Stadt Rastatt

300 Jahre Rastatter Frieden - Geschichte


Im Jahr 2014 jährte sich zum 300. Mal das große europäische Friedensereignis, der Friede zu Rastatt. Nach einem Jahrhundert der Kriege schuf dieser Friede, der 1714 im Rastatter Schloss ausgehandelt wurde, die Grundlage für eine längere Zeit des Friedens, die den Wiederaufbau des völlig zerstörten Oberrheins möglich machte.

Mit dem Rastatter Frieden wurde der spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) beendet. Der Vertrag zwischen Frankreich und Österreich bestätigte im Wesentlichen den vorausgegangenen Frieden von Utrecht, den Österreich noch nicht hatte akzeptieren wollen.

Die Friedensverhandlungen in Rastatt begannen am 26. November 1713. Am 6. März 1714 (nach anderen Quellen am 7. März) wurde der Friede abgeschlossen. Dem Rastatter Frieden folgte noch der Friede von Baden zwischen weiteren Kriegsbeteiligten, insbesondere zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich.

Das Schreibkabinett im Rastatter Schloss ist in die Geschichte eingegangen: Prinz Eugen von Savoyen und der französische Feldmarschall Villars sollen 1714 hier den Rastatter Frieden unterzeichnet haben.

Der Spanische Erbfolgekrieg und der Rastatter Frieden:

Rastatt war im Laufe seiner Geschichte dreimal Schauplatz überregional bedeutender historischer Ereignisse. Am bekanntesten ist Rastatt noch heute als Freiheitsfestung während der Badischen Revolution des Jahres 1849. 50 Jahre zuvor tagte hier zwischen Ende 1797 und Anfang 1799 der Rastatter Kongress, der den Versuch unternahm, die aus der französischen Revolution erwachsenden europäischen Kriege zu beenden. Dieser Versuch scheiterte kläglich mit der Ermordung der französischen Gesandten auf ihrer Rückreise und führte direkt in den Zweiten Koalitionskrieg.

Zum ersten Mal stand Rastatt im Jahr 1714 im Mittelpunkt des Weltgeschehens. Der am 6. März 1714 zwischen Marschall Claude-Louis-Hector de Villars und Prinz Eugen von Savoyen geschlossene Friedensvertrag beendete nicht nur den Spanischen Erbfolgekrieg, sondern schuf gleichzeitig die Grundlage für eine längere Zeit des Friedens.

Das vorausgegangene 17. Jahrhundert brachte wie in kaum einer anderen Epoche Krieg, Leid und Zerstörung über Mitteleuropa. Nach dem 1648 beendeten 30jährigen Krieg, setzte unter Ludwig XIV. von Frankreich ein halbes Jahrhundert französischer Expansionspolitik ein. Beginnend mit dem Devolutionskrieg (1667-1668) über den Holländischen Krieg (1672-1679), den Reunionskrieg (1683-1684), den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) bis zum Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) waren den Menschen nur wenige Jahre des Friedens vergönnt.

Diese Kriegswirren zerstörten die Markgrafschaft Baden-Baden als Grenzland zu Frankreich wie kaum eine andere Region. Die oberrheinischen und mit ihnen die badischen Lande hatten seit dem 17. Jh. inmitten des Spannungsfeldes der großen europäischen Machtkämpfe gelegen. Die Erlangung der Vormachtstellung in Europa war bereits seit Ludwig XIII. die Zielsetzung der Außenpolitik Frankreichs gewesen. Mit dieser Zielsetzung hatte Frankreich bereits in den Dreißigjährigen Krieg eingegriffen und die Österreicher mussten ihre Rechte im Westfälischen Frieden 1648 für Teile des Elsass und die rechtsrheinischen Städte Freiburg und Breisach an Frankreich abtreten. Die Reunionspolitik Ludwigs XIV. zielte nun in der Folge darauf ab, das Elsass ganz für Frankreich zu gewinnen. Der badische Raum ist deshalb seit dem Dreißigjährigen Krieg in den Machtkampf der europäischen Großmächte hineingestellt.

Die Trümmer zerstörter Burgen und Schlösser, die Reste der Vaubanschen Festungen links und rechts des Rheins, die Verteidigungslinien Ludwig Wilhelms in Mittelbaden, die Reste der Festungen Kehl und Philippsburg etc. sind schließlich stumme Zeugen kriegerischer und erbarmungsloser Zeitläufe im oberrheinischen Raum während dieser Zeit.

Der Spanische Erbfolgekrieg

In dieser militärisch und politisch angespannten Situation löste der Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II., der im Jahr 1700 ohne Erben verstorben war, den Ausgangspunkt für den Spanischen Erbfolgekrieg. Sowohl die Habsburger als auch die Bourbonen erhoben Anspruch auf den vakanten Thron. Nachdem König Ludwig XIV. seinen Enkel Philipp zum König von Spanien krönen ließ, bildete sich eine europäische Koalition unter der Führung des englischen Königs Wilhelm III. unter Einbeziehung der Niederlande und des Reiches, die sich dem Hegemonialstreben Ludwigs XIV. widersetzten. Der einsetzende Spanische Erbfolgekrieg verwüstete weite Teile Europas, vor allem das heutige Belgien, Süddeutschland und Norditalien, wurde aber auch in den überseeischen Kolonien ausgetragen.

Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden.

Den Oberbefehl über die Reichstruppen am Oberrhein hatte Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden inne. Die militärische Situation am Oberrhein war aber unter anderem aufgrund ausbleibender Unterstützung aus Wien schwierig. Dennoch gelang es dem berühmten Feldherrn, die übermächtige französische Armee unter Marschall Villars in Schach zu halten.

Mitten in diesem Kriege erfolgte die Verlegung der badischen Residenz von Baden-Baden, das im Pfälzischen Erbfolgekrieg in Schutt und Asche gelegt worden war, nach Rastatt. Das Schloss, um 1700 begonnen, wurde ab 1705 Sitz der baden-badischen Regierung. Als Festung konzipiert, sollte das neue Rastatt ein „Eckpfosten“ in einem System von Befestigungslinien sein, die der Markgraf am Oberrhein anlegen ließ.

Planungen für das Schloss Favorite

Als sich Ludwig Wilhelm aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschehen zurückzog, verdächtigte man ihn jedoch der Kollaboration mit Ludwig XIV. Unmittelbar nach seinem Tod im Januar 1707 überrannten die Franzosen die Bühl-Stollhofener Linie und besetzten die Markgrafschaft. Augusta Sibylla zog sich mit dem Hof nach Ettlingen zurück und konnte dauerhaft erst nach dem Rastatter Frieden 1714 in die Residenz zurückkehren. Der Ausbau der Residenz Rastatt stagnierte daher während des Spanischen Erbfolgekrieges. Markgräfin Sibylla Augusta begann allerdings bereits 1710, mitten in Kriegszeiten, mit den Planungen für ihr Lustschloss Favorite.

Erst als nach über einem Jahrzehnt des Krieges deutlich wurde, dass es in diesem Konflikt keinen militärischen Sieger geben würde, setzten Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien ein. Im Jahr 1713 schlossen die Konfliktparteien den Friede von Utrecht aus dem Österreich und das Reich noch ausgenommen waren. Daher stellte Markgräfin Sibylla Augusta das Rastatter Schloss für die Friedensverhandlungen zwischen den Häusern Habsburg und Bourbon zur Verfügung. Am 26. November 1713 trafen Claude Herzog von Villars und Prinz Eugen mit ihrem Gefolge zu Friedensgesprächen zusammen. Die Verhandlungen, die zwischenzeitlich vor dem Scheitern standen und abgebrochen werden mussten, gelangten in der Nacht vom 6. zum 7. März 1714 zu einem erfolgreichen Abschluss.  Am 7. März um sieben Uhr morgens - datiert auf den 6. März - schlossen das Haus Habsburg und das Haus Bourbon im Rastatter Schloss Frieden. Der Frieden zwischen den Reichsständen und Frankreich folgte am 7. September in Baden in der Schweiz.

Zäsur in der europäischen Geschichte

Der Friede von Rastatt beendete eine 150jährige Periode der Religions- und Hegemonialkriege in Europa, die Millionen Europäer mit dem Leben bezahlen mussten. Er stellt eine Zäsur in der europäischen Geschichte dar, auf die eine Zeit des Friedens und des wirtschaftlichen Aufbaus, die ein Vierteljahrhundert Bestand haben sollte, folgte.

Der Friedensvertrag von 1714 schuf letztendlich auch die Voraussetzungen, dass der Hof nach Rastatt zurückkehren konnte. Sibylla Augusta, die die Regierungsgeschäfte in Vormundschaft ihres ältesten Sohnes führte, erneuerte nun die bereits von Ludwig Wilhelm erlassenen Privilegien und Steuererleichterungen für die Bürger ihrer Städte, um den Aufbau zu fördern und zu beschleunigen. Dank der glücklichen Staatsführung unter Markgräfin Sibylla Augusta blühte das Land allmählich wieder auf, eine Politik, die unter den Söhnen Ludwig Georg und August Georg bis ans Ende der Residenzzeit 1771 fortgeführt wurde.

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