Wolfgang Gruler gibt den Hecker – Schauspielführung durch die Barockstadt


Wolfgang Gruler alias Revolutionär Hecker im Ehrenhof des Residenzschlosses.

Das rote Halstuch und das blaue Hemd sind seine Markenzeichen: Revolutionär, mythische Figur und badisches Idol – Karl Franz Hecker. Seit diesem Jahr wandelt er durch Rastatts barocke Innenstadt und verbreitet revolutionäres Gedankengut unter seiner Gefolgschaft. Natürlich ist der Hecker nicht plötzlich von den Toten in Rastatt wiederauferstanden. Vielmehr ist der Freiburger Schauspieler Wolfgang Gruler in seine Rolle geschlüpft und bietet in Zusammenarbeit mit der Touristinformation Rastatt unter dem Motto „Lebt der Hecker noch?“ Schauspielführungen an.

(04.09.2013) Wolfgang Gruler, 54 Jahre alt, hat eine Passion: Geschichte. Obwohl er schon zu Schulzeiten leidenschaftlich gerne Geschichtsbücher wälzte, entschied er sich für ein handfesteres Studium der Volkswirtschaftslehre und betrieb jahrelang ein eigenes Geschäft. Eines Tages jedoch suchte die Stadt Freiburg Stadtführer. Aus einem Bauchgefühl heraus bewarb er sich und gab fortan als mittelalterlicher Mönch Berthold Schwarz interessierten Touristen Geschichtslektionen. Auftritte in Konstanz folgten, neue Figuren entwickelten sich. Den Kontakt zur Touristinformation Rastatt hat der Rastatter Wirtschaftsförderer Franz Reil hergestellt. Er hatte Gruler in Konstanz gesehen und war sofort begeistert. Da auch Gruler sehr von Rastatt angetan ist – „Die Rastatter sind außergewöhnlich freundlich und das Hatz-Bier ist köstlich“ – war es schnell beschlossene Sache: Gruler würde die Barockstadt in sein schauspielerisches Stadtführungsangebot aufnehmen. Und wie es sich gehört, mit einer Figur, die die Rastatter kennen: Karl Franz Hecker.

Auf seine Rollen bereitet sich Gruler akribisch vor. Er befragt Experten, studiert Geschichtsbücher und sucht in Antiquariaten nach Besonderheiten seiner Charaktere, die in der üblichen Literatur nicht erwähnt werden. „Für den Hecker habe ich schnell zahlreiche Schriften gefunden. Glücklicherweise lebte er in einer Zeit, als schon viel niedergeschrieben wurde. Ich habe sogar so viel Material, dass ich gleich zwei Führungen damit füllen könnte“, berichtet Gruler.

Um möglichst authentisch zu sein, legt Gruler auch besonderen Wert auf eine angemessene Sprache und Kleidung. Für den Hecker hat er neben den Markenzeichen rotes Halstuch und blaues Hemd auch einen Hut mit Fasanenfeder und lederne Barockstiefel aufgetrieben. Wie einst Hecker trägt Gruler einen langen Bart, den er geschickt in sein Schauspiel einfließen lässt.

Bei seiner Schauspielführung in Rastatt führt er seine Zuhörer vom Residenzschloss zum Ludwig-Wilhelm-Gymnasium über das Historische Rathaus zur Kirche St. Alexander. An jeder Station zeigt er verschiedene Facetten von Hecker: den wortgewandten Rhetoriker, den Chauvinisten, den radikal-demokratischen Revolutionär. Er beschimpft in einem Scheingespräch in der Beletage des Residenzschlosses den Herzog als „Saukopf“, macht sich lustig über die „Weibsleute“ und erklärt, warum die Revolution 1848 / 49 gescheitert ist. Für Gruler ist dabei die Mischung aus Geschichte und Unterhaltung wichtig: „Es macht mir einfach Spaß, die Menschen bei meinen Führungen zum Lachen zu bringen und ihnen gleichzeitig etwas beizubringen“. Als Hecker ist Gruler nicht nur optisch ein Blickfang, denn Gruler versteht es, seine tiefe, eindringliche Stimme mal lautstark fordernd, mal nachdenklich ruhig einzusetzen. Besonders die Akustik im Ehrenhof mit ihrem Halleffekt verleiht den Heckerschen Forderungen nach Freiheit und Gleichheit Nachdruck.

Gruler freut sich schon auf seine nächste Führung durch die Barockstadt, wenn er wieder zeigen kann: Der Hecker lebt noch – und zwar in Rastatt.

Wer Wolfgang Gruber als Hecker erleben möchte, hat schon bald Gelegenheit dazu, denn die nächste Schauspielführung „Lebt der Hecker noch?“ findet am Donnerstag, 3. Oktober 2013, 17 Uhr statt. Auskunft und Anmeldung in der Touristinformationen Rastatt, Herrenstraße 18 (Schloss), Tel. 07222 / 9721220, touristinfo@rastatt.de. Wolfgang Gruler alias Hecker kann ferner auf Anfrage für Gruppenführungen gebucht werden. Kontakt über die Touristinformation Rastatt.

Text und Foto: Katrin Bogner / Pressestelle Stadt Rastatt

 

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