtlinge in Rastatt“: 
Große gemeinschaftliche Aufgabe für die nächsten Jahre

Flüchtlinge in Rastatt. Ein Thema, das die Bürger/innen der Barockstadt sichtlich interessiert - und bewegt. Und so war der Zulauf zu den beiden städtischen Informationsveranstaltungen am 13. Oktober in der Reithalle und am 15. Oktober im Tulla-Gymnasium riesig. OB Hans Jürgen Pütsch, Erster Landesbeamter Dr. Jörg Peter vom Landkreis, Bürgermeister Arne Pfirrmann, Achim Schick vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Sandra Hentze von der Stadtplanung und die städtische Flüchtlingskoordinatorin Petra Heinisch-Hildenbrand präsentierten die aktuellen und prognostizierten Flüchtlingszahlen für Rastatt, die derzeitigen und die geplanten Standorte zur Unterbringung sowie Infos zu Ansprechpartnern und zum bürgerschaftlichen Engagement (alle Vorträge und Informationen siehe rechts).

Etwa 350 Bürger/innen in der Reithalle und knapp 100 im Tulla-Gymnasium hörten: Auch Rastatt wird in den kommenden Jahren weitaus mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen als bisher geplant. Die Zahlen steigen in immer kürzeren Abständen sprunghaft an. So muss der Landkreis Rastatt bis zum Jahresende pro Monat fast 500 Flüchtlinge aufnehmen, die direkt aus der Landeserstaufnahmestelle Karlsruhe zugewiesen werden. Die Unterbringung erfolgt in Gemeinschaftsunterkünften, wie sie in Rastatt in der Alten Bahnhofstraße und seit Kurzem auch in der Lyzeumstraße 23 vorhanden sind. Eine neue Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises wird gerade in der Woogseestraße fertiggestellt. Für die nächsten Jahre reichen die vorhandenen Plätze jedoch bei Weitem nicht aus, wie Dr. Peter ausführte. Daher plane der Landkreis zur vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen eine weitere Gemeinschaftsunterkunft auf dem ehemaligen Kasernengelände Merzeau. Um auch eine zukünftige Nutzung des Geländes im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung sicherzustellen, erfolge die Planung gemeinsam mit der Stadt. Mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben seien erste Gespräche geführt worden.

Große Aufgabe für Rastatt: mehr als 1.300 Anschlussflüchtlinge bis Ende 2018

Rasant steigende Zahlen gibt es auch bei der Anschlussunterbringung von Flüchtlingen, für die die Städte und Gemeinden zuständig sind. Diese Flüchtlinge sind größtenteils bereits zwei Jahre in Deutschland, kennen sich vor Ort aus und sprechen Deutsch. Bis Mitte 2016 muss Rastatt hier keine zusätzlichen Plätze zur Verfügung stellen. Es bleibt bei den 32 Personen, die 2015 in der Lützowerstraße untergebracht wurden und noch werden. Aber ab dem zweiten Halbjahr 2016 bis Ende 2018 muss Rastatt nach der aktuellen Prognose mit mehr als 1.300 Flüchtlingen rechnen, wie Bürgermeister Pfirrmann und Achim Schick erläuterten. 

Vorschlag Bittlerweg, Platanenstraße und Berliner Ring

Und wo sollen die Anschlussflüchtlinge untergebracht werden? Hier zeigte Stadtplanerin Sandra Hentze erste Ideen. Nach dem einstimmigem Beschluss des Gemeinderates von März 2015, der unter anderem eine dezentrale Unterbringung und gute Integrationsmöglichkeiten im Umfeld vorsieht, hat die Verwaltung erste geeignete Standorte untersucht. Als gut geeignet, so Hentze, haben sich die folgenden Flächen herauskristallisiert: am Bittlerweg für circa 90 bis 120 Bewohner, in der Platanenstraße für circa 180 Bewohner und am Berliner Ring für circa 90 Bewohner. 

Die Reaktionen der Bürger/innen in der Reithalle und im Tulla-Gymnasium waren sehr positiv bis gemischt-kritisch. Einerseits fand die städtische Veranstaltung großen Zuspruch. Es gab viel Lob für die „tolle Vorarbeit der Verwaltung“ und vielfältige Bekenntnisse zur Willkommenskultur in Rastatt und zur Selbstverständlichkeit, helfen zu wollen.  Nicht ganz so positiv wurden die Standort-Vorschläge kommentiert. Zumindest zum Berliner Ring gab es kritische Stimmen aus den angrenzenden Wohngebieten. Und aus der Nachbarschaft in der Platanenstraße wurde eine Unterschriftenliste mit 28 Unterzeichnern an OB Pütsch übergeben.

Pütsch betonte, jede Kritik werde ernst genommen. Er appellierte an die Bürger/innen, offen zu sein und sich konstruktiv bei dieser großen gesellschaftlichen Bewährungsprobe einzubringen. Denn „nur gemeinsam können wir hier in Rastatt die Aufnahme der Flüchtlinge und deren Integration schaffen.“

Der Gemeinderat wird nun am Montag, 19. Oktober, ab 17.30 Uhr in öffentlicher Sitzung in der Reithalle über die präsentierten Standortvorschläge entscheiden.

Zahlreiche Rastatterinnen und Rastatter waren gekommen zur Infoveranstaltung in der Reithalle...
... und in der Aula des Tulla-Gymnasiums / Fotos: Stadt Rastatt.

Kontakt

Flüchtlingskoordinatorin
Petra Heinisch-Hildenbrand
Kaiserstraße 48
Zimmer 4.09
Tel. 0 72 22 / 972-1030
Fax 0 72 22 / 972-1039
fluechtlingskoordination@rastatt.de

Sprechzeiten:
Montag bis Donnerstag nach Vereinbarung
Mittwoch 14 Uhr bis 17 Uhr